Schon nach 37 Sekunden passierte der „Schweineball“. So bezeichnete Manuel Neuer später sein komplett fehlgeschlagenes Zuspiel, das eigentlich für Außenverteidiger Josip Stanišić gedacht war. Joshua Kimmich hatte einen Rückpass auf Neuer gespielt, so wie es Dutzende Male im Laufe einer Partie geschieht. Neuer nahm den Ball an und wollte auf Stanisic spielen, doch sein Zuspiel war unpräzise. Der Ball landete stattdessen bei Arda Güler. Der 21 Jahre alte Türke, der über einen der feinsten linken Füße im Weltfußball verfügt, beförderte die Kugel direkt ins Tor der Bayern. Das wäre nicht jedem gelungen.
„Ich treffe ihn halt überhaupt nicht gut und das war das Problem“, sagte Neuer in seiner unaufgeregten Neuer-Art nach dem Spiel. „Das war einfach ein Schweineball von mir, den ich gespielt habe, und er nimmt den direkt mit seinem top linken Fuß“, fügte er an. „Das kann er einfach und das zeichnet ihn aus.“
Blitz-Führung legt Grundstein für wildes Spiel
Mit der Blitz-Führung von Real Madrid war der Grundstein für ein Rückspiel im Champions-League-Viertelfinale gelegt, das außergewöhnlich war, besonders in der wilden ersten Halbzeit. „Ich glaube, wir müssen erstmal verarbeiten, was heute hier passiert ist“, sagte Neuer noch.
Zum Aufarbeitungsprozess wird ein genauer Blick auf die Torhüter-Leistungen an diesem denkwürdigen Abend notwendig sein. Die ersten 45 Minuten waren mit fünf Toren höchst unterhaltsam, taktisch gesehen aber chaotisch bis anarchisch. Im Grunde gab es keine Taktik, die Sturmreihen dominierten ohne Rücksicht auf Verluste, das Motto lautete auf beiden Seiten: „Auf sie mit Gebrüll.“ Real ging mit einer 3:2-Führung in die Pause, damit stand es in der Gesamtschau unentschieden.
Großen Anteil an dem zügellosen Spiel hatten die Slapstickeinlagen beider Torhüter. Nach Neuers Auftakt-Patzer lieferte Real-Torwart Andrij Lunin beim schnellen Ausgleich der Bayern durch Alexander Pavlovic (6. Minute) die nächste Komik-Einlage. Kimmich brachte einen Eckball scharf auf das Real-Tor. Lunin versuchte sich an einer Abwehr, was völlig misslang. Er griff daneben. Profiteur war der hinter ihm lauernde Aleksandar Pavlović, dem der Ball erst auf den Kopf und dann ins Tor fiel.
Erfolg für FC Bayern
Fortgesetzt wurde die Nummernrevue durch Neuer. In der 29. Minute leistete sich der ehemalige Welttorhüter die nächste unglückliche Einlage, als er bei einem Freistoß durch Güler mit der Hand am Ball war, der aber trotzdem im Tor landete. Genau wie Neuer, der symbolträchtig ebenfalls im Netz zappelte. Es war kein schwerwiegender Patzer, unglücklich sah es dennoch aus.
Zum Glück für den Keeper stand es am Ende dieses denkwürdigen Fußballabends 4:3 für die Bayern. Nach dem 2:1-Sieg im Hinspiel bedeutete das den Einzug in das Halbfinale der Champions League – ein Erfolg für den FC Bayern. Damit bleibt Neuer eine kritische Debatte erspart. Vor einer Woche in Madrid hatte er eine Weltklasse-Leistung gezeigt.
Bei Real Madrid werden sie intensiver über die Torwart-Leistung nachdenken. Mit dem verletzten Stammtorwart Thibaut Courtois wäre die Partie für die Spanier vielleicht anders ausgegangen. Der Gedanke ist nicht ganz abwegig.
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