Kunden sind anspruchsvoll und wollen Anwendungen, die einfach sind. Auch beim Banking. Viele traditionelle Geldsysteme kommen da nicht mit, auf Banken rollt eine Modernisierungswelle zu. Arne Roetzmeier leitet bei Visa den Bereich Value Added Services für Zentraleuropa. Er erklärt im Interview, wie die Infrastruktur des internationalen Zahlungsverkehrs modernisiert werden kann – im laufenden Betrieb, ohne dass Finanzflüsse unterbrochen werden müssten.

Susanne Schöne, Moderatorin „Fünf Fragen an“: Herzlich willkommen zu „Fünf Fragen an“ und da dreht sich heute alles um digitale Zahlungen. Die laufen für die meisten von uns tatsächlich völlig unbemerkt im Hintergrund. Gleichzeitig verändern sie gerade fundamental, wie Unternehmen wachsen und wie Banken arbeiten und werden so auch zum Wettbewerbsvorteil. Was genau dahinter steckt, das bespreche ich jetzt mit Arne Roetzmeier. Er leitet den Bereich Value Added Services bei Visa Zentraleuropa. Schön, dass Sie da sind.

Arne Roetzmeier, Leitung Value Added Services, Visa Zentraleuropa: Vielen Dank für die Einladung.

Susanne Schöne: Herr Roetzmeier, wie Geld genau von A. nach B. kommt, das ist für die meisten von uns tatsächlich völlig unsichtbar. Nichtsdestotrotz verändert sich hier hinter den Kulissen gerade grundlegend sehr viel, auch im Hinblick auf unsere Wirtschaft. Was genau kommt denn da auf Banken und Unternehmen zu?

Arne Roetzmeier: Ja, zum einen gebe ich Ihnen erstmal recht: Zahlungen sind für viele Leute unsichtbar und für die meisten selbstverständlich. Was im Hintergrund in den Prozessen abgeht, ist dann tatsächlich viel komplexer und da arbeiten wir bei Visa zusammen mit unseren Partnern – was Banken, Händler und Unternehmen sind – hart daran, dass wir diese Komplexität rausnehmen und Zahlungsverkehr einfach und sicher gestalten.

Zum zweiten passiert extrem viel: Es gibt neue Innovationen, neue Anwendungsfälle, Zahlungen werden immer weiter in die Kundenerlebnisse eingebaut. Und das treibt natürlich den Wandel in der Industrie. Und wer hier nicht in diese Dynamik investiert, der wird kurzfristig die Kundenerwartung nicht erfüllen können und langfristig auch Vertrauen verlieren.

Susanne Schöne: Und für genau diese Transformation bietet Visa neue Services und Dienste an. Wie genau stellt sich Ihr Unternehmen auf und wie kann auch Visa diesen Wandel im Finanzsektor voranbringen?

Arne Roetzmeier: Die meisten kennen Visa von dem Logo auf ihrer Karte oder beim Händler. Visa verbindet letztendlich Banken, Unternehmen, Händler weltweit und sichert so den Zahlungsverkehr in einer einfachen und sehr selbstverständlichen Art und Weise.

Neben diesem Kerngeschäft arbeiten wir bei Visa an Zusatzleistungen und hier arbeiten wir mit unseren Partnern an Technologie, an Datenanwendung, an Infrastrukturlösungen und an Beratungsleistung, um somit den Wandel im Zahlungsverkehr aktiv mitzugestalten. Wir sehen, dass da extrem viel passiert, auch auf einer kontinuierlichen Basis. Wir gehen aber auch stark davon aus, dass wir vor einer nächsten Modernisierungswelle stehen, in die es zu investieren gilt.

Susanne Schöne: Was bedeutet das genau für Ihre Kunden in der Praxis? Also: Müssen die zum Beispiel den Geschäftsbetrieb anhalten, um ihre Finanzinfrastruktur zu modernisieren?

Arne Roetzmeier: Das ist eine gute Frage. Die bekommen wir sehr häufig von unseren Kunden, die mit dem Wunsch zu uns kommen, ihr Geschäft zu skalieren, zu erweitern und zu modernisieren. Die Antwort ist: Nein. Wir können modernisieren neben dem laufenden Geschäftsbetrieb und wir würden einzelne Teile aus der Infrastruktur herausnehmen, verbessern und somit schrittweise für eine nachhaltige Verbesserung sorgen. Was uns wichtig ist: Dass wir agile und flexible Lösungen an den Markt bringen, die letztendlich in der Lage sind, mit den zukünftigen Erwartungen mitzuwachsen und somit auch die Innovationen der Zukunft weiterzutreiben.

Susanne Schöne: Die Digitalisierung bringt den Geldverkehr also voran, macht ihn effizienter. Jetzt wissen wir aber auch aus anderen Bereichen, dass auch Kräfte mit krimineller Energie von diesem technologischen Fortschritt profitieren. Wie genau kontert Visa hier?

Arne Roetzmeier: Ja, wir hatten ja gesagt, dass Zahlungsverkehr komplexer und auch breiter wird. Es kommen neue Kanäle dazu und das erweitert natürlich auch die Angriffsfläche für Betrüger. Wer zu lasch ist, der öffnet die Türen für Betrüger. Wer aber zu vorsichtig ist, der verhindert auch legitime Transaktionen: Wir bei Visa arbeiten mit Technologie, künstlicher Intelligenz, Echtzeitdaten und Tokenisierung daran, dass Betrug verhindert wird, bevor er entsteht.

Susanne Schöne: Jetzt sind wir uns alle einig, Technik allein macht Unternehmen und Banken nicht zukunftsfähig. Auf der anderen Seite bleiben die Kundenerwartungen stetig hoch. Welche Entwicklungen sehen Sie hier in der Zukunft?

Arne Roetzmeier: Ich gehe auch davon aus, dass die Kundenerwartungen hoch bleiben. User Experience im Internet und auf dem Smartphone wird immer besser. Und das ist letztendlich auch die Vergleichsbasis für den Zahlungsverkehr. Zum anderen ist das Thema Vertrauen in bestehende Prozesse als auch in zukünftige Zahlungsverkehrsanwendungen extrem entscheidend.

Gerade aus Perspektive der Visa Zusatzservices gehen wir davon aus, dass die richtigen Systeme im Hintergrund skalierbar und modern sein müssen, damit die Innovation von morgen nicht nur begleitet, sondern auch mitgestaltet werden kann.

Susanne Schöne: Herr Roetzmeier, ich sage ganz herzlichen Dank für das spannende Gespräch.

Arne Roetzmeier: Vielen Dank.

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