Angesicht der Ausschreitungen im US-Bundesstaat Minnesota und der verschärften Einreisebestimmungen in die USA fordern die Grünen von der Bundesregierung Schutzmaßnahmen für deutsche Fans bei der Fußball-WM 2026 im Sommer. Zum Protest gegen die Regierungspolitik von Donald Trump könne zudem ein Boykott der Weltmeisterschaft durch deutsche Regierungsvertreter zählen, sagte der grüne Menschenrechtsexperte im Bundestag, Boris Mijatovic, dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND).

„Vor dem Hintergrund der verschärften Visa- und Einreisebestimmungen und dem zunehmend harten Vorgehen von Sicherheits- und Einwanderungsbehörden in den USA, sind die Sorgen von Fans berechtigt“, betonte Mijatovic. „Die Bundesregierung muss dringend eine belastbare Strategie zum Schutz deutscher Fans und Funktionäre während Einreise und Aufenthalt bei der WM vorlegen.“ Dazu gehörten klare Reise- und Sicherheitshinweise, erreichbare konsularische Anlaufstellen, transparente Informationen und belastbare Absprachen mit den zuständigen Behörden, so Mijatovic.

Der Grünen-Abgeordnete Mijatovic brachte zudem einen politischen Boykott als möglichen Teil einer Gesamtstrategie gegenüber Trump ins Spiel: „Das Fernbleiben deutscher Regierungsvertreter bei dem deutschen WM-Spielen in den USA kann dann natürlich ein Teil dieser Strategie sein“, sagte er dem RND.

CDU-Abgeordneter: „WM-Boykott ist eine Schnapsidee“

Die Unionsfraktion sprach sich trotz der Besorgnis über die Trump-Politik gegen ein Fernbleiben von der WM aus: „Ein Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer würde sicherlich nicht zu einer grundlegenden Änderung dieser Politik führen“, sagte ihr sportpolitischer Sprecher, Stephan Mayer, dem RND. Ein solcher Schritt würde eher die Fußballer und Millionen Fans treffen, die diesem sportlichen Großereignis entgegenfiebern. „Die Politik hat viele geeignete Instrumente, um das Verhalten der US-Regierung zu kritisieren – ein WM-Boykott gehört zweifellos nicht dazu“, sagte der CSU-Politiker.

CDU-Politiker Christoph Ploß äußerte sich im „Spiegel“ noch deutlicher. „Ein WM-Boykott ist eine Schnapsidee“, sagte er. „Dieser würde nicht nur die Spieler bestrafen, sondern auch der Grundidee großer internationaler Sportereignisse zuwiderlaufen, nämlich dass Athleten sowie Fans aus aller Welt zusammenkommen und sich untereinander austauschen.“ Gerade in der heutigen Zeit brauche es interkulturelle Zusammenkünfte, so Ploß. „Die Spieler sollten sich, anders als es häufig bei der WM in Katar passiert ist, auf Fußball konzentrieren können.“

Zustimmung erhält die Union von den Linken. Fraktionschef Sören Pellmann bezeichnete die Boykotterwägungen gegenüber dem RND als „medientauglich“ aber wenig wirksam im Umgang mit Trumps „imperialen Gebaren“ und seinem „autoritären Umbau des Landes“. Es sei vermessen, zu erwarten, dass der Sport korrigiere, wozu die Politik nicht in der Lage sei. „Mit Mexiko und Kanada würden zwei weitere Länder, die selbst unter den Tiraden des aktuellen US-Präsidenten leiden, in Sippenhaft genommen. Ein Boykott liefert folglich nicht die Lösung“, sagte Pellmann.

Sorgen habe er dennoch. Die Entwicklung in den USA habe „einen Punkt erreicht, wo ich nicht ruhigen Gewissens sagen würde, dass eine Reise sicher ist“, sagte Pellmann. Dass derzeit auch US-Staatsbürger von der Einwanderungsbehörde abgeschoben werden, zeigt laut dem Linken: „Diese Beamten schauen und prüfen nicht zuverlässig, wen sie verhaften und mitunter monatelang in Abschiebegefängnissen verwahren“, so Pellmann. „Ein Pass bietet keinen Schutz. Von daher sage ich: Ja, es besteht Grund zur Sorge um alle, die hinfahren.“

SPD-Sportpolitikerin Lugk will nicht in die USA reisen

Eine SPD-Bundestagsabgeordnete kündigte bereits ihren persönlichen Boykott an: Bettina Lugk, sportpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. „Ich werde die WM in den USA nicht vor Ort besuchen“, sagte Lugk dem „Spiegel“. Die innenpolitische Lage sei äußert angespannt, teilweise werde Menschen aufgrund ihrer Nationalität die Einreise verwehrt. „Das sind leider keine guten Voraussetzungen für ein Fußballfest, das Menschen eigentlich verbinden soll.“

Von einem allgemeinen Boykott halte sie allerdings nichts, sagte Lugk. „Die aktuelle Diskussion über einen möglichen Boykott der WM 2026 entstand vor dem Hintergrund massiver außenpolitischer Drohungen aus den USA.“ Da sich eine Eskalation vorerst nicht bestätigt habe, sei diese Debatte nicht zielführend. „Mit Blick auf den neugeschaffenen FIFA-Friedenspreis für den US-Präsidenten hätte ich mir allerdings vom DFB eine sehr viel deutlichere – um es klar zu sagen – kritischere Haltung gewünscht“, sagte die SPD-Abgeordnete weiter.

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