Erst erlebte er die sportliche Demütigung, dann folgte der Kampf um die eigene Gesundheit: Jaron Siewert, ehemaliger Trainer des Handballklubs Füchse Berlin, spricht zum ersten Mal über seinen Rauswurf in Berlin und macht im Dyn-Interview mit Finn-Ole Martins einen noch viel schlimmeren Schicksalsschlag öffentlich. Nach 2022 erlitt der 32 Jahre alte Berliner am 29. Oktober 2025 einen weiteren Schlaganfall.
Erst vom Verein in einem beispiellosen Doppelrauswurf zusammen mit Stefan Kretzschmar (53) vor die Tür gesetzt und kurz darauf der medizinische Schock. So erlebte Siewert die schlimmsten sechs Monate in seiner Trainer-Karriere. Jaron Siewert...
… über seinen Rauswurf
„Natürlich ging es mir nicht gut, mein Traum ist von jetzt auf gleich zerplatzt. Oder besser gesagt von einer Woche zur anderen. Ich bin dann erst einmal in ein Loch gefallen und musste einen Ausweg suchen. Ich habe mir natürlich Fragen gestellt und brauchte Wochen, um überhaupt zu begreifen, was da passiert ist. Meine Familie hat mir den Rückhalt gegeben. Wir haben die Koffer gepackt, sind nach Usedom an die Ostsee gefahren für drei Wochen. In der ganzen Zeit ging es mir mental ganz schön schlecht. Aber meine Familie hat mir positiv beigeredet, dass es nicht an mir liegt. Ich habe keinen Fehler gemacht, habe mir nichts vorzuwerfen.“
Jaron Siewert im Dyn-Interview… über die ersten Anzeichen der Trennung
„Das Interview von Frank Steffel (Präsident des Vereins – d. Red.) hat mich tatsächlich im Sommerurlaub erreicht. Obwohl ich die Nachrichten im Urlaub nicht checke, kam es über Umwege zu mir. Und ja, gefühlt hätten dort meine Alarmantennen schon ausschlagen müssen, aber ich war gutgläubig. Nach der Meisterschaft, nach dem Erreichen des Champions-League-Final-Four, dachte ich, dass die Zukunft für mich und auch Kretzsche bei den Füchsen weitergehen würde – für die nächsten drei, vier Jahre.“
… über das böse Erwachen
„Obwohl mir ein Vertrag von Bob Hanning vorgelegt wurde und wir, nach Rücksprache mit meinen Beratern, dem auch zugestimmt haben, hat Bob dann eine Rolle rückwärts gemacht. Es war darüber hinaus dann nicht nur ein einfaches Zurücktreten vom Vertrag, sondern ich wurde plötzlich komplett freigestellt.“
… über den Prozess des Verarbeitens
„Es hat eine ganze Weile gedauert, um ehrlich zu sein. In den ersten drei, vier Wochen habe ich mir einige Fragen gestellt. Aber ich konnte jetzt ganz gut mit dem ganzen Thema abschließen. In allererster Linie habe ich das mit mir selbst ausgemacht, denn ich bin mein größter Kritiker.“
… über den Schlaganfall-Schock
„Ich habe kurz nach dem Rauswurf am 29. Oktober einen weiteren Schlaganfall erlitten. Und da bin ich wirklich am Boden angekommen. Das hat mir im wahrsten Sinne des Wortes den Boden unter den Füßen weggezogen.“
Jaron Siewert (7. v. l.) nach dem Supercupgewinn 2025… über seine Ängste
„Zwei Monate nach der Freistellung einen erneuten Schlaganfall (2022 hatte Siewert einen während des Füchse-Trainings und sprach damals schon von wiederholtem Male – d. Red.), da brauche ich keinem erzählen, was das mit einem macht. Mit den ganzen Gedanken im Kopf, was die Zukunft betrifft. Aber die Ärzte haben mir zugesichert, dass nicht Stress der Grund war, sonst wäre der schon in der Saison passiert oder spätestens zum Saisonfinale gegen die Rhein-Neckar Löwen oder bei meiner Freistellung, sondern ein Medikament.“
… über die Gründe für den Schlaganfall
„Die Ärzte haben mir gesagt, dass der Blutverdünner, den ich seit 2022 nehmen musste, die Ursache war. Damals war es das richtige Mittel, aber nach neuestem Kenntnisstand eben nicht mehr. Ich wurde jetzt auf einen neuen Blutverdünner umgestellt. Ich mache den Ärzten keinen Vorwurf und blicke nach vorn.“
