Lindsey Vonn atmete dreimal tief durch und stapfte mit den Skiern siebenmal in den Schnee, bevor sie sich kraftvoll aus dem Starthäuschen katapultierte. Die Amerikanerin hatte sich vor neun Tagen das Kreuzband gerissen, trotzdem ging sie bei der Olympia-Abfahrt in Cortina d‘Ampezzo an den Start. Um jeden Preis wollte sie ihren olympischen Traum verwirklichen.
Die 41-Jährige musste es teuer bezahlen. Nach wenigen Kurven verlor Vonn auf der Piste die Kontrolle über ihre Ski. Eine Welle hebelte sie aus, ihr Körper schwang nach rechts, und sie krachte mit dem Oberarm gegen ein Tor. Der Sturz war unvermeidbar.
Vonn stürzte 14 Sekunden nach dem Start schwer und schlug auf der brettharten Piste auf. Beide Knie waren beim Aufschlag verdreht, die Skier zeigten zu den Seiten. Die 41-Jährige schrie vor Schmerzen. Im Zielraum rief der Stadionsprecher entsetzt: „Terrible Crash“. Danach herrschte auf der Tribünen unter den tausenden Fans Stille. Vonn fuhr mit einer Teilprothese im rechten Knie, das linke Knie – jenes mit dem Kreuzbandriss – war von einer Schiene gestützt.
Um 12.14 Uhr wird Vonn mit dem Helikopter von der Piste abtransportiert
Das Rennen wurde unterbrochen. Sofort eilen Helfer zur Amerikanerin. Sieben Leute kümmern sich auf der Piste um Vonn und leisten Erste Hilfe. Nach wenigen Minuten kreist ein gelber Hubschrauber über der Piste. Die Helfer verschnüren Vonn in einer Trage, damit sie mit dem Helikopter abtransportiert werden kann.
Um 12:14 Uhr wird Vonn mit dem Helikopter von der Piste abtransportiert. Als der Hubschrauber über das Stadion im Zielraum fliegt, gibt es von den Zuschauern riesigen und aufmunternden Applaus. Als auf der Leinwand der dramatische Sturz nochmals wiederholt wird, raunen und stöhnen die Zuschauer, manche schreien.
Am Tag vor dem Rennen gab sich der Superstar kämpferisch. „Ich werde morgen am Start stehen und wissen, dass ich stark bin. Ich weiß, dass ich an mich glaube. Ich weiß, dass die Chancen aufgrund meines Alters, meines fehlenden Kreuzbandes und meines Titan-Knies gegen mich stehen – aber ich weiß auch, dass ich trotzdem daran glaube“, schrieb sie bei Instagram. „Normalerweise hole ich gerade dann, wenn die Chancen am schlechtesten für mich stehen, das Beste aus mir heraus.“
Der dramatische Sturz überschattet die Abfahrt. „Das ist tragisch, aber so kann leider Skirennsport sein“, sagte Skiweltverband-Präsident Johan Eliasch: „Es ist sehr traurig. Und gerade auch nach ihrer unglaublichen Leistung, ein solch unglaubliches Comeback zu schaffen.“ Eliasch glaubt nicht, dass Vonns Start mit dem Kreuzbandriss zu risikoreich gewesen sei: „Ich weiß, dass sie ihren Körper kennt. Sie kennt ihre Verletzungen. Sie weiß, wozu sie fähig ist. Sie hätte nichts getan, von dem sie nicht vollkommen überzeugt war, dass sie es schaffen könnte.“
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