Was für eine Blamage für den Bayerischen Fußball-Verband (BFV). Der Verzicht des Regionalligaklubs SpVgg Unterhaching auf den Drittliga-Aufstieg kommt einer Bankrotterklärung für die gern so breitbeinig auftretenden BFV-Bosse gleich.
Denn: Von den Top sieben der Bayern-Staffel wollten allein die Würzburger Kickers an der Relegation teilnehmen – und die dürfen auch als Dritter gegen den Nordost-Meister ran. Echter Wettbewerb sieht anders aus.
Die Peinlichkeit unterstreicht die sofortige Notwendigkeit einer Reform des deutschen Profi-Unterbaus – zu dem der BFV-Präsident Dr. Christoph Kern zuletzt wenig konstruktiv beitragen wollte. Mehrfach stellte der 42-Jährige kuriose Alternativen zum favorisierten Kompassmodell in den Raum, um seine Regionalliga zu erhalten.
Den Deutschen Fußball-Bund (DFB) hatte er sogar mit einem „Frankfurter-Würstchen“-Spruch lächerlich gemacht und aufgefordert, der Verband müsse sich bei der 3. Liga bewegen und Diskussionsbereitschaft aufbringen.
Vier neue Ligen als Modell der Zukunft?
Jetzt zeigen ihm die Rand-Münchner, wie schwierig es um die Ambitionen in seiner Liga steht. Unterhaching hat einfach nicht das nötige Geld für den Aufstieg, auch weil die Bayern-Staffel nicht attraktiv genug ist und keine ausreichende Vermarktung besitzt. Genau deshalb sollen mit einer GmbH oder dem DFB als Träger vier neue vierte Ligen ins Leben gerufen werden.
Doch der BFV hat es offenbar immer noch nicht verstanden. In einer Pressemitteilung schrieb Kerns Verband: „Der Endspurt in der Regionalliga Bayern verspricht trotz der Entscheidung der SpVgg Unterhaching Hochspannung.“ Dabei können die Herztropfen im „Aufstiegskampf“ sicher im Schrank bleiben.
Demnächst könnten die Bayern auch ein Jahr lang Halma, Schach oder am besten bayerischen Schafkopf untereinander spielen, um dann eine Mannschaft, die gerade Lust hat, gegen den Nordost-Meister zweimal 90 Minuten antreten zu lassen.
Übrigens: Für Lok Leipzig, das drei Partien vor Schluss fünf Punkte vor Jena an der Spitze liegt, wäre es gegen Würzburg die dritte Relegation als Meister, die zweite in Serie.
Vielen Fans ist die aktuelle Aufstiegsregelung seit Jahren ein Dorn im Auge. Die Staffelsieger von Südwest und West dürfen immer hoch, die Erstplatzierten aus Nord, Bayern und dem Osten aber nur alle drei Jahre. Die zwei übrigen Meister müssen in die Extra-Runde. In Schutz zu nehmen sind die Würzburger Kickers selbst, die sich mit ihren Fans seit Monaten lautstark für eine Reform einsetzen.
Dr. Christoph Kern, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes, steht wegen der Aufstiegsregelung in der KritikWürzburg hat derzeit einen Punkt Rückstand auf Unterhaching und drei auf die zweite Mannschaft des 1. FC Nürnberg. Grotesk, dass der Meister der anderen Staffel nicht einfach aufsteigt, wenn in einem anderen Regionalverband der Erstplatzierte zurückzieht. Einmal mehr wird dadurch deutlich, wie wichtig eine schnelle Änderung des Ligensystems ist.
Dabei soll es mit dem Kompassmodell künftig eine sanfte Verdichtung der Qualität durch die Reduzierung von 90 auf 80 Viertligaklubs geben, die dann nach den kürzesten Fahrtstrecken in vier Staffeln eingeteilt werden. Dies wird auch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich Vereine in der Regionalliga finanziell besser entwickeln und den Schritt in die 3. Liga durchziehen wollen.
Dafür machen immer mehr Klubs Stimmung – auch im Südwesten. Der 1. FC Saarbrücken gab bekannt, dass er seine Mitglieder befragte. 73 Prozent sind für das Kompassmodell und nur 27 Prozent für die Alternative, das sogenannte Regionenmodell.
Es muss etwas passieren – vor allem wegen Bayern.
Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Bild“ veröffentlicht.
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