Nvidia-Chef Jensen Huang hat kurz vor dem Investitionsgipfel der Bundesregierung den technologischen Rückstand Deutschlands beklagt.

„Nichts schmerzt mich mehr, als zu sehen, dass eines der technologisch fortschrittlichsten Länder so weit abgehängt wird“, sagte der 63-Jährige am Mittwochabend vor Journalisten in London, wie der US-Sender CNBC berichtet. Gemeint war Deutschland.

Als möglichen Grund nannte Huang die europäische Herangehensweise. „Vielleicht liegt es an der europäischen Art, alles zu sehr zu zerdenken“, sagte er. „Deutschland hat so viel, so viel Talent – macht euch einfach an die Arbeit.“ Ein Video der Äußerungen verbreitet sich am Wochenende in den sozialen Netzwerken.

An diesem Montagabend tritt Huang als Stargast beim Auftakt des Gipfels „Invest in Germany“ in Berlin auf. Nach Informationen des „Handelsblatts“ wollen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der Chef des wertvollsten börsennotierten Unternehmens der Welt dort eine KI-Partnerschaft vorstellen. Der Bund soll demnach einen dreistelligen Millionenbetrag investieren, Nvidia soll Ingenieure und Chips beisteuern. Etwa ein Dutzend deutscher Firmen, darunter Siemens und Audi, sollen sich beteiligen.

Am Freitagabend hatte Huang in Berlin die Bedeutung des Standorts betont. Nvidia brachte dort am Alexanderplatz neue KI-Laptops auf den Markt. „Deutschland ist unser größter europäischer Standort“, sagte Huang laut „Tagesspiegel“. Für die digitale Souveränität sei entscheidend, die eigenen Dienste stets selbst betreiben zu können. Nvidia verkaufe Chips, keine Anwendungen für Endkunden. Diese sollten in Deutschland bereitgestellt werden.

Mit dem Gipfel will die Bundesregierung mehr privates Kapital mobilisieren. Aus Regierungskreisen hieß es, mit öffentlichem Geld allein lasse sich das Land nicht modernisieren. Einer Studie von Allianz Research zufolge gingen die Investitionen in Deutschland zwischen 2019 und 2025 um 6,4 Prozent zurück. Im übrigen Euroraum stiegen sie im selben Zeitraum um 6,7 Prozent, in den USA um 20,2 Prozent. Als Gründe nennt die Studie hohe Energiekosten, die Belastung durch Steuern und Abgaben sowie Bürokratie.

Am Dienstag folgt der eigentliche Konferenztag an der Wirtschaftshochschule ESMT am Schloßplatz. Dort treffen Merz, Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) und das halbe Kabinett auf rund 200 Vorstandschefs. Huang bleibt danach in der Stadt: Vom 20. bis 22. Oktober richtet Nvidia im Tempodrom die KI-Konferenz GTC Berlin aus. Am Mittwoch hält der Konzernchef dort die Hauptrede.

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