Dass es sinnvoll ist, den Müll zu trennen, dürfte inzwischen wohl fast schon zum Allgemeinwissen gehören. Und doch landen Plastikverpackungen, Bioabfall und Restmüll oft genug zusammen in einer Tonne. Hartnäckig hält sich das Gerücht, am Ende werde ohnehin alles zusammengeschüttet. Warum sich also die Mühe machen?

Zwei Forscherinnen der Universität Hohenheim wollten daher herausfinden, wie sich die Menschen zu mehr Sorgfalt bei der Mülltrennung bewegen lassen. Für ihre Studie begleiteten sie 102 Haushalte in Stuttgart jeweils zwei Wochen lang. In der ersten Woche untersuchten sie die Mülltonnen und zählten insgesamt 3791 Sortierfehler.

Die Hälfte der Haushalte erhielt anschließend einen Flyer, in dem erklärt wurde, warum Mülltrennung wichtig ist: weil aus Bioabfall wertvoller Kompost entsteht, weil das Recycling von Plastik Energie spart und CO₂-Emissionen reduziert.

Im Fachmagazin „Journal of Environmental Management“ schreiben die Forscherinnen, bewusst auf belehrende Anleitungen verzichtet zu haben. Sie hätten motivieren wollen. Tatsächlich reduzierten die informierten Haushalte ihre Fehlerquote beim Sortieren in der zweiten Beobachtungswoche um 70 Prozent.  

Ersatz für Erdöl und Dünger

Nun lässt die Studie durchaus Fragen offen, etwa wie lange die erhöhte Sortierqualität anhält. Die Ergebnisse zeigen aber, dass die Bereitschaft zur Mülltrennung vorhanden und durchaus ausbaufähig ist. Gerade mit Blick auf die angespannte Versorgungslage bei Erdöl und Dünger kommt es nun darauf an, den getrennt eingesammelten Müll auch wirklich als Rohstoff zu nutzen.

Am Sortierwillen der Verbraucher liegt es jedenfalls nicht, wenn etwa die Recyclingquote von Plastikverpackungen bei rund 70 Prozent verharrt, was immerhin über der EU-Vorgabe von 63 Prozent liegt. Doch dieser Wert wird nur erreicht, weil die thermische Verwertung – sprich Verbrennung – von Plastik zur Wärmeerzeugung von der Politik als Recycling definiert wurde.

Nur ein geringer Anteil des eingesammelten Plastikmülls wird tatsächlich wiederverwertet und zu neuen Produkten verarbeitet. Das liegt vor allem auch daran, dass es viele verschiedene Kunststoffarten gibt, die sich in den Sortieranlagen kaum auseinanderhalten lassen, aber auch nicht als Mix recycelt werden können.

Die sorgfältige Mülltrennung ist der erste Schritt zum Recycling. Solange sich aber die Hersteller von Plastikverpackungen nicht auf die Verwendung einiger weniger Kunststoffarten verständigen, die sortenrein zu trennen und wiederzuverwerten sind, kann die Motivation beim Sammeln und Sortieren schnell nachlassen. Dann bleibt das schale Gefühl, dass sich die Mühe eben doch nicht lohnt.

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