In den USA breitet sich ein Erreger rasant aus – vermutlich übertragen durch kontaminierte Lebensmittel. Der Parasit befällt den Magen-Darm-Trakt und sorgt für Diarrhö, die wochenlang anhalten kann. Was die Lage erschwert: Es gibt kaum aktuelle Daten – auch, weil die Trump-Administration die Überwachung bestimmter Erreger zurückgefahren hat.
Cyclospora cayetanensis ist für das bloße Auge nicht sichtbar – aber spätestens im Körper spürbar. Denn der winzig kleine Erreger sorgt für die Erkrankung Cyclosporiasis: Sie verursacht „explosionsartig“ auftretenden, wässrigen Durchfall, der meist mit Krämpfen, Gewichtsverlust und Schwächegefühl einhergeht. Wer Glück hat, ist die Parasiten nach einigen Tagen von allein wieder los – viele Betroffene haben jedoch wochenlang mit ihnen zu kämpfen. Da der Körper entwässert und geschwächt wird, landet manch einer sogar im Krankenhaus – spätestens dann helfen nur noch Antibiotikum und viel Flüssigkeit.
In den USA kommt es seit Anfang Mai vermehrt zu Fällen von Cyclosporiasis – nachgewiesen wurde der Parasit in 34 Bundesstaaten. Im Mittelpunkt des jüngsten Ausbruchs steht der Bundesstaat Michigan im Mittleren Westen, wo allein bis Mittwoch vergangener Woche mehr als 3300 Fälle bestätigt worden sind. Von den Erkrankten kamen laut lokalem Gesundheitsdepartment 44 in eine Klinik. Zum Vergleich: In Michigan werden in der Regel etwa 50 Cyclosporiasis-Fälle pro Jahr registriert.
„Wir verzeichnen in diesem Sommer eine ungewöhnlich hohe Zahl an Fällen von Cyclosporiasis“, fasste Gwen Biggerstaff die Lage am Dienstag bei einem Pressebriefing zusammen. Biggerstaff ist stellvertretender Leiter der zuständigen Lebensmittelabteilung bei der wichtigsten US-Gesundheitsbehörde, dem Center for Disease Control and Prevention (CDC). In seiner Behörde gehe man davon aus, dass „die tatsächliche Zahl der Infektionen mit ziemlicher Sicherheit höher ist“, so Biggerstaff.
Zu wenig Daten vorhanden – durch Sparmaßnahmen
Doch genau zu wissen scheint die CDC das offenbar nicht: Im Juli vergangenen Jahres fuhr die Behörde gemeinsam mit einigen Ministerien die aktive Überwachung des Erregers auf Bundesebene zurück – als Teil der von US-Präsident Donald Trump angeordneten Sparmaßnahmen im öffentlichen Gesundheitssektor. Zuvor half das aus Bundesmitteln finanzierte Programm namens „FoodNet“ den Aufsichtsbehörden dabei, acht durch Lebensmittel oder Wasser übertragene Krankheitserreger zu überwachen – darunter solche wie Campylobacter oder Listerien. Inzwischen beobachtet „FoodNet“ auf Bundesebene nur noch Salmonellen und eine bestimmte Form von E.-Coli-Bakterien – Daten zu den anderen Erregern können, aber müssen nicht mehr gemeldet werden.
Das hat gravierende Folgen: Zwar ist Cyclosporiasis in den einzelnen Bundesstaaten meldepflichtig, aber die Daten wurden zuletzt nicht mehr flächendeckend für die gesamten USA erfasst. So wies die CDC am Dienstag für die Bundesebene 1645 Fälle aus – eine deutlich geringere Anzahl an Erkrankungen, als sie einzelne Bundesstaaten vermeldeten. Hinzukommt, dass die Daten, die derzeit noch an die CDC gemeldet werden, meist mit einer mehrwöchigen Verzögerung eintreffen – viel zu spät, um einen etwaigen Ausbruch einzudämmen. Die demokratische Senatorin Amy Klobuchar aus Minnesota forderte daher, die Überwachung wieder besser zu finanzieren. Sparmaßnahmen „beeinträchtigen die Fähigkeit unseres Landes, lebensmittelbedingte Erkrankungen zu verhindern, einzudämmen sowie die öffentliche Gesundheit zu schützen.“
Suche nach dem Ursprung gestaltet sich schwierig
Was die CDC zu dem jüngsten Ausbruch aber weiß, ist, dass alle Altersgruppen betroffen sind: Der jüngste Patient ist gerade mal zwei Jahre alt, der älteste 95. Die Ermittlungen zum genauen Ursprung – samt Übertragungskette des Erregers – „dauern noch an“, teilt die Gesundheitsbehörde auf ihrer Website mit. Unklar ist etwa, ob alle bekannten Fälle auf ein und dieselbe Quelle zurückzuführen sind – und wieso die Fälle gerade jetzt verstärkt auftreten. „Cyclospora cayetanensis wird in der Regel übertragen, wenn infizierter Kot Lebensmittel oder Wasser verunreinigt“, gibt die oberste Lebensmittelbehörde der USA, die Food and Drug Administration (FDA), an. Bisher rechnet die FDA nicht mit einer Übertragung von Mensch zu Mensch.
Laut US-Behörden stünden vor allem rohe, frische Lebensmittel als Überträger in Verdacht – darunter Erbsen, Koriander, Basilikum, Salate und einige Früchte. Besonders anfällig seien Himbeeren, da der Erreger gut an der unebenen Oberfläche hafte. Am besten helfe es, diese Lebensmittel gut zu waschen und/oder abzukochen – oder zu meiden, raten die Behörden. Die Fast-Food-Kette Taco Bell nahm laut US-Medien mehrere frische Zutaten aus einigen Filialen, darunter geschnittenen Salat, Koriander, Frühlingszwiebeln und das beliebte Pico de Gallo.
Wer kann, nimmt es mit Humor
In den sozialen Medien wird der „explosionsartige Durchfall“ in den USA mitunter humorvoll diskutiert – und sogar als neue Abnehmhilfe angepriesen. Man müsse lediglich zwei Packungen Himbeeren verspeisen, dann würden die Pfunde von allein purzeln, ist sich TikToker und Instagramer Nick Pringle sicher. Die Bloggerin Vikki B. sah es genau andersherum: Da vor allem frische Lebensmittel betroffen scheinen, sei alles halb so wild – immerhin könnte man noch Donuts essen.
Abnehm-Coach Gina Wynn fragt ihre Follower: „Wisst Ihr, was bei mir noch nie parasitären Durchfall ausgelöst hat?“ – und goss sich als Antwort darauf genussvoll ein Glas Weißwein ein.
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