Der emotionale Last-Minute-Sieg von RB Leipzig war am Gesicht von Oliver Mintzlaff keineswegs abzulesen. Mit versteinerter Miene schritt der Aufsichtsratschef und Red-Bull-Boss mit der Klubvorsitzenden Tatjana Haenni im Schlepptau nach dem 2:1 gegen den FC Augsburg in die RB-Kabine. Die Tür fiel zu – und eine gute Viertelstunde passierte davor erst einmal nichts.
Hinter der geschlossenen Tür setzte Mintzlaff zu einer gut zehnminütigen Rede an. Auf Englisch. Jeder in einem Leipziger Trikot sollte seine Botschaft schließlich verstehen. Er begann die Brandrede mit den Worten: „Glückwunsch zum Sieg – aber ich bin nicht hier, um zu gratulieren ...“
Dem Vernehmen nach wurde es emotional und deutlich. Mintzlaff betonte, man habe den richtigen Trainer, die richtige Mannschaft. Für das Ziel Champions League müssen sich „alle zerreißen“.
„Er hat uns nochmal auf die extrem wichtige Schlussphase eingestimmt. Es war gut, dass alle dabei waren. Es hat uns nochmal eingeschworen. Jetzt steht die Crunchtime an“, berichtete Trainer Ole Werner.
Am Ende dieser neun Spiele währenden Crunchtime der Fußball-Bundesliga soll für Leipzig mindestens Platz vier und damit die Qualifikation für die Champions League anstehen. Für das finanzielle Gleichgewicht des Klubs ist die Königsklassen-Teilnahme von enormer Bedeutung. Andernfalls müssten im Sommer erneut mehrere Leistungsträger abgegeben werden.
Und womöglich, da die Leistung gegen Augsburg alles andere als berauschend und der Sieg nur durch ein Eigentor in der Nachspielzeit zustande kam, wurde Mintzlaffs Rede so deutlich. In Leipzig war er ohnehin mal wieder, wenige Stunden vor dem Spiel war der 50-Jährige von den 182 Mitgliedern als Chef des Aufsichtsrats auf der Mitgliederversammlung wiedergewählt worden.
Anwesende berichten, man habe Mintzlaff bei seiner Rede schon noch deutlich angemerkt, wie sehr es den ehrgeizigen Boss wurmt, dass die Champions League letzte Saison verpasst wurde. Da bot sich der Gang in die Kabine an. In der Vergangenheit hatte Mintzlaff dies vor allem in Krisen getan.
„Ich glaube, es war noch einmal gut für die Mannschaft, für die letzte Phase noch einmal Aufmerksamkeit zu schaffen“, sagte Mittelfeldspieler Nicolas Seiwald. „Er hat gesagt, was wichtig ist, was wir besser machen können und was wir schon richtig gut machen. Und dass wir international spielen wollen, und da gilt es, die nächsten Spiele zu gewinnen.“
Warnung vor Stuttgarts Torjägern Undav und Demirovic
Die nächsten Spiele werden die Richtung vorgeben. Die fünftplatzierten Leipziger treten beim punktgleichen Vierten VfB Stuttgart an. Weniger Tage später empfängt man die auf Platz drei stehenden Hoffenheimer. Mit einer Leistung wie gegen Augsburg kann RB da allerdings nicht auftreten.
Dabei liest sich die blanke Statistik gar nicht so schlecht. Leipzig hat mit dem 14. Sieg die Ausbeute aus der kompletten letzten Bundesliga-Saison (13) schon jetzt übertroffen. Auch wenn es dieses Mal knapp war: RB ist gegen Augsburg seit 19 Pflichtspielen ungeschlagen (13 Siege, 6 Remis). Und: Leipzig feierte den 100. Heimsieg in der Bundesliga, davon gelangen neun gegen den FC Augsburg – gegen kein anderes Team feierte Leipzig so viele Triumphe.
„Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, mit der Leistung nicht“, sagte Werner. „Die Punkte, die man am Ende braucht, holt man an nicht so guten Tagen. Wenn man einen schmutzigen Sieg einfährt, das Glück am Ende erzwingt.“ Nachdem Augsburg einen Handelfmeter verschossen hatte, waren die Gäste durch Robin Fellhauer doch noch in Führung gegangen. Eine Energieleistung von Yan Diomande sorgte für den Ausgleich, ehe die Nachspielzeit das Happy End bescherte.
Dennoch wurde auch Sportchef Marcel Schäfer deutlich. „So wie wir defensiv aufgetreten sind, wissen wir, dass das unseren Ansprüchen nicht gerecht wird“, sagte der 41-Jährige. Von zehn Spielen gewinne man mit so einer Leistung eins. „Wir müssen die Dinge richtig einordnen und es gibt in der Defensive einfach ein paar Dinge, die wir einfach nicht gut gemacht haben.“
Zumal Augsburg noch gute Chancen vergab, unter anderem den Pfosten traf. Gerade das sorgte Schäfer mit Blick auf Stuttgart: „Da ist ein Undav und da ist ein Demirovic, die hauen die Dinger dann halt rein. Sie sind kaltschnäuzig, sie sind eiskalt vor dem Tor und auch sehr effizient.“
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