Ich mag den Sound von Olympia. Schon immer. Das Atmen beim Langlauf. Das Knirschen der Ski. Die gespannte Stille vor dem Schuss im Biathlon. Olympia hatte einen eigenen, echten Klang. Doch dieses Mal ist etwas neu. Und daran muss ich mich erst gewöhnen.
Ein Surren liegt über den Rennen, egal ob Big Air, Abfahrt oder Rennrodeln. Statt Winterruhe habe ich auf einmal wieder Vuvuzelas von der Fußball-WM 2010 in Südafrika im Ohr. Leise. Aber da.
Ich höre die neuen Kameradrohnen, die die Sportler live begleiten. Die Bilder sind stark. Näher, schneller, moderner. Aber der Sound? Der nervt. Als müsste ich ständig lästige Stechfliegen verscheuchen und das mitten im Winter.
Natürlich ist Fortschritt gut. Ohne ihn gäbe es kein HD, keine Zeitlupe, keine großen TV-Momente. Aber Fortschritt hat auch Konsequenzen. Hätte es früher schon Drohnen gegeben, wäre eine legendäre Frage der TV-Geschichte nie gefallen: „Wo ist Behle?“ Man hätte ihn sofort gesehen. Von oben. In 4K. Effizient – aber nicht legendär.
Es menschelte. Jetzt surrt es
Vielleicht ist es das, was mich stört. Nicht das Geräusch der Dinger allein. Sondern das Gefühl, dass nichts mehr verloren gehen darf – oder überraschen.
Früher hatte Olympia auch Leerstellen. Sekunden oder eher Minuten, in denen man Behle suchte. In denen Kommentatoren rätselten. In denen das Publikum mitfieberte, weil es eben nicht alles sah. Diese kleinen Unsicherheiten gehörten dazu. Sie machten den Sport spannend. Es menschelte. Jetzt surrt es.
Heute scheint selbst die Luft über der Strecke verplant. Jede Kurve, jeder Sprung, jede Zielgerade wird begleitet, vermessen, umkreist. Die Drohne ist das Symbol einer Zeit, in der es keinen Zufall mehr geben soll. Sie schwebt über allem – technisch brillant, journalistisch nachvollziehbar, dramaturgisch effizient. Es klingt dabei, als wäre ein Bienenschwarm in der Nähe.
Manchmal reicht mir aber einfach das Geräusch von Ski auf Schnee.
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