Ein bisschen muss sich Declan Rice gefühlt haben wie Per Mertesacker damals bei seinem legendären Eistonnen-Interview bei der WM 2014. Nach dem schwerfälligen 0:0 gegen Sporting Lissabon rückte nicht der Einzug ins Champions-League-Halbfinale des FC Arsenal in den Fokus – sondern dessen erneut schwacher Auftritt im Duell mit dem Außenseiter aus Portugal. Dieser stand in krassem Kontrast zum Fußball-Spektakel beim rasanten 4:3 des FC Bayern gegen Real Madrid.
„Wie frustrierend war dieser Abend?“, fragte eine Reporterin von TNT Schlüsselspieler Rice. Der krankheitsbedingt geschwächte Profi wirkte überrascht. „Frustrierend? Ach was, wir sind im Halbfinale. Was kümmert es uns, was andere denken? Wichtig ist nur, was diese Mannschaft denkt, was dieser Trainer denkt“, sagte Rice, dessen Team es im Halbfinale (29. April und 5. Mai) mit Atlético Madrid zu tun bekommt.
Mertesacker hatte damals ein denkwürdiges Interview gegeben, ähnlich entrüstet und provoziert von ZDF-Reporter Boris Büchler. Das deutsche Team war im Achtelfinale gegen Algerien (2:1 nach Verlängerung) gerade mit Ach und Krach weitergekommen. Der ZDF-Mann befragte den Abwehrspieler kritisch. Und Mertesacker schimpfte: „Wat wollnse? Schön spielen und rausfliegen? Immer diese Fragerei“, blaffte er. „Ich leg' mich erst mal drei Tage in die Eistonne. Dann analysieren wir das Spiel und dann sehen wir weiter.“
So ähnlich gestaltet sich nun auch die Situation für Arsenal. Die Gunners bleiben zwar vor dem Premier-League-Showdown bei Manchester City am Sonntag (17.30 Uhr, im Sport-Ticker der WELT) als einziger englischer Klub im Rennen um den Titel in der Königsklasse. So überzeugend wie noch im Herbst wirken die Auftritte des Teams von Trainer Mikel Arteta aber schon seit Wochen nicht mehr. Gegen Sporting entschied über 180 Minuten ein Tor des deutschen Nationalspielers Kai Havertz, der im Rückspiel am Mittwoch erneut Joker war.
Arsenal steht in der Premier League vor Schlüsselspiel
Arteta und sein Team geraten in der entscheidenden Saisonphase zunehmend in Erklärungsnot für die dürftigen Auftritte. „Es gibt einen Grund, warum wir das einzige englische Team im Wettbewerb sind, denn diese Liga und dieser Spielplan zehren an einem. Es ist wahnsinnig schwierig, das zu erreichen, was wir geschafft haben“, sagte der 44 Jahre alte Spanier.
Wie Titelverteidiger und Bayern Münchens künftiger Halbfinal-Gegner Paris St. Germain standen die Londoner schon in der Vorsaison im Halbfinale – nun soll der Schritt ins Finale am 30. Mai in Budapest gelingen. In Kapitän Martin Ödegaard, Bukayo Saka und Jurrien Timber fehlten mehrere Schlüsselspieler.
„Worüber reden wir eigentlich? Genießt doch einfach, wo wir als Verein stehen. Wenn jemand das nicht möchte, ist das auch okay, wir genießen es sehr“, sagte Arteta trotzig. In der Premier League liegt Arsenal sechs Punkte vor Manchester City, die Londoner haben aber auch ein Spiel mehr absolviert. Mit einem City-Sieg im Topspiel wäre das Titelrennen auf der Insel also wieder vollkommen offen.
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