Der Glühweinindex eines Reiseportals weist Lübeck im unteren Mittelfeld aus. Unter 22 angefragten Weihnachtsmärkten belegt die Marzipanstadt den achten Platz auf der Teuer-Skala, allerdings von unten. Vier Euro kostet das weihnachtliche Symbol hier im Schnitt.
Wem das immer noch zu viel ist, wird wohl eher vom örtlichen Regionalligaverein angelockt. Phönix Lübeck hat verkündet, dass jeder Zuschauer beim letzten Heimspiel des Jahres selbst über den Glühweinpreis bestimmen darf. 150 Liter der flüssigen Glückseligkeit habe man für dieses Experiment mithilfe des lokalen Caterers auftreiben können.
Und damit nicht genug. Weil auch über den Eintrittspreis – wohlgemerkt nach dem Spiel – selbst aus vier Kategorien gewählt werden kann, lässt sich schon für sieben Euro ein schöner Nachmittag erleben. Fünf Euro (wenn das Fußballspiel nur als „okay“ befunden wird) für die Karte, zwei Euro in die Glühweinkasse. Na gut, es könnten auch vier oder sechs Euro für Getränke werden. Denn eine ungeschriebene Glühweinregel besagt: Bei einem bleibt es eh nie.
Niederlage? Einen Glühwein frei und einen Zehner aus der Vereinskasse
Wer nicht ganz so knausrig sein will, gibt für das Ticket zehn („Solides Spiel“), 15 („Hat Spaß gemacht!“) oder 20 Euro („Richtig stark!“). Fehlt nur noch „War Mist“, wo es für den Fan nach einer 0:4-Pleite neben einem Glühwein frei noch einen Zehner aus der Vereinskasse gibt.
Lübeck hofft natürlich auf möglichst wenige Schmarotzer – und einen Psycho-Effekt. Frei nach dem Motto: Wer selbst entscheiden darf, wie viel er zahlt, blecht automatisch mehr. Vermeintlich kostenlose Stadtführungen, Museen, Zoos und sogar Restaurants wurden so schon zu sprudelnden Geldquellen.
Für Vereine im Abstiegskampf ist die Preispolitik aber nicht zu empfehlen. Nicht, dass neben den sportlichen Hoffnungen auch noch die Einnahmen wegbrechen. Phönix Lübeck steht Gott sei Dank auf Platz fünf.
Luca Wiecek ist Sportredakteur für WELT. Er ärgert sich, dass die beiden angefragten Berliner Weihnachtsmärkte im Glühweinindex unter den teuersten Fünf zu finden sind.
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