Die neue Deutschland-Chefin des Tabakkonzerns Philip Morris, Özlem Dikmen, hofft nach eigenen Worten langfristig auf ein Ende von Zigaretten. „Wir müssen den Menschen das Rauchen abgewöhnen“, sagte die Managerin dem Nachrichtenmagazin „Focus“ laut Meldung vom Samstag. „Rauchen ist schädlich“, warnte die Konzernchefin. Sie arbeite dafür, den Tag zu erleben, an dem die letzte Marlboro-Zigarette angezündet wird, sagte Dikmen mit Blick auf die von ihrem Konzern hergestellte Marke.

„Ich hoffe sehr, dass es diesen Tag geben wird, auch wenn die Zahlen das leider nicht zeigen“, sagte die Philip-Morris-Chefin. Sie hoffe trotzdem, „dass es schneller kommen wird, als wir heute glauben“. Sie selbst habe früher geraucht – „aber nur als Sozialraucherin, beim Ausgehen, wenn es gesellig wurde und Alkohol getrunken wurde“. Der Umstieg auf weniger schädliche Tabakerhitzer sei ihr schwergefallen, „weil ich lange Zeit den Geruch von echtem Tabak bevorzugt habe“.

Die Philip-Morris-Chefin kritisierte zugleich die geplante Erhöhung der Tabaksteuer in Deutschland. „Wir stellen uns nicht grundsätzlich gegen höhere Steuern – aber sie sollten planbar, schrittweise und verhältnismäßig erfolgen“, sagte Dikmen. „Die Erfahrung lehrt: Steigen die Preise für Zigaretten zu steil, blüht der Schwarzmarkt.“ Frankreich zeige, wohin dies führen könne. Etwa jede zweite dort konsumierte Zigarette sei illegal.

Auch in Deutschland stammten laut Dikmen 17 Prozent des Zigarettenvolumens aus dem Ausland. Bei erhitztem Tabak seien es 34 Prozent, in Teilen Ostdeutschlands würden sogar bis zu 90 Prozent der Sticks für erhitzten Tabak „in Polen eingekauft, weil sie dort aufgrund der niedrigen Steuer günstiger sind.“

Bei einer Großrazzia in Berlin wurden zahlreiche Shisha-Bars und Vape-Shops kontrolliert. Hunderte unversteuerte E-Zigaretten und illegaler Tabak wurden sichergestellt. „Mich hat überrascht, wie gut diese ganzen einzelnen Fahnder zusammengearbeitet haben“, berichtet WELT-Politikredakteur Nikolaus Doll.

Außerdem kritisierte Dikmen den deutschen Umgang mit Nikotinbeuteln. Zwar warne die Regierung vor der schädlichen Ware und der Verkauf sei „de facto verboten“, trotzdem wisse jeder Teenager, wie und wo sie zu kaufen seien. Sie habe selbst in Berliner Spätis recherchiert. „Der Markt existiert sichtbar. Unter dem Ladentisch bekommt man diese Produkte“, sagte Dikmen.

Dabei könne man als Käufer nicht wissen, woher die Produkte kommen, und wie gesundheitsgefährdend sie seien. „Wir können davor nicht die Augen verschließen. Für mich als jemand, der Deutschland als Land mit klaren Gesetzen, klarer Regulierung und methodisch-analytisch ausgebildeten Menschen kennt, ist dieses Bild höchst verstörend, das passt nicht zu dem Anspruch Deutschlands an Regulierung und Kontrolle.“

Dikmen kündigte an, das Gespräch mit dem Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Hendrik Streeck, suchen zu wollen. Streeck hatte sich jüngst beschwert, dass er von der Tabaklobby regelrecht verfolgt werde. „Gerade bei kontroversen Themen halte ich den Dialog für wichtig“, sagte Dikmen. „Deshalb würde ich mich auch über ein persönliches Gespräch mit Herrn Streeck freuen.“

Der Tabakkonzern Philip Morris International verfolgt seit Jahren das Ziel, sein Geschäft schrittweise von klassischen Zigaretten auf sogenannte rauchfreie Nikotinprodukte wie den Tabakerhitzer IQOS oder die Nikotinbeutel-Marke ZYN zu verlagern. Die Gewinne aus dem traditionellen Tabakgeschäft finanzieren dabei den Ausbau dieser neuen Produktkategorien, die nach dem Willen des Unternehmens künftig den Kern des Geschäfts bilden sollen.

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