Auf dem Weg in die Gästefankurve machte Nico Schlotterbeck noch einen Abstecher – vor die Kamera eines BVB-Mitarbeiters, der für die Social-Media-Kanäle des Tabellenzweiten drehte. „Let’s go!“, rief er und zeigte entschlossen die Faust.
Es war eine abermalige Erinnerung daran, dass in dieser Saison für Borussia Dortmund tatsächlich mehr drin sein könnte, als sich alle noch bis vor kurzem auszumalen wagten: Die Dortmunder bleiben nach ihrem 2:1 (1:0) beim VfL Wolfsburg an den Bayern dran – und lassen sich nicht abhängen. Genau das hatte Schlotterbeck eine Woche zuvor eingefordert. „Man muss als BVB den Anspruch haben, den Fans zu sagen: Ja, wir wollen Meister werden“, hatte er nach dem 3:2 gegen Heidenheim gesagt und zur Attacke geblasen.
Ob es auch an dem Pull-Faktor diese Aussage lag, dass die Mannschaft von Niko Kovac ein recht kompliziertes Spiel am Ende doch noch gewinnen konnte, sei dahingestellt. Fakt ist: Der BVB will tatsächlich. „Mentalität – das was uns seit Jahren abgesprochen wird“, sei der Schlüssel zum Sieg gewesen sei, den Torjäger Serhou Guirassy erst sehr spät hatte sicherstellen können (87. Minute).
Mentalität – und individuelle Qualität
Tatsächlich kämpfte sich die Mannschaft von Niko Kovac, die die erste Halbzeit dominiert hatte und durch Julian Brandt in Führung gegangen war (38. Minute), in eine komplizierte Partie zurück. Denn nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Konstantinos Koulierakis (52.) war ihr das Spiel aus den Händen geglitten. Die Wolfsburger hatten mehrere klare Möglichkeiten – bis Guirassy, der bereits in der Vorwoche zweimal getroffen hatte, einen klug heraus gespielten Angriff mit seinem neunten Saisontor abschließen konnte. Es war tatsächlich Mentalität – und individuelle Qualität.
Schlotterbeck redete lieber über ersteres. Er habe ja schließlich das Thema Meisterschaft so offen angesprochen, weil er den Glauben daran wecken wollte. „Die Jungs haben unter der Woche gemerkt, wie sehr ich dafür brenne“, erklärte er. Es ging ihm darum, „den Fokus und den Kopf dafür zu haben, um anzugreifen.“ Deshalb habe er den Mund aufgemacht: „Und ich hoffe natürlich, dass es ein Stück weit geholfen hat.“
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Ein Antreiber wie er wird fehlen – sollte der 26-Jährige tatsächlich zum Saisonende gehen. Auffällig ist: Seine verbale Offensive erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem seine Zukunftsfrage schon längst hätte entschieden sein sollen, stattdessen aber immer noch offen ist. Schlotterbecks Vertrags läuft 2027 aus. Der BVB war mit dem Innenverteidiger übereingekommen, dass der Kontrakt verlängert werden soll – oder aber ein Verkauf unausweichlich sei, da der Klub ansonsten kaum noch Ablöse generieren könnte. Es gab mehrere Gespräche, aber noch keine Entscheidung.
Das soll sich ändern. „Ich bin ein Freund von Klarheit in allen Bereichen und Themen“, sagte Sebastian Kehl. Der Verein stehe „auf dem Gaspedal“, so der BVB-Sportdirektor. „Nico weiß, dass wir so schnell wie möglich eine Entscheidung wollen“, erklärte Kehl. So klar hatte dies bislang kein Klub-Offizieller formuliert.
Ob das dazu führen wird, dass sich Schlotterbeck zum BVB bekennen wird, ist jedoch offen. Er habe sich noch nicht entschieden, hatte der Abwehrspieler vor zwei Wochen erklärt. „Ich habe für mich eine Deadline gesetzt, die werde ich nicht sagen. Ich glaube aber schon, dass ich vor Sommer eine Grundsatzentscheidung treffen werde.“ Das ist wenig konkret.
Auch eine andere Stammkraft lässt sich seine Zukunft offen. „Es ist klar, dass wir miteinander reden. Aber es gibt nichts Neues“, sagte Julian Brandt. Der Vertrag des offensiven Mittelfeldspielers läuft sogar schon zum Saisonende aus. Doch es ist weder so, „dass wir kurz vor einer Einigung stehen, noch das sich irgendetwas entschieden hat“, erklärte der 29-Jährige.
Brandt verfährt wie Schlotterbeck – auch er spielt auf Zeit. Einig sind sich die beiden Spieler auch, was die kurzfristigen sportlichen Ziele angeht. Er sei als Norddeutscher zwar etwas „demütiger“ als Schlotterbeck, so Brandt. Doch wenn sich die Möglichkeit ergeben sollte, Meister zu werden, werde auch er sich nicht wehren. „Wir haben nie aufgegeben“, so Brandt. Das sei auch nicht geplant.
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