Edin Dzeko hat die Geschichte von seinem Treffer schon mehrfach erzählt, doch weil sie so gerne gehört wird, tat er es noch einmal. „Auch mit 39, wenn man ein bisschen älter ist, vergisst man nicht, wie man Tore schießt“, sagte der neue Stürmer des FC Schalke 04 in den diversen Interviews, die er am Sonntag geben musste. Er habe in seiner langen Karriere ja „viele Tore gemacht“ – und davon auch „viele Tore auf diese Art“, so Dzeko. Insofern sei das gar nicht so außergewöhnlich gewesen.

Das sahen die Fans des Spitzenreiters der zweiten Liga allerdings ganz anders. Bereits bei der Einwechselung des Routiniers, der in der vergangenen Woche überraschend nach Gelsenkirchen wechselte, ging ein Raunen durch die Arena. Als Dzeko dann in der 87. Minute, zehn Minuten, nachdem er den Rasen betreten hatte, einen Ball mit der Brust annahm, ihn elegant abtropfen ließ, sich vorlegte und dann flach ins Tor schoss, hatte dies eine Eruption zur Folge.

Der Lärm auf den Rängen schwoll an. Die Schalker, die bis dahin in einem eher dürftigen Spiel 0:2 gegen den 1. FC Kaiserslautern zurückgelegen hatten, rafften sich noch einmal zu einer Schlussoffensive auf – und drei Minuten später gelang Kenan Karaman tatsächlich der Treffer zum 2:2-Endstand. Die Fans flippten aus.

„Edin bringt die Hoffnung zurück“, sagt Schalkes Trainer

Miron Muslic war dagegen in erster Linie erleichtert und dankbar. „Edin bringt uns zurück ins Spiel mit dieser Edin-Klassik-Situation. Er bringt das ganze Stadion noch mal zurück, er bringt die Hoffnung zurück“, sagte der Schalker Trainer. Muslic hatte gespürt, dass seine Mannschaft, die ähnlich wie beim 0:0 bei Hertha BSC offensiv extrem harmlos agiert hatte, solch einen Moment brauchen würde. Eigentlich hatte er Dzeko höchstens 15 Minuten lang spielen lassen wollen. Dann aber hatte er ihn doch bereits in der 67. Minute eingewechselt – um einen psychologischen Impuls zu setzen.

Denn Dzeko war nicht nur Vollstrecker, sondern auch Antreiber. Es forderte die Kollegen auf, den Ball schneller zu spielen. Er brachte – trotz seines Alters – Dynamik ins Spiel. „Das sind Dinge, die uns in den letzten sieben Monaten gefehlt haben: Ein Ziel-Spieler, der die Bälle behaupten und sich durchsetzen kann“, so Muslic.

Gleich bei Dzekos Debüt wurde deutlich, wie sich Muslic die Ausrichtung für die kommenden Monate vorstellt. Der frühere Bundesliga-Torjäger soll den Angriffsversuchen Struktur geben und dafür sorgen, dass die Königsblauen künftig nicht nur mit Kontern oder nach Standardsituationen torgefährlich sein werden. Schalke soll – und im Hinblick auf die Aufstiegsambitionen ist dies sogar ein Muss – endlich dominant spielen.

Sylla wechselt für sechs Millionen Euro nach New York

Dzeko soll mit seinen technischen Fähigkeiten und seiner Erfahrung dazu beitragen – wie auch Dejan Ljubicic, die zweite Verpflichtung in diesem Winter. Der frühere Kölner könnte aus dem Mittelfeld heraus dafür sorgen, dass Dzeko Bälle bekommt. Außerdem soll noch ein weiterer Stürmer kommen. Das Geld wäre da. Am Sonntag wurde bekannt, dass Moussa Sylla für sechs Millionen Euro Ablöse zum New York FC geht.

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In jedem Fall will der Tabellenführer, der sich in der Hinrunde in erster Linie auf seine starke Defensive verlassen hat, für die Gegner unberechenbarer werden. Ein Instinktspieler wie Dzeko spielt bei diesem Unterfangen eine Schlüsselrolle. „Er hat die Ruhe, er hat das Wissen, was um ihn herum passiert und er hat die Technik, um sich den Ball dorthin vorzulegen, wo er den Platz hat und der Gegner nicht ist“, sagte Youri Mulder. Bei Dzekos Treffer hatte Mulder, früher selbst Stürmer, an Raúl gedacht. „Der hatte damals sechs Spiele gebraucht, bevor er ein Tor gemacht hat“, erklärte er. Dzeko gelang das deutlich früher – was ihn zum ältesten Torschützen der Zweitliga-Historie gemacht hat. Es könnte ein Rekord für die Ewigkeit werden.

Ein neuer Publikumsliebling ist Edin Dzeko bereits. Am Freitag pilgerten 1200 Fans zum Training, nur um ihn zu sehen. Sein Trikot mit der Rückennummer 10 hat sich bereit 7000 Mal verkauft.

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