Deutschland fährt auf der Piste wieder um Gold. Mit Emma Aicher (22) hat das Land bei den Olympischen Spielen in Mailand Cortina (6. bis 22. Februar) eine der großen Favoritinnen am Start.
Ihr großes Plus: Sie ist in allen vier Disziplinen Weltklasse, die besten Chancen hat sie aber im Slalom und in der Abfahrt. Spätestens nach ihrem Weltcup-Sieg im Super-G in Tarvisio (Italien) am Sonntag hat sie aber auch in dieser Disziplin Medaillenchancen.
Wer ist das riesige Talent, das erst seit 2020 für Deutschland fährt? Aicher wurde in Sundsvall (340 km nördlich von Stockholm) geboren. Mama Viktoria ist Schwedin. Ihr Papa Andreas kommt aus Deutschland. Mit 16 zog sie nach Berchtesgaden, um ihren großen Traum zu verwirklichen: Skiläuferin zu werden.
„Ich bin nach München geflogen. Da wurde ich von einer Trainerin abgeholt. Ich kannte sie vorher gar nicht und musste am Flughafen erst mal schauen, wo ich überhaupt hin muss. Ich wurde dann in der Schule sehr schnell, sehr gut aufgenommen. Hingefahren bin ich eigentlich nur, um mal zu sehen, wie das so aussieht. Aber dann bin ich einfach geblieben“, sagt Aicher dieser Redaktion.
Heimweh kennt Emma Aicher nicht
1660 Kilometer entfernt von ihrer schwedischen Heimat wurde aus Emma die größte deutsche Ski-Hoffnung. Ihre große Stärke: Nichts scheint sie aus der Ruhe zu bringen. „Was ich machen und verändern kann, ist mein Skifahren. Ich versuche mich daher immer nur auf mich zu konzentrieren. Das ist das Einzige, das ich beeinflussen kann“, sagt Aicher.
Ihre Coolness half ihr auch im Alltag im Internat in Berchtesgaden, weit weg von in ihren Eltern. Obwohl sie ihre Familie wochenlang nicht sah, hatte sie nie das Gefühl von Heimweh. „Das kenne ich nicht wirklich. Ich kann schon verstehen, dass andere nach Hause wollen. Aber das habe ich so noch nie gespürt. Ich bin schon gerne daheim, aber es macht mir auch nichts aus, wenn ich unterwegs bin“, sagt Aicher.
Als Kind zog sie mit ihrer Familie für gut drei Jahre nach Engelberg in die Schweiz. Inzwischen wohnt sie in Salzburg in einer WG mit Nella Knauß, der Tochter des ehemaligen österreichischen Skistars Hans Knauß (54).
Witzig: Die Sprache auf ihrem Handy hat Aicher weder auf Deutsch noch auf Schwedisch, sondern auf Englisch eingestellt. „Keine Ahnung, warum das so ist. Das war einfach von Anfang an so eingestellt und ich habe es nicht geändert. In Schweden wächst man sowieso mit Englisch auf, da habe ich keine Probleme“, erklärt Aicher.
Abonnieren Sie WELTMeister bei Spotify, Apple Podcasts oder direkt per RSS-Feed.
Mit ihrer skandinavischen Heimat verbindet Aicher heute noch das traditionelle Gericht Köttbullar. „Das ist mein Lieblingsgericht, das kann ich sogar kochen“, sagt die 22-Jährige.
Die Olympischen Spiele in Italien sind für Aicher die Zweiten nach Peking 2022. Damals holte sie sensationell Silber im Teamevent. Und diesmal? Aicher selbst gibt sich zurückhaltend: „Ich bin noch nicht so weit, dass ich in jedem Rennen aufs Stockerl fahre. Deshalb würde ich mich selbst auch zum erweiterten Kreis der Mitfavoritinnen zählen. Das habe ich mir erarbeitet. Wenn es gut läuft, klappt es. Aber es gibt nicht die riesige Erwartungshaltung. Meine Mama ist zum Beispiel vor allem froh, wenn ich heil ins Ziel komme.“
Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in „Bild am Sonntag“ veröffentlicht.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke