Ryan Searle führte im Viertelfinale der Darts-Weltmeisterschaft mit 2:0 in Sätzen und 2:0 nach Legs, als das Publikum in London wieder mal obszöne Schmähgesänge gegen einen der führenden Politiker des Landes anstimmte: „Keir Starmer is a Wanker“ – der britische Premierminister wurde als Wichser bezeichnet.

Searle hatte gerade seine Pfeile aus dem Board gezogen, und betätigte sich auf dem Gang zum Bühnenrand spontan als Dirigent. Zu überhören waren die Gesänge nicht. Möglich aber auch, dass der sehschwache 38-Jährige in diesem Moment auch gar kein Ohr für die Botschaften der Fans hatte und einfach nur aus seiner vorzüglichen Laune heraus in Melodie und Rhythmus einstimmte.

Bei der Nummer 20 der Setzliste lief gegen Jonny Clayton bis dahin alles nach dem Geschmack von „Heavy Metal“. Searle, der in seinen ersten vier Matches dieser WM keinen Satz abgegeben und dabei auch die deutsche Nummer eins Martin Schindler 4:0 geschlagen hatte, hatte sich auch im Viertelfinale zunächst schadlos gehalten und in den ersten drei Sätzen nur zwei Legs abgegeben. Er gewann am Ende 5:2, hat damit ein Preisgeld von mindestens 200.000 Pfund sicher und springt in der Rangliste erstmals in seiner Karriere unter die Top 8.

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Sein Erfolg lag diesmal aber vor allem in eklatanter gegnerischer Schwäche begründet. Beide punkteten über die sieben Sätze auf weitgehend konstantem Niveau. Der engtscheidende Unterschied: Searle traf die Doppelfelder, Clayton nicht. Der Waliser hatte in den ersten drei Sätzen jeweils fünf Möglichkeiten zum Checkout. Im ersten und dritten Durchgang landete er einen Treffer, im zweiten gar keinen. In Satz vier waren es dann drei von elf, im fünften zwei von neun.

Searle wendet sich an Menschen mit Sehproblemen

Nur im sechsten Satz konnte Clayton zu gewohnter Sicherheit finden und drei seiner fünf Möglichkeiten nutzen. Zeitgleich brach Searles Scoring ein. Sein Set-Average: 86,42 Punkte. Clayton holte sich nach 0:1-Rückstand drei Legs in Folge, darunter ein 11-Darter und verkürzte noch einmal zum 2:4. Letztlich nur ein Strohfeuer. Im siebten Satz erhielt die Nummer fünf der Setzliste keinen Dart mehr auf die Doppel. Searle genügte ein Average von 91,32 Punkten und 57 Prozent auf den Doppeln zum Sieg.

„Das bedeutet mir eine Menge. Keiner von uns hat besonders gut gespielt. Offensichtlich waren wir sehr nervös. Aber es stand auch viel auf dem Spiel. Verzeiht mir das“, sagte Searle: „Ich denke, mein Finishing unter Druck war ziemlich gut. Jonny hat von Anfang an viele Doppel verpasst. Und das war der Unterschied.“ Es ist der größte Erfolg seiner Karriere. „ Das Halbfinale ist riesig. und die Nummer sieben zu sein, ist verrückt für mich.“

Die Beleidigungen gegen den Premier, die es bei dieser WM bereits mehrfach gegeben hatte und vom übertragenden Sender Sky zensiert wurden, waren kein Thema mehr.

Stattdessen hatte Searle noch eine überraschende Botschaft. „Ich habe noch eine Nachricht an die Menschen da draußen“, sagte er in seinem Siegerinterview auf der Bühne und fügte mit wackliger Stimme und feuchten Augen an: „Ganz offensichtlich kann ich nicht besonders gut sehen. Und an alle, die Darts spielen und nicht so gut sehen können: ,Lasst euch nicht aufhalten!‘ Ich möchte diesen Menschen eine Inspiration sein.“

Darts-WM 2026, Viertelfinale, Ergebnisse

  • Ryan Searle (ENG/20) – Jonny Clayton (WAL/5) 5:2 (3:1, 3:0, 3:1, 1:3, 3:2, 1:3, 3:0)
  • Gary Anderson (SCO/14) – Justin Hood (ENG)
  • Luke Littler (ENG/1) – Krzysztof Ratajski (POL)
  • Luke Humphries (ENG/2) – Gian van Veen (NED/10)

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