Dänemark ist amtierender Weltmeister und Europameister im Handball, zudem Olympiasieger. Ein Grund für die Triumphzüge ist Mathias Gidsel. Der 27 Jahre alte Welthandballer von 2023 und 2024 wurde im vergangenen Monat erneut zum besten seines Sports gekürt. Damit verlängerte sich auch bei der individuellen Auszeichnung die Serie der Skandinavier. Der letzte Welthandballer, der nicht aus Dänemark kam, war der Franzose Nikola Karabatic im Jahr 2016.

Frage: Zum dritten Mal in Folge Welthandballer, Auszeichnungen, Rekorde ohne Ende – ist Ihnen der Hype unangenehm, Herr Gidsel?

Mathias Gidsel: Es muss mir nicht peinlich sein, dass ich der beste Handballer der Welt bin. Im Gegenteil, das macht mich sehr, sehr stolz. Denn ich bekomme so viel positive Energie von ganz vielen Menschen zurück. Vor allem von der Familie, dem Verein, meinen Trainern und Mitspielern. Es bedeutet mir sehr viel, dass ich offenbar nicht nur ein guter Handballer, sondern auch ein guter Mensch bin.

Frage: Was bedeuten Ihnen diese ganzen Auszeichnungen?

Gidsel: Der junge Mathias aus Skjern war nicht der Talentierteste. Hätte mir das damals einer gesagt, dass ich dreimal Welthandballer werde, dem hätte ich nicht geglaubt. Aber ich bin immer länger in der Halle geblieben und habe immer hart dafür gearbeitet, auch in schwierigen Zeiten. Deshalb ist es immer noch sehr besonders.

Frage: Wo lassen Sie die Preise, Trophäen und Medaillen?

Gidsel: Die sind bei meinen Eltern zu Hause in Dänemark. Meine Mama hat extra ein Zimmer dafür eingerichtet. Ich finde die Idee schön. Später kann ich mich an meine Karriere erinnern. Oder wenn ich einmal Kinder habe, kann ich ihnen zeigen, dass Handball eine große Bedeutung in meinem Leben hatte.

Frage: Was war der entscheidende Schritt, warum Sie jetzt dreimal Welthandballer sind?

Gidsel: Meine beste Entscheidung war der Wechsel nach Berlin. Hier bei den Füchsen habe ich viel mehr Verantwortung bekommen – und wollte die auch. Für mich war das sehr gut, dass wir hier etwas aufbauen wollten, näher an die Top-Teams wie Magdeburg heranrücken wollten. Diese ständigen Duelle mit der besten Mannschaft der Welt haben mich unheimlich vorangebracht, jetzt sind wir selbst eines der besten Teams der Welt. Neben den Füchsen spielte ich dazu in den letzten drei bis vier Jahren in der wohl besten Nationalmannschaft der Geschichte.

Frage: Was gibt es für Sie noch zu gewinnen?

Gidsel: Einzelauszeichnungen jage ich eigentlich nicht hinterher. Ich will mit den Füchsen erfolgreich sein. Natürlich fehlen mir noch der DHB-Pokal und die Champions League. Ich weiß, ich habe noch genug Zeit, aber ich arbeite jetzt schon mit den Füchsen jeden Tag hart dafür. Das ist ein großes Ziel. Sonst jage ich nichts. Ich möchte einfach nur Handball genießen und Kindern in der Halle ein Erlebnis geben, wenn sie mich spielen sehen.

Frage: Geht bei Ihnen auch mal etwas schief?

Gidsel: Nach meiner ersten WM 2021 in Ägypten hatte ich mit dem zunehmenden Erfolg auch mit mentalen Problemen zu kämpfen. Ich habe immer hart trainiert und war immer körperlich gut vorbereitet, aber irgendwann war ich an dem Punkt, an dem ich gemerkt habe: Mentale Gesundheit ist genauso wichtig. Deshalb hatte ich ab da immer einen Mentaltrainer. Ich hatte auch schon einen Kreuzbandriss oder andere Verletzungen, die keiner sieht.

Frage: Spätestens 2027 verstärken sich die Füchse mit Simon Pytlick und Dika Mem. Zwei Spieler, mit denen Sie sich gut verstehen.

Gidsel: Es sind riesige Namen, und das sagt alles über den Verein aus, wenn diese Stars nach Berlin kommen. Unsere Möglichkeiten und unsere Kaderbreite werden sich verbessern. Ich finde, sie passen perfekt zu unseren jungen Spielern. Die können weiterwachsen und lernen, und ich werde weniger spielen und weniger Belastung haben. Ich hoffe, unsere jungen Spieler wie Nils (Lichtlein; d. Red.) und Matthes (Langhoff) werden zusammen mit uns dann eine gefährliche Kombination für die Gegner.

