Es dauerte bis in die 37. Minute, ehe Juri Knorrs Serie endete. Die ersten zehn Würfe hatte der Spielmacher allesamt im Tor untergebracht und das deutsche Team damit maßgeblich auf Halbfinal-Kurs gebracht. Der elfte Versuch ging dann knapp links vorbei. Knorr, der bislang überhaupt nicht in die EM gefunden hatte und selbst an sich zweifelte, feierte im entscheidenden Hauptrundenspiel gegen Frankreich seine persönliche Erlösung.

„Die letzten Tage waren schon nicht so einfach. Es war schwierig, ich habe viel gegrübelt. Im Endeffekt ist es aber Sport. Heute waren die Aktionen und Würfe, die am Anfang nehme, nicht viel besser als die in den letzten Spielen. Und dann gehen sie auf einmal rein, dann kommst du in einen Rhythmus“, sagte der Mann, der in Dänemark bei Aalborg spielt, nach dem souveränen Erfolg im ZDF.

Noch im ersten Matchball-Spiel ums Halbfinale gegen Top-Favorit Dänemark gelang praktisch gar nichts, nur ein Ball fand bei vier Versuchen den Weg ins Tor. Auch seine Pässe fanden zu selten den richtigen Mann. „Ich bin enttäuscht über meine Leistung“, hatte der Spielmacher während der Hauptrunde gesagt. „Mich nervt das extrem. Manchmal läuft es einfach nicht. So ist der Sport manchmal.“ Gegen Frankreich nun die 180-Grad-Wende.

Es schien phasenweise so, als könne Knorr das Tor gar nicht verfehlen. Auch in Sachen Dynamik und Entscheidungsfindung zeigte sich der 25-Jährige stark. „Man muss einfach dranbleiben. So ist es im Sport, so ist es im Leben. Man muss einfach weitermachen. Alles geht auch wieder vorbei, ob es im Erfolg ist oder in der Niederlage. Man muss weitermachen. Ich habe gehofft, dass es in dem noch Turnier klappt. Ich bin glücklich“, sagte Knorr.

Lob von Alfred Gislason

Bei all dem Positiven, das Knorr zeigte, ging es nahezu unter, dass er nach seinem ersten Fehlwurf noch drei weitere folgen ließ, keinen weiteren Treffer mehr erzielte und sich in der Schlussphase erschöpft auswechseln ließ. „Ich bin müde geworden. Wir haben so ein super Team. Marko (Grgic, d. Red.) und Julian (Köster, d. Red.) kamen dann rein und haben einen ganz anderen Rhythmus, eine ganz andere Dynamik ins Spiel gebracht und uns das Spiel gewonnen. Mir sind einfach ein bisschen die Körner ausgegangen“, sagte Knorr. Bester deutscher Werfer wurde er trotzdem.

Abonnieren Sie WELTMeister bei Spotify, Apple Podcasts oder direkt per RSS-Feed.

Auch zum Spieler des Spiels wurde Knorr gewählt. „Der Moment war fast ein bisschen kitschig, weil mein Vater stand ziemlich direkt vor mir. Ich habe meine Freundin zwischendurch auf dem Videowürfel gesehen“, berichtete Knorr mit einem verlegenen Lächeln.

Alfred Gislason lobte seinen aufgeweckten Rückraumspieler dann auch überschwänglich. „Er hat nicht nur gut gespielt, er hat ein großartiges Spiel abgeliefert. Er hat die Mannschaft eine Weile sehr getragen. Er hatte immer ein bisschen Wurfpech, das hat man gerade gegen Dänemark gesehen. Aber das heutige Spiel war phänomenal“, sagte der Bundestrainer. In der Mixed-Zone legte er nach: „Die Leistung war phänomenal. Er hat sich sehr unter Druck gesetzt. Heute hat er das beste Spiel gemacht, das ich je von ihm gegen so eine Nation gesehen habe. Wenn er sich jetzt nicht selbst zerfleischt, würde ich sagen, er hat ein großartiges Spiel gemacht.“

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke