Die passende Einstimmung für das Halbfinale der Handball-Europameisterschaft lieferte der Mann mit dem härtesten Wurf bei den Titelkämpfen in Dänemark, Norwegen und Schweden: Miro Schluroff. Der Rückraumspieler des VfL Gummersbach hat es nicht nur mächtig im Arm, wie seine 134,28 km/h bei der EM beweisen, sondern strotzte nach dem 38:34 (19:15) über Titelverteidiger Frankreich im abschließenden Hauptrundenspiel auch vor Selbstvertrauen: „Möglich ist alles. Jetzt sind wir im Halbfinale, und wir wollen Europameister werden. Ich glaube, mehr muss man nicht sagen.“

Der Griff nach den Medaillen ist für Deutschlands Handballer alles andere als selbstverständlich. Denn die Bilanz beim alle zwei Jahre stattfindenden kontinentalen Kräftemessen ist eher überschaubar und deutlich ausbaubar. 2016 und 2004 gewann die Nationalmannschaft jeweils Gold, 2002 holte sie Silber,1998 Bronze. Nun gibt es mit dem Halbfinale am Freitag (17.45 Uhr, ARD/Dyn und im WELT-Liveticker) die große Chance, endlich mal wieder etwas mitzubringen von einer EM. Allerdings geht es für die Spieler von Bundestrainer Alfred Gislason gegen Kroatien – so etwas wie ein Angstgegner der Nationalmannschaft.

Allein die Bilanz dient nicht als Mutmacher: In bislang 33 Länderspielen gab es 15 Niederlagen, vier Unentschieden und 14 Siege. Zudem „ärgerte“ Kroatien die Deutschen oft auch bei großen Turnieren, zuletzt bei den Olympischen Spielen 2024. Auf dem Weg zum späteren Gewinn der Silbermedaille verlor Deutschland das Gruppenspiel mit 26:31. Unmittelbar vor der aktuellen Europameisterschaft aber konnten die Mannen um Kapitän Johannes Golla zwei wichtige Erfolge verbuchen: In den beiden letzten EM-Testspielen siegte die deutsche Auswahl 32:29 und 33:27.

„Nicht besonders gut gegen sie angestellt“

Während Golla aus den beiden jüngsten Vergleichen durchaus Selbstvertrauen schöpfte, sah der Bundestrainer das anders. „Es war sicherlich gut, dass wir den ‚Kroatien-Fluch‘ gebrochen habe. Wir haben uns in den letzten Jahren nicht besonders gut gegen sie angestellt. Wir haben jetzt in den Testspielen zweimal eine souveräne Leistung gezeigt“, meinte der Kapitän. Gislason hingegen erklärte: „Das zählt gar nichts. Natürlich ist es gut, gegen sie gespielt zu haben. Das ist eine sehr gute Mannschaft. Aber ich kenne die Kroaten schon seit Jahrzehnten, und die haben eine unheimliche Stimmung, wenn es darauf ankommt. Das ist eine Mannschaft, die sich unglaublich gut auf ein Spiel fokussieren kann. Das wird ein sehr, sehr harter Kampf.“

Der Trainer der Kroaten ist auch den deutschen Handballern bestens bekannt: Dagur Sigurdsson. Der Isländer hat die Mannschaft wieder dauerhaft in der Weltspitze etabliert. Im vergangenen Jahr wurde sie Zweiter bei der WM. Mit 8:2 Zählern (nur gegen Schweden verloren sie im letzten Vorrundenspiel 25:33) qualifizierten sich die Kroaten als Erster der Hauptrundengruppe II in Malmö für die Vorschlussrunde, die in Herning stattfindet. Anders als die Deutschen, die an ihrem bisherigen Spielort bleiben können, mussten die Kroaten am Donnerstag von Schweden nach Dänemark aufbrechen.

Trainer Sigurdsson hat auch in Deutschland große Spuren hinterlassen. Als Coach etablierte er die Füchse Berlin in der nationalen Spitzengruppe, zudem war er von 2014 bis 2015 in Personalunion auch noch als Bundestrainer tätig. Unter seiner Ägide gewann die Mannschaft bei der Europameisterschaft vor zehn Jahren in Polen sensationell Gold. Die selbst ernannten „Bad Boys“ gingen damals in die Handball-Geschichte ein. Es war der bis heute letzte Titelgewinn für Deutschland. Mit Keeper Andreas Wolff, Kreisläufer Jannik Kohlbacher und Linksaußen Rune Dahmke sind noch drei Spieler des damaligen Triumphs bei der aktuellen EM dabei.

Renars Uscins war seinerzeit gerade einmal 13 Jahre alt und noch auf dem Weg zu einem Ausnahmespieler. Für das Halbfinale formulierte der Halbrechte aber eine deutliche Marschroute: „Klar wollen wir den Titel. Es wird entscheidend sein, dass wir den Druck aufrechterhalten und nicht durchatmen. Die Spannung muss ganz oben bleiben.“

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