Der neue Weltmeister ist noch gar nicht gekürt, da zieht der Chef hinter der Veranstaltung schon mal ein positives Fazit. „Es war großartig. Es wurden jeden Tag neue Geschichten produziert. Es gab jeden Tag großartige Spiele“, sagte PDC-Geschäftsführer Matt Porter in einer Medienrunde, an der auch WELT AM SONNTAG teilnahm. „Und das Schöne an dieser Veranstaltung ist, dass es sich – egal, ob es Dienstag, 13 Uhr, oder Samstag, 22 Uhr ist –, immer gleich anfühlt.“
32 Spieler mehr, vier Tage länger, weit über eintausend 180er. Diese Darts-WM ist in jeglicher Hinsicht die bisher Größte in der Geschichte des Sports. Und bei aller vorherigen Kritik am möglicherweise fehlenden Niveau der zusätzlichen Starter: Die Sportler lieferten von Tag eins bis Tag 20 mit dem Finale am heutigen Samstagabend einfach ab. Kaputtgeschlagene Tische, Wutausbrüche des Weltranglistenersten, nie für möglich gehaltene Außenseitersiege. Emotionen am Fließband.
Der Dartsport schrieb in den vergangenen Jahren eine beispiellose Wachstumsgeschichte. Diese WM aber hat den Sport auf eine neue Stufe gehoben. Denn er nimmt nun endgültig Formen an, von einem urbritischen Kneipenspiel zu einem globalen Premium-Produkt zu werden.
Die PDC treibt diese Entwicklung seit Jahren voran. Bei dieser WM lassen sich jetzt dicke Früchte ernten. „Diese WM hat es bewiesen. Spieler aus Asien, Afrika und Ozeanien haben wirklich gute Leistungen gezeigt. In den Anfangsjahren der internationalen Turniere gab es Spieler, die nicht wirklich das Niveau hatten, das man für eine WM braucht“, sagte Porter. Siege von Spielern aus Kenia, Indien und Japan haben aber nun bewiesen, dass der Rest der Welt konkurrenzfähig ist.
PDC ist eine relativ junge Organisation
Porter sieht sich bezogen auf die Internationalisierung dennoch erst „in einer sehr frühen Entwicklungsphase“. Er verweist dabei gern darauf, dass die PDC mit ihrer Gründung im Jahr 1992 noch eine relativ junge Organisation ist, gerade im Vergleich zu jenen im Golf oder im Tennis, mit denen sich der Geschäftsführer gern vergleicht. „Das erste Jahrzehnt waren wir im Wesentlichen eine Organisation mit Sitz in Großbritannien. Erst seit zehn bis 15 Jahren wachsen wir so richtig“, sagte Porter.
In den kommenden drei Jahren geht die PDC den nächsten Schritt. Über drei Millionen Pfund Preisgeld werden in dieser Periode in regionale Turnierserien rund um den Globus investiert. Im Vergleich zu den fünf Millionen Pfund, die allein bei dieser WM ausgeschüttet wurden, erscheint das lächerlich wenig. Aber es ist ein Anfang.
In die Tour der Region, in der Porter den größten Nachholbedarf sieht, fließen 2026 rund 185.000 Pfund. „Nordamerika ist zwar eine große Dartsregion, bringt aber derzeit nicht genügend Topspieler hervor“, sagte er und verwies auf die USA. „Es ist schwierig, sie als ein einziges Land zu betrachten. Es sind 50 Bundesstaaten, kulturell gibt es große Unterschiede. Wir müssen genauer hinschauen, wo die nächsten Champions zu finden sind.“
Ob es sie in Saudi-Arabien gibt? Der umstrittene Golfstaat ist so weit entfernt davon, eine Dartsnation zu sein wie San Marino von einer Fußball-Weltmeisterschaft, verfügt aber über eine Menge Geld, dessen Ruf die PDC nun auch folgt. In Riad wird am 19. und 20. Januar erstmals ein Einladungsturnier der World Series ausgetragen. „Saudi-Arabien ist offensichtlich ein Land, das in den letzten fünf Jahren stark in den Sport investiert hat. Darts ist etwas, das dort auf dem Radar aufgetaucht ist“, sagte Porter.
Abonnieren Sie WELTMeister bei Spotify, Apple Podcasts oder direkt per RSS-Feed.
Zwischenzeitlich war ob der finanziellen Kraft des umstrittenen Königreichs sogar über eine Verlegung der WM nach Saudi-Arabien spekuliert worden. „Wir haben andere Optionen geprüft. Saudi-Arabien kam für die Weltmeisterschaft aber nicht infrage“, sagte Porter nun.
Wachsen wird die Weltmeisterschaft dennoch. Bei der nächsten Austragung wird erstmals in der Great Hall des Londoner Alexandra Palace gespielt. 5000 statt 3000 Zuschauer werden dann pro Session kommen. Es besteht eigentlich kein Zweifel, dass die PDC auch dann jede einzelne von ihnen ausverkaufen wird. Denn der Sport ist noch längst nicht an seinem Limit.
Luca Wiecek ist Sportredakteur für WELT. Er berichtete bei dieser Darts-WM vier Tage aus dem Alexandra Palace in London.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke