Beschimpfungen als Nazi, Rassismus und Drohungen – das traf die deutschen Sportlerinnen und Sportler bei Olympia 2024 in Paris. Die Schwimmerin Angelina Köhler wurde von chinesischen Internet-Bots (Programme, die automatisch Kommentare schreiben) attackiert, weil sie sich zu einem Doping-Verdacht gegen eine Konkurrentin aus der Volksrepublik geäußert hatte. Unter anderem wurde sie Nazi genannt, weil sie aus Deutschland stammt.

Das setzte ihr zu: „Das Ganze hat bei mir Spuren hinterlassen“, sagt sie: „Es ist wie ein Verfolgungswahn. Ich trinke immer noch aus keiner Flasche, die schon geöffnet wurde. Es muss besonders auf meine Flasche aufgepasst werden, damit mir niemand dort etwas reinschüttet.“ Sie fürchtet, dass ihr jemand Doping anhängen könnte. Daher regte sie an: „Ich wünsche mir, dass der DOSB für die Sportler eine Ansprechperson anbietet. Damit man sich nicht alleingelassen fühlt.“

Darauf reagiert der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) jetzt vor den Winterspielen von Mailand und Cortina im kommenden Februar. Zusammen mit der Generalstaatsanwaltschaft werden solche Attacken stärker verfolgt.

Bereits 2024 gab es eine technische Lösung, die basierend auf Künstlicher Intelligenz Hasskommentare auf Social-Media-Konten des deutschen Teams und der Sportler in Echtzeit ausblendete. Bei den Sommerspielen wurden rund 60.000 Kommentare gescannt und davon 4000 herausgefiltert. Knapp 45 Prozent wurden als beleidigend, neun Prozent als rassistisch und 44 Prozent als Spam eingestuft. Zum Beispiel gab es rassistische Attacken gegen Fahnenträger Dennis Schröder wegen dessen Hautfarbe. Hockey-Nationalspieler Gonzalo Peillat wurde nach seinem Tor im Viertelfinale gegen Argentinien beleidigt – er ist gebürtiger Argentinier, der für Deutschland antritt.

Alle Attacken werden dokumentiert und gespeichert

Ein Problem gab es aber: „Das KI-Programm war vor Olympia aus meiner Sicht noch nicht ausreichend kommuniziert worden“, sagt Köhler. Sie hatte nichts davon gewusst, so trafen sie die Attacken ungefiltert. Vor den Winterspielen gibt es nun am 7. Januar einen Informations-Call mit dem deutschen Team.

Die Sportler können sich entscheiden, das KI-Programm bei ihren sozialen Medien zu aktivieren. Dieses blockiert alle Attacken, sodass der Athlet nichts davon mitbekommt – und sich so besser auf den Sport konzentrieren kann bzw. mental nicht darunter leidet.

Alle Attacken werden dokumentiert und gespeichert. Bei dem Verdacht der Volksverhetzung wird sofort eine Information an die Generalstaatsanwaltschaft gegeben. Außerdem bekommen die Sportler nach den Winterspielen, wenn sie dies wünschen, die Möglichkeit, alle Kommentare, die den Tatbestand der Beleidigung erfüllen könnten, zu sehen, um dann zu entscheiden, ob sie Strafanträge gegen die Täter stellen möchten. Dabei helfen DOSB und Behörden.

Für den Verband geht es darum, die mentale Gesundheit zu schützen. Daher werden bei den Winterspielen auch „Welfare-Officer“ vor Ort sein, die als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, wenn Sportler unter den Angriffen leiden. DOSB-Mitarbeiter helfen auch, wenn spontan Attacken kommen, auf die reagiert werden muss, und aktivieren auf Wunsch noch die KI-Lösung.

Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, SPORT BILD, BILD) erstellt und zuerst in SPORT BILD veröffentlicht.

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