Nach dem Wirbel bei der Vierschanzentournee um Manipulation im Intimbereich meldet sich nun ein aktiver Wintersportler mit brisanten Einblicken zu Wort. Langläufer Mika Vermeulen berichtet in dem norwegischen Podcast „Skirious Problems“ von systematischen Regelverstößen, die er während seiner früheren Zeit als Nordischer Kombinierer erlebt habe.
Der Österreicher, der im Februar bei den Olympischen Spielen in Cortina d’Ampezzo um Medaillen kämpfen will, schildert eine Betrugspraxis, die nach seinen Worten im Skispringen lange verbreitet gewesen sei. „Die Leute haben ständig betrogen. Sie stopften tonnenweise Plastilin in ihre Unterwäsche, um einen größeren Schritt zu erzielen“, sagt Vermeulen. Ziel sei es gewesen, mehr Anzugfläche zu gewinnen – ein aerodynamischer Vorteil in der Luft.
Besonders schwer wiegt seine Aussage, dass er selbst von anderen Athleten dazu gedrängt worden sei. Vor seiner ersten Materialkontrolle hätten ihn „ältere und erfahrenere Springer aufgefordert, meinen Penis mit Klebeband zu fixieren“, um das Schrittmaß künstlich zu verkleinern. Dies könne ein bis zwei Zentimeter Unterschied ausmachen. Zugleich stellt Vermeulen klar, dass keiner der beteiligten Athleten heute noch im Weltcup aktiv sei.
Die Aussagen fallen in eine Phase erhöhter Sensibilität im Skisprungzirkus. Seit dem Anzugskandal bei der WM in Trondheim im März 2025 greift der Weltverband Fis deutlich härter durch und hat zudem neue Anzugregeln aufgestellt. Chef-Materialkontrolleur Mathias Hafele setzt diese Regeln konsequent um. Für Vermeulen reicht das jedoch nicht aus.
„Alle, die disqualifiziert werden, betrügen absichtlich“
Mit ungewöhnlicher Schärfe kritisiert er die Kultur im Skispringen und in der Nordischen Kombination. „Alle, die disqualifiziert werden, betrügen absichtlich“, sagt er. Viele rechtfertigten ihr Verhalten mit dem Argument, andere täten es ebenfalls. Lasche Kontrollen und geringe Strafen förderten aus seiner Sicht diese Haltung. Gegenüber dem Sender NRK warnt Vermeulen vor einer gefährlichen Entwicklung: Wenn Betrug nicht streng sanktioniert werde, entstehe eine Kultur, in der das Ausreizen von Schlupflöchern als legitim gelte. Wer beim Betrügen erwischt werde, müsse für längere Zeit gesperrt werden.
Derzeit sieht das Regelwerk nach dem zweiten Vergehen eine Sperre von zwei Springen vor, Olympische Spiele sind davon ausgenommen. Diese Rote Karte wurde zum Saisonstart neu eingeführt. Dennoch: Im Vergleich dazu zieht Vermeulen einen deutlichen Kontrast zum Skilanglauf. Dort halte man sich strikt an die Vorgaben der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), während im Skispringen bewusst Risiken eingegangen würden – oft bis an die Grenze des Erlaubten.
Nicht überall stoßen seine Aussagen auf Zustimmung. Ex-Kombinierer Magnus Moan (42) reagierte kritisch. Er sei sich nicht sicher, ob Vermeulen wisse, was er mit seinen Worten auslöse. Das sei, so Moan gegenüber NRK, „wie eine große Fackel im eigenen Wespennest“.
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