Moritz Müller spielt seit 2003 für die Kölner Haie und ist ihr Kapitän. 2008, 2013, 2014 und 2025 wurde er Vize-Meister. Aktuell führt er mit den Haien souverän die DEL-Tabelle an. Mit der deutschen Nationalmannschaft gewann er 2018 Olympia-Silber. Der Verteidiger ist für die Olympischen Winterspiele in Cortina d‘Ampezzo und Mailand nominiert.
Frage: Lange Siegesserie mit den Kölner Haien, Tabellenführer – schweben Sie gerade auf Wolke sieben?
Moritz Müller: Ja, momentan macht es richtig Spaß, Spieler der Haie zu sein. Die Leute sprechen einen auf der Straße an und loben dich. Die Euphorie ist riesig. Ich musste kürzlich aber auch an unsere Serie von 17 Niederlagen in Serie im Jahr 2020 zurückdenken. Die Situation war bedrückend, man hat sich geschämt. Umso schöner ist es, jetzt die andere Seite zu erleben.
Frage: Warum läuft es so gut?
Müller: Ein wichtiger Faktor ist unser Trainer Kari Jalonen. Er und Sportdirektor Matthias Baldys haben einen richtig guten Kader zusammengestellt. Mit jedem Zugang haben sie ins Schwarze getroffen. Sowohl spielerisch als auch menschlich. Jeder bei uns stellt sein Ego zurück. Der nachverpflichtete Torwart Janne Juvonen war das letzte Puzzlestück. Unser Kader ist tiefer besetzt als vergangenes Jahr.
Frage: Und da waren Sie schon überraschend Vizemeister. Ist der erste Meistertitel für die Haie seit 2002 möglich?
Müller: Vergangenes Jahr waren wir im Finale gegen Berlin einfach platt. Jetzt sind wir breiter aufgestellt. Und das Gute ist: Ich habe nicht das Gefühl, dass uns diese Serie zu Kopf steigt. Auch nach Siegen gehen wir in die ehrliche Analyse und finden Dinge, die besser laufen können. Aber bis zur Meisterschaft ist noch ein ganz weiter Weg. Es gibt sechs weitere Mannschaften, die problemlos Meister werden können. Meine Karriere hat mich Demut gelehrt.
Frage: Haben die Haie die nötige Härte für die Play-offs?
Müller: Das denke ich schon.
Frage: Viele hatten im vergangenen Sommer damit gerechnet, dass Sie Ihre Karriere beenden. Dann haben Sie noch einmal ein Jahr drangehängt. Ist im Sommer 2026 Schluss?
Müller: Es hat einfach zu viel Spaß gemacht, und die Entwicklung im Verein war so positiv, daher habe ich weitergespielt. Was nach dieser Saison passiert, wird man sehen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist da, dass ich aufhöre.
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Frage: Mit 39 sind Sie topfit. Wie machen Sie das?
Müller: Ich bin rund um die Uhr Profi und hart zu mir selbst, mental wie auch physisch. Wenn ich mal ein Kölsch trinke, habe ich danach sofort ein schlechtes Gewissen. Beim Essen genauso. Ich wiege mich jeden Dienstagmorgen in der Kabine: Seit zwölf Jahren wiege ich haargenau 93,3 Kilo. Ich sage meinen Kindern immer: Je härter du zu dir selbst bist, desto leichter wird das Leben. Und je nachlässiger du mit dir selbst umgehst, desto härter kann das Leben zu dir sein.
Frage: Ihr ehemaliger Kölner Teamkollege Mirko Lüdemann hat erst mit 42 Jahren seine Karriere beendet …
Müller: Der Lüde macht alles ein bisschen später. Er ist auch später Vater geworden. Wahrscheinlich lebt er auch ewig und wird uralt (lacht).
Frage: Vor dem Karriereende stehen noch die Olympischen Spiele im Februar in Mailand an. Wie groß ist die Vorfreude?
Müller: Riesig groß. Mit 39 noch einmal bei Olympia dabei zu sein, noch dazu bei einem Turnier mit allen NHL-Spielern, ist eine große Ehre. Auch mit meinem Kumpel Leon Draisaitl zusammenzuspielen wird toll.
Frage: Stehen Sie in Kontakt?
Müller: Absolut. Beim vergangenen NHL-Finale habe ich ihn in Edmonton besucht. Und je mehr es auf Olympia zugeht, desto öfter schreiben wir uns.
Frage: Was ist für die deutsche Mannschaft drin?
Müller: Auf dem Papier sind Kanada, USA, Finnland, Schweden und die Schweiz besser besetzt. Dann gibt es auch noch die Tschechen. Aber wir haben eine Mannschaft, die sich nicht verstecken muss. Entscheidend wird sein, wie schnell man als Team zusammenfindet.
Frage: DEL-Meister oder Olympia-Medaille – was würden Sie nehmen?
Müller: Da ich 2018 schon Olympia-Silber gewonnen habe, würde ich DEL-Meister nehmen. Nach vier Vize-Meisterschaften wäre das ja eventuell ein wunderbarer Karriereabschluss.
Der Artikel wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, SPORT BILD, BILD) verfasst und zuerst in SPORT BILD veröffentlicht.
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