… über sein jetziges Leben
„Mein Leben prägt seitdem Dankbarkeit, das Ganze überstanden zu haben. Und lebensbejahender war ich schon nach dem Schlaganfall 2022. Sport ist nicht das Einzige, sondern es kommt auf die Familie an, die Freunde und auf echte Beziehungen.“
… über seine neuen Wege
„Ich blicke nach vorn, setze mir Ziele und möchte noch stärker zurückkommen, als ich vorher war. Darüber hinaus muss ich die Situation annehmen und nach vorn gucken und jetzt Gas geben, dass es weitergeht.“
Einst zusammen bei den Füchsen Berlin, nun nicht mehr: Ex-Trainer Jaron Siewert (l.) und der damalige Sportdirektor Stefan Kretzschmar… über seine Energiequelle
„Die meiste Kraft schöpfe ich aus der Familie. Meine Frau, meine Kinder, meine Eltern, meine Freunde. Also die geben mir alle Kraft, Energie und bestärken mich positiv in meinem weiteren Weg. Sie sind auf jeden Fall die größten Energiespender, die ich habe.“
… über seinen Gesundheitszustand
„Mir geht’s gut. Deutlich besser als Ende Oktober, als der Schlaganfall passiert ist. Da ging es mir ziemlich schlecht. Und ja, ich nähere mich den 100 Prozent an und bin voller Energie und für neue Aufgaben bereit. Das ist auch der Grund, jetzt darüber zu sprechen. Weil es gefühlt so ein Versteckspiel von meiner Seite aus gewesen ist. Ich fühle mich jetzt bereit für neue Aufgaben.“
… über einen neuen Trainerjob
„Dafür bin ich jetzt bereit. Also ich habe nur den einen Plan, das ist nämlich Plan A: Cheftrainer sein zu wollen und hoffentlich bald auch irgendwo wieder an der Seitenlinie zu stehen. Darauf habe ich die letzten Monate hingearbeitet. Ich bin voller Energie, voller Tatendrang, voller Lust auf die Projekte, die dort kommen werden. Ich habe schon mit, drei, vier Vereinen gesprochen. So ist es nicht. Als dann der Schlaganfall passiert ist, waren die aber komplett auf Eis gelegt. Die Angebote werden irgendwann bestimmt wieder reinkommen und die Angebote, die schon da waren, haben wir nicht abgesagt. Deswegen mache ich mir keine wirklichen Sorgen.“
… über einen Vereinswunsch
„Es sollte möglichst ein ambitioniertes Projekt sein. Also es muss jetzt nicht unbedingt Champions League oder Meisterschaftskandidat sein. Aber es soll auf jeden Fall ein Projekt sein, das Ambitionen hat, international zu spielen oder sich zu etablieren. Auf jeden Fall muss das Projekt jetzt erst mal zu mir passen. Ich muss zu dem Projekt passen. Wir müssen zusammen matchen und mal gucken, was in Zukunft kommt.“
Jaron Siewert, ehemaliger Trainer der Füchse Berlin, mit der deutschen Meisterschale, die er 2025 gewann… über das, was er gerade vermisst
„An der Seitenlinie zu stehen, die Mannschaft, die Spieler zu animieren, zu betreuen, zu entwickeln, eine Teamchemie zu gestalten, eine Gewinnerkultur zu implementieren, um Punkte, um Meisterschaften, um Pokale zu kämpfen. Also die ganzen Sachen fehlen mir deutlich im Alltag. Und deswegen werde ich alles daran setzen, sobald es geht, wieder an der Seitenlinie zu stehen.“
… über sein Füchse-Kapitel
„Es war eine schöne Zeit, die ich aber gefühlt jetzt abschließen will. Obwohl ich guten Handball liebe und die Füchse spielen nun mal einen guten Handball. Deswegen bleibe ich den Spielern weiterhin verbunden, weiterhin treu. Ich gucke mir auch weiterhin die Spiele der Füchse an. Es ist nicht so, dass ich jetzt komplett breche mit den Füchsen Berlin, aber es ist jetzt nur noch eine schöne Vergangenheit, eine schöne Geschichte, die man irgendwann mal erzählen kann. Es gehört jetzt der Vergangenheit an. Ich gucke jetzt nach vorn und bin gespannt, welche Aufgaben sich für mich stellen werden.“
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