Für jeden Treffer gibt es eine besondere Prämie. In der Nähe der Villa von Harry Kane in Baierbrunn bei München betreibt Stefan Kastner den „Waldgasthof Buchenhain.“ Der Stürmerstar des FC Bayern und der Wirt lernten sich kennen, und seitdem liefert Bayern-Fan Kastner Schnitzel für jedes Tor des Engländers ins Hause Kane. „Ich esse die natürlich nicht immer alle“, sagte Kane. Aber seine Familie und seine Gäste würden sich sehr darüber freuen. „Er hat wahrscheinlich nicht erwartet, dass ich so viele Tore schieße“, so der Angreifer augenzwinkernd über den Wirt.

Beim 2:0 gegen den belgischen Klub Royale Union Saint-Gilloise in der Champions League erzielte Kane Mittwochabend beide Tore. In 29 Saison-Pflichtspielen kommt er nun auf 34 Treffer. Und sorgte dafür, dass die Bayern nach sechs Siegen in sieben Partien bereits vor dem letzten Spiel der Ligaphase auswärts bei der PSV Eindhoven in der kommenden Woche für das Achtelfinale qualifiziert sind. Das erste Etappenziel ist erreicht. Die Münchner ersparen sich in dieser Saison zwei zusätzliche kraftraubende K.o.-Spiele im Februar.

In der Tabelle der Champions League sind sie Zweiter, hinter dem FC Arsenal und vor Real Madrid und dem FC Liverpool. Sollten die Münchner auch nach dem Spiel in Eindhoven Zweiter sein, hätten sie bis ins Halbfinale immer das Rückspiel zu Hause. „Es ist gut, weil es nicht einfach ist, in die Top-Acht zu kommen in diesem Format, das wird unterschätzt“, sagte Trainer Vincent Kompany über den Einzug ins Achtelfinale. „Das Weiterkommen entscheidet aber nicht, wer die Champions League gewinnt.“

Die Bayern erledigen die Gegner derzeit quasi im Vorbeigehen – zumindest wirkt es so. Kompany betont immer wieder, dass es harte Arbeit ist. Gegen die Belgier siegte seine Mannschaft nach einer Gelb-Roten Karte gegen Minjae Kim in Unterzahl, Kane vergab einen Elfmeter, Spielgestalter Jamal Musiala spielte nicht – alles kein Problem.

In der Bundesliga bereits elf Punkte Vorsprung

In der Vorsaison mussten die Bayern in die Play-offs der Champions League. Jetzt haben sie den Februar international frei, im März steigen die Achtelfinals. In der Bundesliga führen sie die Tabelle nach 18 Spielen mit elf Punkten an. Die Frage ist nicht mehr, ob sie die Deutsche Meisterschaft gewinnen. Sondern nur wann.

Kompany kann alles auf die Champions League ausrichten. Auf den Wettbewerb, in dem es der FC Bayern endlich mal wieder ins Finale schaffen will; in dieser Saison am 30. Mai in Budapest. Das gelang seit sechs Jahren nicht. Unter die Top vier Europas schafften die Bayern es seit 2019/2020 nur einmal. „Wir werden die Zeit im Februar nutzen, um den Kader ready zu haben für die wichtigen Momente“, betonte Kompany.

In der Königsklasse geht es auch um viel Geld, allein an Prämien nahm der deutsche Fußball-Rekordmeister in dieser Saison hier bereits 50 Millionen Euro ein. Er ist unter die Top-Drei der umsatzstärksten Klubs weltweit vorgestoßen. In der Saison 2024/2025 steigerte der FC Bayern seine Erlöse von etwa 765 Millionen (2023/2024) auf 860,6 Millionen Euro. Das ergab die Studie „Football Money League“, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte veröffentlichte. Transfereinnahmen sind nicht berücksichtigt.

Die Bayern sind der nationalen Konkurrenz enorm überlegen. Und werden international zu den Titelfavoriten gezählt. Das bringt Vorteile und Gefahren mit sich. Kompany kann den lange verletzten Offensivstar Musiala behutsam aufbauen, konnte ihn gegen den belgischen Meister draußen lassen. Er kann Profis, die viele Spiele absolviert haben, in den kommenden Wochen auch mal schonen. Und die großen Partien auf der internationalen Bühne ausgiebig vorbereiten.

Doch die Situation bringt auch eine Herausforderung mit sich, welche die Bayern vor allem in der Ära unter Startrainer Pep Guardiola kennengelernt haben. Es darf kein Spannungsabfall geben. Die Mannschaft ist national nicht so sehr gefordert wie andere Teams in anderen Ländern und muss vor den K.o-Spielen in der Champions League „hochschalten.“

Und ein Trend gefällt den Münchnern gar nicht: Ihre ersten Halbzeiten sind in den vergangenen Wochen deutlich schwächer als die zweiten. Gegen den VfL Wolfsburg, den 1. FC Köln, RB Leipzig und Saint-Gilloise steigerten sie sich nach der Pause. Sportvorstand Max Eberl sagte Mittwochabend: „Wir können uns nicht immer darauf verlassen, dass wir in der zweiten Halbzeit die Spiele drehen können. Aber das ist einer Mannschaft, die so gespielt hat wie in den vergangenen sieben Monaten, durchaus auch mal zuzugestehen, dass wir eine schlechtere erste Halbzeit haben. Du gewinnst die Spiele, du bist weiter. Das ist das, was am langen Ende zählt.“ Mittelfeldchef Joshua Kimmich sagte: „Wir haben es in der ersten Halbzeit gar nicht gut gemacht haben. Vor allem waren wir nicht scharf genug auf die zweiten Bälle.“

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Eberl erklärte, warum die Mannschaft trotz der vorzeitigen Qualifikation für das Achtelfinale in Eindhoven alles geben wird – mit einem Remis würde sie Zweiter bleiben: „Dann gehst du Arsenal aus dem Weg.“ Sollten die Londoner Tabellenerster und die Bayern Zweiter bleiben, könnten beide Mannschaft in der K.o-Runde vorerst nicht mehr aufeinandertreffen. Gegen Arsenal nahm Kompanys Mannschaft ihre bislang einzige Saisonniederlage hin (1:3).

Aus Sicht des deutschen Fußballs sind die Bayern mal wieder die einzige realistische Hoffnung auf internationale Erfolge. Eintracht Frankfurt schied in der Champions League gerade aus, Borussia Dortmund ist Tabellen-16., Bayer Leverkusen liegt nach dem 0:2 (0:2) bei Olympiakos Piräus auf Rang 20.

Julien Wolff ist Sportredakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren aus München über den FC Bayern und die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen. Er war beim 2:0 gegen Royale Union Saint-Gilloise im Münchner Stadion.

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