Er ist der bekannteste Spielerberater Deutschlands, liegt mit seiner Agentur „Sports 360“ im SPORT BILD-Ranking der 50 mächtigsten Menschen im Deutschen Fußball auf Platz 17. Volker Struth (59) weiß genau, wie die großen Deals hinter den Kulissen gemacht werden. Vor seinem 60. Geburtstag hat er die Tür zu Transfer-Geschichten jetzt im „BILD-Phrasenmäher“ geöffnet – und verrät …

▶ Dass er Florian Wirtz mit einer SMS zu Real Madrid bringen wollte.

Struth: „In der Phase, als es um einen Wechsel zu Liverpool oder Bayern ging, habe ich Xabi Alonso angerufen und ihm gesagt: ‚Du musst den Jungen aus Leverkusen mit zu Real nehmen.‘ Xabi antwortete: ‚Das musst du nicht mir sagen, sondern Florentino Perez (Real-Präsident, Anm. d. Red.).‘ Daraufhin habe ich ihm tatsächlich eine Nachricht geschickt: ‚Lieber Florentino. Ich habe es dir schon mehrfach gesagt: Ich habe hier einen Spieler, den ich euch sehr ans Herz legen würde. Florian Wirtz macht jede Mannschaft der Welt besser.'“ Perez bedankte sich bei Struth, verwies aber an den Generaldirektor José Sanchez, zum Angebot kam es nie. Struth: „In dem Jahr hat es einfach nicht gepasst aufgrund des Kaders und des Budgets. Auch bei Real Madrid sind die Kassen mal nicht so voll. Mein Wunsch bleibt es aber, dass Florian dort eines Tages spielt.“

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▶ Warum Julian Nagelsmann nicht zurück zu Bayern wollte.

Als Nachfolger für Thomas Tuchel stand bei Bayerns Sportvorstand Max Eberl im Frühjahr 2024 Tuchel-Vorgänger Nagelsmann ganz oben auf der Liste, das bestätigten später Rudi Völler und auch Uli Hoeneß.

Struth: „Ich hatte es in den Eiern und wusste, dass sie noch mal kommen würden – und so war es auch. Max hat mich angerufen und daraufhin haben Sascha Breese und ich uns mit ihm und Jan-Christian Dreesen in München getroffen.“

Ohne Nagelsmann, der Bundestrainer war. Struth: „Julian war nie dabei, hatte uns auch gebeten, da ganz sensibel mit umzugehen. Im März gab es Länderspiele in Frankreich (2:0) und gegen Holland (2:1), die optimal liefen. Die Stimmung vor der Heim-EM nahm langsam richtig Fahrt auf. Dass man überhaupt Gespräche führt, hätte schon eine Gefahr für die EM werden können. Das war am Ende auch ein ganz entscheidender Grund, warum Julian das nicht gemacht hat – zumal der Stachel (der Entlassung, Anm. d.Red.) auch noch ein bisschen tief saß.“

Wobei sich selbst Uli Hoeneß einschaltete, um Nagelsmann zurückzuholen. Struth: „Er rief mich an und sagte, dass die Trennung von Julian nicht bayern-like gelaufen sei und er es begrüßen würde, wenn Julian wieder Trainer wird.“ Am Ende verlängerte Nagelsmann aber beim DFB.

▶ Dass er einen Transfer nackt klargemacht hat.

Was war der ungewöhnlichste Ort, an dem er je einen Transfer gemacht hat? Struth: „Als ich nackt aus der Dusche kam: Frank Arnesen rief wegen Ivo Ilicevic an, der dann auch zum HSV wechselte.“

▶ Wie er über die Sammer-Forderung denkt, Berater abzuschaffen!

Nach dem Zoff um eine Vertragsverlängerung von Verteidiger Dayot Upamecano bei Bayern sagte Matthias Sammer bei Sky über Berater: „Ich würde sie abschaffen. Erstens verdienen sie zu viel Geld, zweitens sind sie unnötig, drittens schafft das keine gute Konstellation zwischen Spieler und Verein.“

Struth: „Das finde ich schon heftig. Da ist eine große Portion Populismus dabei und ein Stück weit auch Heuchelei. Er war ja selbst Berater und hat sich in dem Business versucht. Wer weiß, was er heute machen würde, wenn es geklappt hätte? Ich erinnere mich auch, wie er mich als Sportdirektor von Bayern München jeden Tag angerufen hat, als es um den Transfer von Mario Götze ging – der übrigens mit Morddrohungen und Polizeischutz vor meiner Tür endete. Wenn ich dran denke, wie oft er mich da gebraucht hat, finde ich seine Aussagen jetzt schon sehr verwunderlich und unnötig. Nicht alle Berater in einen Sack zu hauen – das wäre mal meine erste Bitte.“

▶ Wer der härteste Verhandlungspartner für ihn war.

Struth: „Jörg Schmadtke. Mit ihm haben wir uns auf gut Deutsch gesagt, immer schön in die Schnauze gehauen. Ich nenne den Schmaddi auch nur Brummbär, wenn ich ihm eine SMS schreibe.“

▶ Wie schnell seine kürzeste Verhandlung beendet war.

Struth : „Bei Bayern haben wir mal eine Verhandlung gehabt über Toni Kroos. Da bin ich nach drei Minuten wieder gegangen, weil klar war, dass wir nicht zusammenkommen.“

▶ Ob er Lennart Karl schon abwerben wollte.

Der Bayern-Shootingstar wird von Michael Ballack beraten. Struth: „Ich habe mal probiert, den Vater von Lennart Karl zu erreichen. Er hat sich dann mit einer Nachricht bei mir gemeldet, dass kein Interesse da ist. Das abzuklopfen – das ist unser Job.“

▶ Ob ihm mal jemand seine Agentur abkaufen wollte.

Struth betreut mit „Sports 360“ mehr als 150 Spieler, die einen Marktwert von über 300 Millionen Euro haben. Dreimal bekam er Angebote, sein Unternehmen zu verkaufen: „Das erste Angebot war 40 Millionen Euro. Das letzte 85 Millionen Euro. Wir haben aber abgelehnt.“

Den „Phrasenmäher“ finden Sie überall, wo es Podcasts gibt.

Dieser Text wurde für das Sportkompetenzcenter (WELT, BILD, SPORTBILD) verfasst und erschien zuerst in BILD.

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