Leon Cornale redet gern und viel – und am liebsten über Geografie. Länder, Städte und Karten waren schon im Kleinkindesalter seine große Leidenschaft. Woher das Interesse kam? Eine echte Erklärung hat er nicht. „Als ich drei, vier Jahre alt war, hab ich angefangen, mir Atlanten anzuschauen“, erinnert er sich: „Nach dem Kindergarten habe ich sie einfach durchgeblättert. Und in der Schule gab es dann Büchertage. Da habe ich mir immer die Geografiebücher geholt für drei, vier Euro.“
Als er fünf Jahre alt war, habe er im Fernsehen die Sendung „Klein gegen Groß“ geschaut. „Da war so ein Siebenjähriger, der hat gegen Günther Jauch die Umrisse von Ländern erraten müssen. Ich dachte mir: ,Boah, das hätte ich jetzt aber besser gewusst.‘“
Eine Behauptung, die er nun, 20 Jahre später, immer wieder aufs Neue vor der Öffentlichkeit unter Beweis stellt. Im Browsergame GeoGuessr ist er eine Legende. 2022 wurde Cornale gemeinsam mit einem Schweden und einem Franzosen Team-Weltmeister.
Worum es bei dem beliebten Onlinespiel geht? „Einfach sehr viel über die Welt zu wissen, verschiedenste Dinge zu lernen und so genau wie möglich zu bestimmen, wo man ist. Und das ist mein Ding“, beschreibt Cornale seinen Sport im Podcast WELTMeister: „Es geht darum, dass man Bilder von Google Street View bekommt, und anhand dieser Bilder muss man erraten, wo man auf der Welt ist.“
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Und genau das schafft Cornale verblüffend präzise. Bis auf 200 Meter genau erkennt er, wo auf der Welt die Bilder aufgenommen wurden. Das Land identifiziert er meist nach wenigen Sekunden, den genauen Standort lokalisiert er dann über verschiedene Aspekte, die ihm die Bilder bieten.
Berge und Gebirge sind Leon Cornales Spezialität
„Es gibt extrem viel, auf das man achten kann. Das Einfachste, was du immer siehst, ist die Straße. Im südlichen Afrika etwa sind die Straßenlinien außen gelb und in der Mitte weiß. Und das ist nur in zwei Regionen der Welt üblich. Einmal im südlichen Afrika, also Lesotho, Eswadini, Botswana, Namibia und Südafrika. Oder auch im Mittleren und Nahen Osten: Israel, Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Oman und so weiter“, sagt Cornale.
Dinge, die dem Reisenden gar nicht auffallen oder nur kurz in Erinnerung bleiben, sind für ihn völlig selbstverständlich. „Die eine Region fährt auf der rechten Straßenseite, die andere Region auf der linken Straßenseite. Das heißt, da kannst du dann schon mal direkt super ausschließen, wo du bist“, fährt er fort.
Hinzu komme die Struktur der Straße, der Belag: „Jedes Land nutzt verschiedene Straßenbeläge. Also manchmal ist das ein Beton, manchmal ist das Asphalt, manchmal ein bisschen gröber angemischt, manchmal feiner Belag. Das sind Nuancen, auf die man achtet. Neben der Straße, man hat Strommasten, die sind häufig aus Holz, manchmal aus Beton oder aus Metall. Dann gibt es Unterschiede, wie die Kabel verlegt sind und so weiter und so fort. Dann die Architektur: Es gibt da so viele Unterschiede. Ich hab keine Architektur studiert und weiß trotzdem sehr genau, wie die Welt aussieht oder wo man wie baut.“
Cornale, der in der Gaming-Community unter dem Namen Kodiak spielt, ist in seinem Leben viel gereist. Autokennzeichen pflastern die Wand seines Zimmers, in dem er oft bis zu 14 Stunden vor dem Computer sitzt. Immer wieder ziehe es ihn nach Indonesien, sein Lieblingsland. Zum Ausgleich geht er regelmäßig ins Gym oder Wandern, am liebsten im Himalaya oder in Ecuador. Die Welt entdecken, ob digital oder analog – seine Lebensaufgabe.
Die Berge sind es auch, die ihm neben seinen Erfolgen seinen doppeldeutigen Spitznamen gebracht haben. Topografie ist sein Spezialgebiet. Darin kennt er sich besser aus als jeder andere. „Ja, ich bin in der Community bekannt dafür, extrem viele Berge oder Bergformen auf der Welt zu kennen.“ Sie nennen ihnen deshalb Bergziege. Dass die Ziege im Englischen (Goat) auch für „Greatest of all time“ steht, ist kein Zufall.
Gemeinsam mit anderen ist Cornale auch verantwortlich für die in Spielerkreisen geläufige Bezeichnung „Colombian Cross“. Die Gruppe fand heraus, dass Straßenschilder in Kolumbien stets auf weißen Pfosten aus Metall angebracht sind und auf der Rückseite mit einem weißen Kreuz markiert werden. Überflüssig zu erwähnen, dass man sämtliche Schilder der Welt geprüft haben muss, um die Einzigartigkeit feststellen zu können …
Mit einer toten Biene durch Westkirgistan
Cornale ist gerade dabei, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen, veröffentlicht Inhalte bei Tiktok, YouTube Shorts und Instagram. Ein BWL-Studium brach er wieder ab, widmet sich stattdessen den Landschaften, Straßen und Schildern dieser Welt und teilt seine Leidenschaft und sein Wissen auch in seinem Format GeoGoat bei „Funk“.
„Es gibt überall verschiedene Flora, also verschiedene Vegetationen, Bergformen, Straßenbelag, Straßenlinien, Strommasten, Telefonmasten. Architektur, Zäune, Telefone-Vorwahlen, und Sprachen. Es gibt so viele Sachen, die man da lernen kann“, zählt er auf. Es sei wie ein großes Memory-Spiel, das es auswendig zu lernen gelte.
Hin und wieder helfen ihm auch unkonventionelle Wege, um sich zu erinnern. „Google fährt ja nicht jede Minute des Tages immer neu herum. Das heißt, irgendwann kannst du auch auf eine tiefere Ebene gehen und einfach lernen, dass Google hier und da nur einmal entlanggefahren ist. Und als die da entlanggefahren sind, hatten sie eben diese oder jene Wolken im Himmel. Das merkst du dir dann auch“, erzählt er, und es raucht einem schon nur vom Zuhören der Kopf.
Im Gespräch wird deutlich, dass die hohe Kunst des GeoGuessings vor allem darin besteht, so viele Informationen und Details wie möglich abzuspeichern und dann geordnet abrufen zu können. Normal ist das alles jedenfalls nicht. „Es gibt so ein lustiges Beispiel“, erzählt Cornale noch eine nerdige Anekdote: „In Westkirgistan auf der Straße nach Taras ist (bei dem Google-Auto, d.Red.) eine dicke Biene auf den Spiegel geflogen, und die haben sie für ungefähr so 200 Kilometer nicht weggemacht. Anhand dieses Flecks auf dem Spiegel kannst du diese Straße halt gut identifizieren.“
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