Alles hinter sich lassen für ein Leben im Ausland: Franziska Schmidt (38) hat sich den Traum vieler Auswanderer erfüllt und tauschte ihr Zuhause in Deutschland gegen ein Haus am Meer auf Sansibar. Heute lebt die alleinerziehende Mutter wieder in Berlin und hat ihr Leben auf der Insel im Indischen Ozean aus verschiedenen Gründen aufgegeben. WELT hat mit ihr über ihre Erfahrungen im Ausland sowie über ihre Rückkehr nach Deutschland gesprochen.
Den Anstoß für ihr neues Leben gab eine Reise im Jahr 2022. Schmidt erzählt, sie sei damals völlig erschöpft gewesen. „Einerseits vom Alltag als alleinerziehende Mutter, andererseits vom Job, der inkompatibel mit meinem Leben war“, schilderte die 38‑Jährige. Auch privat lief es damals nicht gut. Damals flog sie erstmals gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Sohn nach Sansibar, einer Insel vor der Ostküste Afrikas. Sansibar gehört zu Tansania.
Auswandern nach Sansibar – wann der Wendepunkt kam
Angekommen auf Sansibar stellte Schmidt ihr bisheriges Leben infrage. „Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Ich habe mich gefragt: Warum verschwende ich mein Leben so? Ich hatte dann während des Urlaubs noch Interviews für neue Jobs, um aus meinem Leben in Berlin auszusteigen“, sagte Schmidt.
Dieser Gedanke ließ sie auch nach ihrer Rückkehr nicht mehr los. „Zurück in Deutschland habe ich mir ständig gesagt: Mein Leben geht doch auch anders. Es muss anders gehen“, betonte Schmidt.
Etwa zwei bis drei Wochen später buchte sie erneut einen Flug nach Sansibar. Dieses Mal reiste sie allein mit ihrem Sohn und schaute sich direkt Grundstücke an. Noch im selben Jahr pachtete sie eines davon und begann mit dem Hausbau. Der Traum vom Leben auf Sansibar nahm immer mehr Gestalt an.
Während ihrer Zeit auf Sansibar hatte Schmidt mehrere digitale Einkommensströme2024 wanderte Schmidt schließlich nach Sansibar aus. „Ich war voller Euphorie“, sagte sie. Zwischen 2022 und 2024 bereitete sie sich Schritt für Schritt auf ein langfristiges Leben auf der Insel vor. Alle drei Monate flog sie von Berlin an ihren Wunschort, organisierte den Hausbau, informierte sich über Schulen für ihren Sohn und knüpfte Kontakte vor Ort.
„Natürlich war mir bewusst, dass das Leben dort anders ist und ich mich auf einige Abstriche einstellen musste. Trotzdem war ich überzeugt, Sansibar gut genug zu kennen“, sagte Schmidt. „Und bei allen Entscheidungen war mir besonders wichtig, wie es meinem Kind dabei geht.“
Ihren Lebensunterhalt finanzierte Schmidt über mehrere Jobs: UGC (User Generated Content), Affiliate-Marketing, Trading und einen Remote-Job. Doch zur anfänglichen Euphorie gesellte sich nach und nach die Realität des Alltags.
„Trotz aller Vorbereitung habe ich unterschätzt, wie manche Dinge einen langsam aushöhlen können“, erklärte Schmidt. „Es waren nicht die gleichen Sachen wie in Deutschland, wie zum Beispiel Stromausfall. Man konnte mehrere Stunden weder arbeiten noch das Handy laden oder Licht anmachen. Wenn das Wasser nicht nachgefüllt wird, konnte man nicht duschen. Wenn ich Windeln kaufen wollte, kam es vor, dass der Supermarkt leer war, weil keine Lieferungen nachgekommen sind. Es ging darum, immer wieder eine Lösung für irgendein Problem zu finden.“
Das Traumleben auf Sansibar hatte einen Haken
Als ihre Tochter geboren wurde, habe sie viele Dinge anders bewertet. Besonders der Wunsch nach einer Community und mehr Sicherheit wurde stärker. „Plötzlich stand das Sicherheitsgefühl an erster Stelle. Zwar hatten wir dort Freunde gefunden, doch die Fluktuation auf der Insel ist hoch, viele Bekanntschaften bleiben nur vorübergehend. Und die ständigen Stromausfälle haben das Arbeiten wahnsinnig erschwert. Wenn du digital arbeitest, ist Strom das A und O“, sagte Schmidt.
Auch kulturell merkte sie, dass manche Werte nicht mit ihrem Leben als alleinerziehende Mutter zusammenpassten, gerade in Hinblick auf ihre Kinder. „Mein Sohn wird älter und hat Lust, verschiedene Sportarten auszuprobieren, in Museen zu gehen oder Technik auszuprobieren. In Sansibar hätte es nicht die kulturellen Angebote gegeben, die zu ihm gepasst hätten.“
Nach einer Weile gab Schmidt ihr Leben auf der Insel auf und zog wieder zurück nach Berlin. „Anfangs hatte ich Probleme, mich in die Struktur zurückzufinden“, schilderte sie. Es gebe aber auch Sachen, die sie zu schätzen wisse, zum Beispiel gefüllte Supermärkte. In Deutschland habe sie zudem noch ihre digitalen Einkommensströme und sei zum jetzigen Zeitpunkt auch Teilzeit in der alten Firma angestellt, wo sie vor ihrem Umzug nach Sansibar beschäftigt war. „Außerdem kann meine Mutter Zeit mit ihren Enkeln verbringen“, so Schmidt.
Der Abschied von Sansibar fällt ihr bis heute nicht ganz leicht. „Wenn es wieder kälter wird, ist die Sehnsucht nach Sansibar am größten. Außerdem sind Kinder dort ein wichtiger Teil der Gesellschaft: Wenn ich als Mutter in den Supermarkt ging, dann hat die Frau an der Kasse mir schnell mein Baby abgenommen, sodass ich meine Einkäufe erledigen konnte. Als alleinerziehende Mutter ist das einfach ein Gamechanger. Das fehlt in Deutschland komplett.“
Sie resümiert: „Sansibar wird immer ein zweites Zuhause bleiben. Aber als Lebensmittelpunkt ist es für mich nicht das Richtige.“ Das Haus auf Sansibar habe sie inzwischen verkauft.
Diese Ratschläge gibt sie Auswanderern
Franziska Schmidt berichtet auf ihrem Instagram-Kanal franzi_testet_auswandern regelmäßig über ihre Erfahrungen während und nach ihrer Sansibar-Zeit.
Für alle Auswanderer hat Schmidt insbesondere drei Ratschläge: „Erstens: Wenn ihr den Mut habt und keine lebensnotwendigen Umstände dagegen sprechen, solltet ihr es ausprobieren. Zweitens: Finanziell sollte man sich so weit aufstellen, dass man erst mal für die ersten 6 Monate abgesichert ist und genug Rücklagen hat. Und ihr solltet euch etwas nebenbei aufbauen, vielleicht einen Remote-Job. Drittens: Lebt erst mal für eine Weile an eurem Wunschort, bevor ihr direkt auswandert. Geht ein paar Monate hin und fühlt, ob die Kultur für euch etwas ist und ihr mit den Menschen zurechtkommt. Ich würde niemandem empfehlen, von heute auf morgen einfach auszuwandern.“
Dieser Artikel wurde für WELT und Business Insider erstellt. Bona Hyun ist Redakteurin für Business Insider Deutschland. Sie recherchiert unter anderem zur russischen Wirtschaft und Sanktionspolitik gegen Russland.
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