Die Geburt eines Kindes verändert das Leben der Eltern fundamental. Plötzlich ist alles anders. Und doch versuchen Mütter und Väter an bestimmten Gewohnheiten festzuhalten – wie etwa dem Joggen. Eine bequeme Möglichkeit ist es, das Baby im Kinderwagen einfach mitzunehmen.
US-Forscher der Pennsylvania State University in Reading haben jetzt untersucht, ob das Laufen mit Kinderwagen die Häufigkeit von laufbedingten Verletzungen und die gelaufene Distanz beeinflusst.
Das Team um die Biomechanikerin Allison Altman-Single befragte insgesamt 250 Mütter und Väter, von denen fast 200 regelmäßig mit Kinderwagen joggten; 90 Prozent dieser Kinderwagen-Jogger waren Frauen. In der Kontrollgruppe ohne Kinderwagen waren es nur 73 Prozent. Die Forscher kamen in ihrer Analyse zu einem überraschenden Ergebnis, wie sie im Fachmagazin „PLOS One“ berichten.
Während in der Kontrollgruppe 30 Prozent der Läufer von Überlastungsverletzungen berichteten, waren es in der Gruppe der Kinderwagen-Jogger nur 19 Prozent. Umgerechnet auf die Laufleistung verzeichneten die Kinderwagen-Läufer 0,19 Verletzungen pro 1000 Meilen (ca. 1609 km), während dieser Wert in der Vergleichsgruppe mit 0,42 mehr als doppelt so hoch lag.
Die Wissenschaftler führen diesen Zusammenhang auf biomechanische Faktoren zurück. Durch den Druck auf den Haltegriff des Wagens werde ein Teil der Aufprallkräfte beim Laufen auf die Räder übertragen, was die Beine entlaste. Zudem fördere das Schieben eine gleichmäßigere Schrittfrequenz und eine bessere Regulierung des Tempos, was die Gelenke zusätzlich schone.
Trotz des insgesamt geringeren Risikos war die Art der Verletzungen in beiden Gruppen ähnlich. Am häufigsten berichteten die Teilnehmer über eine sogenannte Plantarfasziitis, also eine Entzündung der Sehnenplatte unter der Fußsohle. Die Forscher vermuten hierbei einen Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen nach der Schwangerschaft, die das Bindegewebe elastischer und damit anfälliger machen könnten.
Vorsicht bei Neugeborenen
Die Autoren unterstreichen zudem wichtige Sicherheitsaspekte: In den ersten sechs Lebensmonaten des Kindes joggten die meisten Teilnehmer eher ohne Kind und Wagen. Experten raten hier denn auch unbedingt zur Vorsicht, da Säuglinge in diesem Alter ihren Kopf oft noch nicht selbstständig stabilisieren können. Die intensivste Phase des Kinderwagen-Joggens lag im Zeitraum, in dem die Kinder zwischen zwölf und 36 Monate alt waren.
Die Autoren der Studie räumen ein, dass es sich um eine Befragung handelt, die überwiegend von Frauen beantwortet wurde. Zudem lag die Elternschaft teilweise schon etliche Jahre zurück. Voraussetzung für die Teilnahme war, dass die Läufer während der vergangenen 20 Jahre ein Kind im Alter von bis zu drei Jahren gehabt und in den letzten 2,5 Jahren dieses Zeitraums gejoggt hatten. Sie gaben zudem an, wie viel sie gelaufen waren und welche Verletzungen sie erlitten hatten.
Trotz dieser Einschränkungen biete die Untersuchung wertvolle Erkenntnisse, schreiben die Forscher. Laufen mit Kinderwagen sei eine allgemein sichere und leicht zugängliche Form körperlicher Betätigung für Eltern und eine Möglichkeit für junge Eltern, trotz familiärer Verpflichtungen körperlich aktiv zu bleiben.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke