Wie kleine Kinder hüpften Portugals Spieler über das Feld, immer wieder umarmten sie sich und zeigten eine Mimik zwischen Stolz und Erstaunen. Gerade eben hatten sie eine der größten Sensationen der seit knapp einer Woche laufenden Handball-Europameisterschaft geschafft: Sie hatten den Olympiasieger und Weltmeister aus Dänemark in deren eigener Halle, der Jyske Bank Boxen von Herning, bezwungen. Ein wahrer Coup – und ein Schock für den Topfavoriten aus dem Gastgeberland.
Der große Anwärter auf den Gewinn der Goldmedaille offenbarte beim 29:31 (11:12) vor 15.000 Fans seltsam viele Probleme – sowohl hinten als auch vorn. In der Defensive konnte Dänemark nie ein robustes Bollwerk aufstellen, und in der Offensive blieben ungewohnt viele Chancen ungenutzt.
Selbst als Dänemark während der zweiten Halbzeit Torhüter Emil Nielsen zugunsten eines siebten Feldspielers für die Angriffe herausnahm, änderte sich daran nichts. Ihr sonst so gefürchtetes schnelles Spiel in Überzahl mit Durchbrüchen zum Kreis oder über die Außen funktionierte am Dienstagabend nur in Ansätzen. „Die Leistung war nicht gut genug. Es waren nur 80 Prozent. Das können wir nicht akzeptieren. Wir hatten im gesamten Spiel kein Momentum“, sagte Welthandballer Mathias Gidsel hinterher enttäuscht.
Chance zur Revanche
Die Pleite Dänemarks hat nun auch Auswirkungen auf die nächsten Gegner der Deutschen. Zum Start der Hauptrunde geht es jetzt nicht wie erwartet gegen das Team um Gidsel und Co., sondern zunächst gegen die Südeuropäer. Am Donnerstag (15.30 Uhr, Dyn/ARD und im WELT-Liveticker) hat die Auswahl von Bundestrainer Alfred Gislason Gelegenheit, Revanche zu nehmen für das schmerzhafte Aus bei der WM vor einem Jahr in Norwegen. Damals unterlag Deutschland den Portugiesen im Viertelfinale mit 30:31 nach Verlängerung und musste die Heimreise antreten. Bei einer EM-Endrunde standen sich beide Teams letztmals 2020 gegenüber. Damals gewann Deutschland im Spiel um Platz fünf mit 29:27.
Nach dem Duell mit Portugal geht es am Samstag (20.30 Uhr) gegen Norwegen, ehe die beiden wohl schwierigsten Aufgaben auf Gislasons Mannen warten: Am kommenden Montag (20.30 Uhr) heißt der Gegner Dänemark und zum Abschluss der Hauptrunde geht es am Mittwoch (18 Uhr) gegen Frankreich.
„Jeder Gegner, der jetzt kommt, ist sehr stark“, sagte Gislason zum schwierigen Programm für seine Auswahl in der zweiten Turnierphase. Und Teammanager Benjamin Chatton versprach noch am späten Dienstagabend Handball-Krimis im Stil früherer „Hitchcock-Klassiker im Zwei-Tages-Rhythmus“. Das hohe Niveau der Teilnehmer mache „unsere Hauptrundengruppe nicht nur wahrscheinlich zur schwersten Hauptrunde seit vielen Jahren, sondern zur absoluten Todesgruppe“.
Wie Deutschland starten auch die Portugiesen und Franzosen mit jeweils 2:0 Punkten in das Rennen um den Einzug ins Halbfinale, das die zwei besten Teams der Gruppe erreichen. Der Drittplatzierte spielt um Rang fünf. „Das werden hammerharte Aufgaben“, sagte Kapitän Johannes Golla.
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