Globale Herausforderungen wie der Klimawandel erfordern die Suche nach Lösungen über nationale Grenzen hinweg – nicht nur zwischen Regierungen, sondern auch unmittelbar zwischen betroffenen Menschen.
Psychologen der Universität zu Köln wollten herausfinden, was die Zusammenarbeit zwischen Menschen fördert beziehungsweise ihr im Weg steht. Ihr Fokus lag dabei auf der sogenannten Prosozialität, also der Neigung, das Wohl anderer zu fördern und mit Menschen aus verschiedenen Ländern zu teilen.
„Es ist zwar bekannt, dass Menschen ihre eigenen Landsleute bevorzugen, aber diese Studie zeigt, dass sie auch gegenüber Menschen aus anderen Ländern eine beträchtliche Prosozialität an den Tag legen“, erklärt Vanessa Clemens vom Social Cognition Center Cologne, die Erstautorin der Studie. Allerdings zeigten die Ergebnisse auch, dass nicht alle „Fremden“ gleich behandelt werden. Die Prosozialität nimmt mit kultureller Ähnlichkeit zu.
Die Forscher hatten ein soziales Experiment durchgeführt und dafür 6182 Teilnehmer aus 25 Ländern eingeladen. Jede Person erhielt 150 „Taler“ und hatte dann verschiedene Möglichkeiten, diese Taler mit einer Person aus einem bestimmten Land zu teilen. Über die Ergebnisse berichten die Forscher im Fachmagazin „PNAS Nexus“. Demnach teilten fast 90 Prozent der Teilnehmer mehr mit Personen aus ihrem eigenen Land als mit Personen aus anderen Ländern.
Die Teilnehmer aus wohlhabenderen Ländern teilten mehr mit Menschen aus weniger wohlhabenden Ländern. Am großzügigsten teilten die Teilnehmer mit Personen aus Ghana und Kenia. Die geringste Bereitschaft zu teilen bestand gegenüber Personen aus den USA oder China. Und: Die Teilnehmer teilten weniger mit Personen aus Ländern, mit denen ihr eigenes Land in einem Konflikt liegt oder in der Vergangenheit lag.
Spannungen auf staatlicher Ebene, so das Fazit der Forscher, können sich somit auf individueller Ebene widerspiegeln. Globale Herausforderungen seien nicht nur institutionelle oder strategische Probleme, sondern auch „psychologische Koordinierungsprobleme“. Sind die Beziehungen zwischen zwei Ländern dagegen kooperativ, ist auch die Bereitschaft zu teilen größer.
Wenn Menschen weniger bereit sind, sich gerade gegenüber Personen aus rivalisierenden Ländern prosozial zu verhalten, so schlussfolgern die Forscher, kann das den politischen Handlungsspielraum einschränken, die öffentliche Unterstützung für kooperative Maßnahmen verringern und die Wirksamkeit internationaler Abkommen schmälern.
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