Unten plätscherte die kühle Elbe dahin, oben auf der Plaza der Elbphilharmonie wurde tief in Emotionen gebadet. Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) erzählte den geladenen Zuhörern von der Olympiabegeisterung ihrer beiden Töchter, Beachvolleyball-Goldmedaillengewinnerin Laura Ludwig berichtete, wie sie seit den jüngsten Winterspielen immer ein Startpiepen imitieren muss, wenn ihre Kinder jetzt so tun, als würden sie auf ihren Skateboards kopfüber einen Eiskanal hinunterrasen. „Und stellt euch vor, die alle können bei Olympischen Spielen hier in Hamburg dabei sein, als Volunteer, Zuschauer – oder auch als Sportler“, sagt dann noch Moderator Johannes B. Kerner, um gleich eigene Olympia-Anekdoten anzufügen.
Später singt noch ein Shanty-Chor eine selbst getextete Hamburger Olympia-Hymne und eine tatsächlich eindrucksvolle Drohnen-Show zaubert Abbilder von Sportarten in den Abendhimmel. Am Ende bleibt der Slogan der Kampagne stehen, die an diesem Donnerstagabend ihren Startmoment erlebte und die den Hamburgern in den kommenden Wochen bis zum Referendum am 31. Mai immer wieder begegnen wird: „Eine Chance für alle“.
Wenn man später die Hamburger Olympiageschichte einmal rückwärts erzählen wird, könnte das der Moment gewesen sein, an dem erstmals wirklich sichtbar wurde, worum es geht. In den Tagen war die öffentliche Debatte eher noch auf Zeitreise im Jahr 2015, es ging einmal mehr um die Finanzierbarkeit, um Beilagen für die Referendums-Unterlagen, um die Einschaltung des Rechnungshofs. Es wurden die Trampelpfade der organisierten Olympiagegner abgegangen, die vor elf Jahren schon mit den gleichen Argumenten angelegt worden waren und die ein Jahrhundert-Projekt wie die Ausrichtung Olympischer Spiele irgendwann erscheinen lassen wie ein Bebauungsplan in Eidelstedt oder Farmsen. Damals gingen die Olympia-Befürworter aus Politik, Wirtschaft und Medien diesen technokratischen Weg noch bis zum Ende mit, trafen dort aber auf das Stoppschild. Es gab keine Mehrheit für diese Bewerbung. Für diese IOC-Vorgaben, für Spiele, die nur Mittel zum Zweck sein sollten.
Wird sich das diesmal ändern, werden die Hamburger anders abstimmen, wenn ab Ende April die Briefwahlunterlagen zugestellt wird? Wenn der Finanzrahmen nach den März-Ferien feststeht und öffentlich diskutiert wird? Das dürfte maßgeblich davon abhängen, ob nicht nur die Drohnenshow, die es in der Zeit bis dorthin noch einige Mal zu sehen sein wird, verfängt. Sondern auch, ob nach den Spielen in Paris und auch in Mailand/Cortina ein Gefühl dafür konserviert werden kann, wie stark das verbindende Element dieser weltgrößten Sportveranstaltung ist – und wie entscheidend das auch für eine Stadt, die wie Hamburg der Welt zugewandt ist, wäre.
Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hob in seiner Ansprache genau darauf ab: „Unsere Verfassung verpflichtet uns zur Internationalität und zur Völkerverständigung. In aller hanseatischer Bescheidenheit: Hamburg ist der beste Ort, um die olympische Idee im 21. Jahrhundert aufleben zu lassen. Wenn wir Begeisterung für Sport und die friedensstiftende Botschaft Olympischer und Paralympischer Spiele in die Stadt tragen, bin ich sicher, dass wir am 31. Mai ein klares Ja erhalten.“ Hamburg könne es sich gar nicht leisten, auf die Austragung zu verzichten, wenn die Chance doch so greifbar ist wie diesmal. Und Sportsenator Andi Grote (SPD) ergänzte: „Drei Wochen dauern die Spiele – aber der Mehrwert für die Stadt wird 30 Jahre halten, und er beginnt schon vorher“ – etwa durch den signifikanten Ausbau der Sportstätten und der Ausweitung des Sportunterrichts, aber auch durch ein wachsendes Gefühl, ein gemeinsames Ziel zu haben.
Dass die Spiele 2040 oder 2044 nach Deutschland kommen werden, wenn der Deutsche Olympische Sportbund sich im Herbst für eine Bewerbung entscheidet, gilt als sehr wahrscheinlich. Berlin und Regionen in NRW treten an, aber auch München mit einem bereits deutlich positiven Votum im Rücken. „München glaubt, der Drops sei gelutscht. Nach ihrem Referendum treten sie selbstbewusst auf. Aber was München kann, das können wir – und zwar nachhaltiger. Diese Spiele würden sich Hamburg anpassen – nicht umgekehrt.“
Dann stiegen die Drohnen über die Elbe, als würde das olympische Imperium zurückschlagen – gegen die Zauderer und Pessimisten. Ob es hilft? Unter den Zuschauern des Kampagnenstarts war auch die Linken-Politikerin Heike Sudmann, die auf die Frage, ob sie nun bekehrt worden sei, nur freundlich lächelte. Mit den Emotionen ist das eben so eine Sache.
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