Und plötzlich liegt Vinzenz Geiger im Schnee. Verkantet, kollidiert mit dem Japaner. Dann stürzt e5r erneut. Was für ein Drama im dichten Schneetreiben der anspruchsvollen Strecke von Tesero. Und das auch noch bei der letzten Chance der deutschen Kombinierer, eine olympische Nullnummer zu verhindern. Die Erste seit 28 Jahren. Gut drei Kilometer bleiben für eine Aufholjagd.

Gemeinsam mit Johannes Rydzek war Geiger, der Olympiasieger von Peking, im Teamsprint auf der Jagd nach der Medaillen-Erlösung für die deutschen Kombinierer. Ein Quintett an der Spitze sorgte für Spannung, nach zehn von 15 Kilometern war an der Spitze weiterhin alles offen. Dann diese Stürze. Rydzek wartete in der Wechselzone auf Geiger, blickte sich um: Wo ist er? 23 Sekunden betrug der Rückstand nach dem Sturzpech. Platz vier. Die Aufholjagd? Sie gelang nicht. Geiger ging mit 33 Sekunden auf die letzte der 1,5 Kilometer langen Runden, kam schließlich völlig frustriert ins Ziel und schleuderte seine Stöcker weg.

„Ich weiß nicht, warum ich gestürzt bin“, sagte der 28-Jährige etwas später. „Ich habe einfach nicht viel gesehen, meine Brille war zu. Ich bin in ein Loch reingefahren. Bin aufgestanden, losgefahren und habe sofort wieder gelegen. Ich glaube, ich bin noch nie gestürzt. Es tut mir einfach sehr leid, so ein blöder Fehler.“

„Mir tut es mega leid für Jungs. Sie hätten es anders verdient gehabt“

Am Ende siegte Norwegen vor Finnland und Österreich; Rydzek und Geiger reihen sich als Fünfte hinter Italien ein. Die deutschen Kombinierer, die eigentlichen Erfolgsgaranten der deutschen Mannschaft, holen erstmals seit 1998 in Nagano keine Olympiamedaille. Angereist mit dem Ziel, in beiden Einzelrennen um Edelmetall und im Teamsprint um Gold zu kämpfen, bleibt am Ende nur Frust.

In Rydzek und Geiger – beide dekoriert mit Einzel- und Teamgold aus den vergangenen Spielen – und dem Weltcupzweiten Julian Schmid hatten sie jeweils drei Kandidaten für Einzelmedaillen in die Wettbewerbe geschickt, doch keiner mischte vorn mit. Routinier Rydzek war bei seinen fünften Winterspielen mit den Rängen acht und 15 noch der Beste. Der Teamsprint war somit die letzte Chance – und dann das.

„Mir tut es mega leid für Jungs. Sie hätten es anders verdient gehabt“, sagte Rydzeks Schwester Coletta im Ziel, die am Vortag im Langlauf-Teamsprint mit Laura Gimmler Bronze gewonnen hatte. „Es war einfach Pech. Das tut allen gerade sehr weh. Keiner macht dem anderen einen Vorwurf, das kann jedem passieren. Im tiefen Schnee, der so nass und schwer ist, bleibt man mit der Skispitze schnell und leicht hängen. Nach dem Sturz war es mental in den letzten beiden Runden sehr schwer.“

Melanie Haack ist Sport-Redakteurin und seit 2012 für WELT bei Olympischen Spielen vor Ort – aktuell ist sie bei den Spielen in Italien. Hier finden Sie alle ihre Artikel.

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