Für Oliver Kahn war das Leben selten klein gedacht. Auf dem Platz ein Titan, im Tor eine Legende – und nun? Der WM-Zweite von 2002 träumt vom nächsten großen Spielzug: einem eigenen Fußball-Imperium. Nachdem sein Kapitel bei den Bayern eher unsanft endete, will Kahn jetzt als Investor Europas Klubs aufmischen. Einziger Haken bislang: das nötige Kleingeld in Millionenhöhe.

Und genau hier betritt eine Figur die Bühne, die eher aus einem Film als aus der Realität zu stammen scheint: „Gerd Tanner“ (Name geändert), ein Mann mit großen Versprechen – und offenbar noch größeren Geschichten. Er stellte Kahn den Zugang zu sagenhaften Vermögen in der Schweiz und in Doha in Aussicht. „Das wird groß“, verkündete Kahn voller Zuversicht im internen Kreis. Groß wurde es tatsächlich – nur anders als gedacht.

Die „Bild“ berichtete Anfang Dezember über die brisante Partnerschaft, weckte Zweifel an der Finanzstärke von Tanner. Was anschließend folgte, liest sich wie ein Drehbuch: Am 17. Dezember 2025 lud Tanner den Ex-Nationalkeeper in ein Münchner Büro ein, berichtet ein Insider. Dort wartete angeblich die entscheidende Begegnung: eine schwerreiche Investorin aus dem Nahen Osten, bereit, Kahns Vision zu finanzieren.

Beschuldigte bestreiten ihre Anwesenheit bei dem Treffen

Die inszenierte Szene wirkte demnach perfekt: Eine verschleierte Frau fährt im Maybach vor, flankiert von einem Leibwächter. Luxus, Geheimnis, große Erwartungen. Kahn präsentierte, die Frau hörte zu – und verschwand wieder, lautlos, wie sie gekommen war.

Doch hinter den Kulissen bröckelt die Fassade. Denn nach späteren Erkenntnissen soll die mysteriöse Milliardärin gar keine gewesen sein. Stattdessen: eine Laiendarstellerin, engagiert für einen Auftritt in diesem bizarren Wirtschaftstheater. Eine Bekannte von Tanner, die offenbar eine Rolle spielte – und zwar überzeugend genug, um selbst einen erfahrenen Profi wie Kahn zumindest kurzfristig in den Bann ziehen zu können.

So beschreiben es Zeugen und Textnachrichten, die „Bild“ vorliegen. Die Beschuldigten weisen dagegen alles zurück, bestreiten sogar ihre Anwesenheit bei dem Treffen. Aussage steht gegen Aussage. Und Kahn? Der hält sich bedeckt. Kein Kommentar zu dem Treffen, nur der knappe Hinweis: Es sei nie zu einer Zusammenarbeit gekommen, der Kontakt mit Tanner längst abgebrochen.

Zurück bleibt eine Geschichte, die zeigt, wie schmal der Grat zwischen Vision und Illusion sein kann – selbst für jemanden, der einst die größten Stadien der Welt beherrschte. Dabei ist Kahns Plan durchaus ambitioniert: Mit seiner Firma „Oliver Kahn Sports Capital“ will er in den boomenden Markt der Multi-Club-Ownerships einsteigen – ein Modell, wie es etwa die City Football Group oder Red Bull GmbH vormachen. Mehrere Klubs kaufen, entwickeln und gewinnbringend weiterführen – Rendite statt Rasenromantik.

Doch nach dieser Episode dürfte selbst ein Titan genauer hinschauen, wem er künftig sein Tor öffnet.

Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Bild am Sonntag“ veröffentlicht.

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