Allein die Kulisse war beeindruckend. 15.000 Fans hüllten die Tribünen der Jyske Bank Boxen in Herning am Montagabend in ein schönes Rot und Weiß. Aus deutscher Sicht wäre allerdings eine andere Farbe passender gewesen: schwarz. Das traf allerdings nur für die Betrachtung des Endergebnisses zu, das beim 26:31 (12:13) erneut nüchtern ausfiel. Die Leistung der deutschen Handballer gegen Dänemark aber war über rund 40 Minuten mehr als ansprechend.
Denn anders als beim 26:39 im olympischen Finale 2024 und auch beim 30:40 während der Weltmeisterschaft vor einem Jahr erhielten die Spieler von Bundestrainer Alfred Gislason diesmal keine weitere demoralisierende Lehrstunde durch den Gastgeber der Europameisterschaft erteilt. Stattdessen stellten sie die Überflieger der Branche um Welthandballer Mathias Gidsel vor große Probleme. Erst nach 40 Minuten konnten sich die Hausherren befreien – sowohl spielerisch als auch ergebnistechnisch.
Kampfkraft und Moral stimmten bei der deutschen Auswahl absolut, weshalb die Niederlage Kapitän Johannes Golla und seine Mannschaftskollegen nicht nachhaltig frustrieren darf: Denn eine große Chance bleibt ja noch, um das vom Deutschen Handballbund ausgegebene Ziel zu erreichen. Ein Remis im letzten Hauptrundenspiel am Mittwochabend (18 Uhr, ZDF/Dyn und im WELT-Liveticker) gegen Titelverteidiger Frankreich – und Deutschland hätte die Halbfinalteilnahme sicher.
Duelle mit den Großen der Branche
Das wäre im vom Deutschen Handballbund (DHB) ausgerufenen Jahrzehnt des Handballs ein wichtiges Zwischenergebnis und auch für die Entwicklung der mit einem Durchschnittsalter von 26,1 Jahren noch immer recht jungen Mannschaft von großer Bedeutung. Nur in Duellen mit den Großen der Branche kann man wachsen – auch wenn es bisweilen wehtun kann wie in der zweiten Halbzeit am Montagabend in der „Hölle von Herning“.
Auch für den mit einer Mitgliederzahl von 793.000 mit Abstand größten Handballverband der Welt wäre das Erreichen der Vorschlussrunde ein Jahr vor der Ausrichtung der Weltmeisterschaft im eigenen Land eine große Triebfeder in Sachen Werbung und Imageverbesserung. Denn bis auf Olympiasilber 2024 hat die deutsche Mannschaft bei großen Turnieren in den vergangenen Jahren nur Platzierungen abseits des Podestes erreicht: Bei der WM 2025 wurde sie Sechster, bei der EM ein Jahr zuvor Vierter, bei der Weltmeisterschaft 2023 Fünfter und bei den kontinentalen Titelkämpfen 2022 Siebter.
Noch bleibt eine große Chance, diesen Trend umzukehren und trotz der schweren Hauptrundengruppe den Sprung in das Halbfinale zu packen. Dafür aber muss eine konstante Leistung auf hohem Niveau über 60 Minuten her – und das nur 44 Stunden nach der Pleite gegen Dänemark. Für den DHB und sein größtes Aushängeschild namens Nationalmannschaft sind es wegweisende Stunden.
Jens Bierschwale berichtet für WELT von vor Ort über die Handball-EM. Hier finden Sie alle seine Berichte.
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