Lea Wagner moderiert seit 2023 die „Sportschau“ der ARD und seit 2021 die Skisprung-Übertragungen im Ersten. Ihr Vater ist RB Leipzigs Nachwuchskoordinator David Wagner, der wiederum Trauzeuge von Red Bulls „Head of Global Soccer“ Jürgen Klopp ist. Die 30 Jahre alte Wagner ist Teil des ARD-Teams, das die Fußball-WM der Frauen (2. bis 27. Juli) in der Schweiz im TV begleitet. Der Sender überträgt am Freitag (4. Juli), um 21:00 Uhr live die Begegnung Deutschland gegen Polen aus St. Gallen sowie am nächsten Dienstag (8. Juli) 2025, um 18:00 Uhr das zweite Gruppenspiel Deutschland gegen Dänemark live aus Basel. Auch der Eröffnungs-Spieltag mit Island gegen Finnland (18.00 Uhr, auch im Sport-Ticker der WELT) und dem Spiel des Gastgebers Schweiz gegen Norwegen (21.00 Uhr) an diesem Mittwoch ist live in der ARD zu sehen.

Frage: Frau Wagner, an diesem Mittwoch beginnt die Frauenfußball-EM. Sie werden im DFB-Quartier in Zürich sein. Sie kennen auch die Männerquartiere bei Turnieren. Frauen oder Männer, wer ist lockerer und offener?

Lea Wagner: Der Unterschied ist: Die Frauen haben etwas mehr Zeit. Ihr Terminplan ist nicht ganz so eng getaktet wie bei den Männern, weil weniger Medienvertreter vor Ort sind. Bei den Männern soll das Interview nach 3:30 Minuten vorbei sein, und bei 3:20 wird schon streng geguckt, weil der Spieler zum nächsten Termin gebracht werden muss. Das ist bei den Frauen entspannter. Außerdem kann man mit den Spielerinnen auch mal abseits der vereinbarten Interview­termine ein bisschen quatschen und Hintergrundgespräche führen.

Frage: Wie sehr werden Sie Alexandra Popp als Interviewpartnerin vermissen?

Wagner: Ich werde sie sehr vermissen. Aber das ist kein Alleinstellungsmerkmal von Alexandra. Die deutschen Frauen, egal, mit wem ich bei der WM in Australien gesprochen habe, sind alle sehr eloquent. Dort findet man so interessante Viten. Viele studieren nebenbei oder haben ihre Masterarbeit geschrieben. Oder sie promovieren. Sie haben alle etwas zu sagen.

Frage: Wie unterscheidet sich denn Frauen-Bundestrainer Christian Wück von Vorgängerin Martina Voss-Tecklenburg?

Wagner: Ich kenne Christian Wück persönlich noch nicht. Ein fachlicher Unterschied ist: Martina hat vor der WM in Australien ihren finalen Kader erst extrem spät benannt. Aus Mannschaftskreisen war zu hören, dass das auch ein Faktor für das frühe Ausscheiden gewesen sein soll. Es war wohl schwierig, sich als Mannschaft zu finden und ein Teamgefüge entstehen zu lassen, wenn du die Mitspielerin bis kurz vor Turnierstart als Konkurrentin empfindest. Bei den Vorbereitungsspielen passt du dann vielleicht lieber nicht, sondern wagst den Alleingang, um auf dich aufmerksam zu machen. Das ist natürlich schwierig für das Wir-Gefühl. Christian Wück macht es anders. Er hat von Anfang an seinen finalen Kader dabei.

Frage: Was tun Sie gegen Lagerkoller?

Wagner: Ich kenne keinen Lagerkoller. Dafür bin ich nicht der Typ. Ich liebe es, mich in die Arbeit hi­neinzuknien, ohne private Ablenkungen. Umgekehrt genieße ich es, wenn ich zu Hause bin, nichts mit der Arbeit zu tun und die Zeit ganz für mich zu haben.

Frage: Haben Sie bei den Männern einen Lieblings-Interviewpartner?

Wagner: Das wird jetzt nicht überraschen, aber: Jürgen Klopp. Egal, wo und in welchem Rahmen man mit ihm spricht, es kommt immer was, von dem du denkst, das könnte ich mir jetzt ausdrucken, einrahmen und an die Wand hängen. Auch von Thomas Müller war ich begeistert. Er ist so schlagfertig, eloquent, authentisch.