Frage: Kiel hat zuletzt Magdeburg geschlagen. Sind die Unbesiegbaren doch noch einholbar im Kampf um die Meisterschaft?

Gidsel: Schlagbar ja, einholbar glaube ich nicht. Wir dürfen uns in der Liga keinen Fehler mehr erlauben. Wir sind jetzt bis auf Fabi (Fabian Wiede) zum ersten Mal in sechs Monaten alle wieder dabei, haben keine Verletzten. Jetzt können wir endlich unser Spiel verbessern, Ideen entwickeln. In der Champions League sind wir schon im Viertelfinale und im DHB-Pokal im Final4. Da ist noch alles drin.

Frage: Nach dem EM-Titel haben Sie gesagt, Deutschland könnte bei der Heim-WM 2027 Dänemark gefährlich werden, haben Sie Angst vor dem DHB-Team?

Gidsel: Angst habe ich nicht, aber großen Respekt. Denn wir wissen: Deutschland ist zu Hause mit den Fans im Rücken sehr gefährlich und unfassbar gut. Ich war schon ein bisschen überrascht vom Sieg der Deutschen gegen Frankreich bei der EM. Jetzt muss Deutschland auch akzeptieren, dass die Jungs mit zu den Favoriten der nächsten WM gehören.

Frage: Haben Sie Pläne für die Zeit nach der Karriere, werden Sie mal Trainer?

Gidsel: Also, erst einmal möchte ich meine Karriere noch sechs bis acht Jahre auf dem Parkett genießen. Aber ich würde schon gern in der Handballwelt bleiben. Doch sicher wird ein Teil meiner ersten freien Zeit dann meiner Familie gehören, da haben wir einiges zusammen verpasst, und das möchte ich dann zurückgeben, auch an meine Freundin Katrine.

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Frage: Welche Spuren möchten Sie hinterlassen?

Gidsel: Ich hoffe, dass die Leute sagen werden, dass ich ein cooler Handballer war, der immer Spaß auf dem Spielfeld hatte. Und dass ich immer zu einhundert Prozent Mathias war. Immer mit einem Lachen. Ein Spieler, der nie einen kleinen Fan verpasst hat, der immer ein Foto gemacht und ein Autogramm gegeben hat.

Frage: Wie gut können Sie mit Hass-Kommentaren bei Social Media umgehen?

Gidsel: Social Media und die Öffentlichkeit sind ein Teil meiner Karriere und gehören dazu. Ich finde, die Kommentare bei Instagram sind ein großes Problem in der ganzen Welt. Der Ton ist nicht gut, zu hart und vieles unnötig und unmenschlich, nicht nur gegen mich, auch gegen Schiedsrichter und andere Leute. Ich hoffe nur, mein Kind erlebt später nicht das, was ich erleben musste. Ich musste lernen, das zu akzeptieren und damit umzugehen. Es ist leider ein Teil unserer Arbeit.

Frage: Schalten Sie das Handy auch manchmal aus?

Gidsel: Ich habe zum Beispiel Facebook abgeschaltet, weil mir das zu viel Zeit raubt. Ich habe auch einige Instagram-Kanäle, wo es um Handball geht, oder Handball-Plattformen blockiert oder folge nicht, weil die Kommentar-Spuren einfach nicht gut sind.

Frage: Wie schwer ist es, die Erwartungen immer zu erfüllen?

Gidsel: Manchmal ist es sehr unrealistisch, was von mir erwartet wird. Aber es ist okay für mich, denn das bedeutet ja auch: Ich bin gut in dem, was ich tue.

Frage: Wird der freundliche Herr Gidsel auch mal sauer?

Gidsel: Ich bin nicht so ein Typ, der sauer ist oder mal böse wird, wenn wir verlieren. Wenn ich einen schlechten Tag habe, bleibe ich auf dem Sofa zu Hause und rede mit meiner Freundin Katrine oder meinem Hund Hermann, dann geht das auch schnell vorüber.

Frage: Welcher Titel oder Auszeichnung ist für Sie die schönste?

Gidsel: Ich bin in diesem Jahr in Dänemark auch Sportler des Jahres 2025 geworden, als erster Mannschaftssportler bekam ich diese Einzelauszeichnung gegen so viele andere Top-Athleten aus meinem Land. Das kam völlig überraschend und war sehr emotional und unfassbar für mich, größer geht es nicht in Dänemark. Aber natürlich war auch die erste Deutsche Meisterschaft mit den Füchsen, und was es diesem Verein und den Menschen, die daran gearbeitet haben, bedeutet hat, ganz besonders. Wie auch der Gewinn des bis dahin fehlenden EM-Titels. Das nehme ich immer mit in meinem Leben.

Das Interview wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Sport Bild“ veröffentlicht.

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