Frage: Was war bislang Ihr absolutes Highlight als Moderatorin?

Wagner: Stimmungsmäßig war das der Auftaktsieg von Andreas Wellinger bei der Vierschanzen-Tournee 2023 in Oberstdorf. Die Energie im Stadion war unfassbar. Das toppte in meiner Wahrnehmung auch alle Fußballspiele, bei denen ich im Stadion war.

Frage: Welchen Traum als Moderatorin wollen Sie sich noch erfüllen?

Wagner: Ich freue mich extrem auf die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina (6. bis zum 22. Februar 2026, die Redaktion). Bei Winterspielen war ich noch nicht. 2022 wäre ich dabei gewesen, aber zwei Tage vor meinem geplanten Abflug nach Peking hatte ich einen positiven Corona-Test. Ich durfte nicht mit und auch nicht nachfliegen, das hat mich damals sehr getroffen.

Frage: Sie haben Ihren Vertrag bei der ARD bis 2029 verlängert. Mit Ausstiegsklausel?

Wagner: Nein, ohne Ausstiegsklausel! Die war nicht nötig. Es gibt keinen Job der Welt, für den ich die „Sportschau“ verlassen würde.

Frage: Sind Sie gar nicht neidisch auf die vermutlich höheren Gehälter bei RTL?

Wagner: Wer sagt denn, dass das so ist? Aber unabhängig davon habe ich niemals an einen Senderwechsel gedacht.

Frage: Alexander Schlüter wird neuer „Sportschau“-Moderator, er kommt von Amazon Prime Video. Hat Sie das überrascht?

Wagner: Nein. Ich finde, er macht einen richtig guten Job und hat sich das absolut verdient. Ich schätze ihn sehr und freue mich auf ihn. Noch kennen wir uns nicht persönlich. Aber ich finde es auch total schade, dass Alex Bommes kürzertritt, weil ich ihn als extrem sympathischen und hilfsbereiten Kollegen empfinde. Unabhängig davon ist er für mich einer der besten Sportmoderatoren, die es gibt.

Frage: Sie haben auch eine Zeit lang die Quizsendung „Frag mich was Leichteres“ moderiert. Haben Sie neue Pläne abseits des Sports?

Wagner: Momentan nicht. Aber mein Traum ist, dass ich weitere Moderationen im Unterhaltungsbereich mache. „Frag mich was Leichteres“ war die erste Quiz-Show, die ich moderieren durfte. Das hat mir extrem gut gefallen. Wir haben häufig drei Shows am Tag aufgenommen, und das über zwei, drei Wochen. So konnte ich mich da richtig reinfuchsen – ähnlich wie bei großen Turnieren im Fußball. Mir liegt dieses projektbasierte, intensive Arbeiten.

Frage: Haben Sie einen Lieblingsverein?

Wagner: Nein. Aber ich drücke den ehemaligen Vereinen meines Vaters die Daumen, weil ich zu ihnen eine emotionale Bindung hatte und Vereinsmitarbeiter persönlich kenne. So schaue ich noch regelmäßig nach den Spielergebnissen von Huddersfield oder würde mich sehr für Schalke freuen, wenn es so schnell wie möglich mit dem Wiederaufstieg klappt.

Frage: Wie viel Sport machen Sie selbst?

Wagner: Ich habe auf jeder Reise meine Laufschuhe dabei und gehe täglich joggen. Meistens stehe ich früh auf und gehe als Erstes eine Runde laufen. Dann kriege ich auch ein Gefühl für den Ort, an dem ich mich gerade befinde. Ansonsten mache ich viel Intervall- und Zirkeltraining, Pilates und Yoga. Ich brauche täglich meine Bewegung, um den Kopf freizubekommen.

Frage: In welcher Sportart hätten Sie am ehesten Karriere machen können?

Wagner: Geld hätte ich definitiv in keiner Sportart verdient. Aber ich habe Volleyball im Verein gespielt, für die TSG Lützelsachsen in Weinheim. Allerdings war ich nie der Wettkampftyp. Im Training war ich richtig gut, aber im Spiel hatte ich dann immer Bammel vor dem nächsten Aufschlagfehler. Ich wollte mein Team nicht mit hineinreißen, das hat mich gehemmt.

Das Interview wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Sport Bild“ veröffentlicht.

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