Die nächste Generation von Fregatten für die Deutsche Marine soll auf der Basis eines Schiffes entwickelt werden, das bereits seit Jahrzehnten vermarktet wird. TKMS in Kiel, Deutschlands führendes Unternehmen der Marinerüstung, will dafür seine Fregattenplattform Meko nutzen. Meko-Fregatten in zahlreichen Varianten wurde in viele Länder exportiert, unter anderem nach Ägypten. Zudem dient die Meko in einer modernisierten Form auch zur Produktion der neuen deutschen Fregatten, die F128 genannt werden und die der U-Boot-Abwehr dienen sollen.

„Die A400 FC GmbH, das von TKMS geleitete Projektunternehmen, hat bedeutende Fortschritte bei der Entwicklung der Flugabwehrfregatte F127 erzielt. Dies gelang in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium der Verteidigung, der Deutschen Marine, dem Bundesamt für Beschaffung der Verteidigung (BAAINBw) und seinen Industriepartnern“, teilte TKMS am Dienstag mit. „Der Entwurf basiert auf der MEKO A400 und erfüllt die umfassenden strategischen Anforderungen des Kunden an die Langstrecken-Flugabwehr und die Raketenabwehr (BMD).“

Der Bund und TKMS ziehen damit auch bei der Entwicklung der F127 offenbar ihre Lehren aus dem gescheiterten Projekt der Fregatte F126. Dem niederländischen Marinewerftunternehmen Damen Naval war es seit dem Jahr 2020 nicht gelungen, die zur U-Boot-Jagd bestimmte F126 als komplette Neuentwicklung gemeinsam mit seinen deutschen Partnerwerften zeitgerecht zu entwickeln und zu fertigen.

Deutschlands größter Rüstungskonzern Rheinmetall versuchte auf Bitte des Bundesverteidigungsministeriums noch, die Produktion der F126 als Generalunternehmer fortzuführen. Ende Juni allerdings stellte das Ministerium das Projekt ein, in das bereits rund 2,5 Milliarden Euro geflossen waren. Die Herstellung von sechs F126 bei Rheinmetall hätte inklusive aller Dienstleistungen und Hafenausrüstungen drumherum weitere 15 Milliarden Euro gekostet.

Das Verteidigungsministerium ließ das BAAINBw stattdessen vier F128 bei TKMS bestellen. Weitere vier Schiffe sind optioniert. Acht dieser deutlich kleineren Fregatten würden insgesamt etwa zwölf Milliarden Euro kosten. Die erste F128 könnte bereits 2029 der Deutschen Marine zur Verfügung stehen.

Bei der auf die Luftabwehr spezialisierten F127 war die Fachwelt bislang von einer kompletten Neuentwicklung ausgegangen, die 178 Meter lang sein wird und mehr als 12.000 Verdrängung aufweist. Zum Vergleich: Das Basisdesign MEKO A400 von TKMS ist 160 Meter lang und hat etwa 10.000 Tonnen Verdrängung.

„In enger Zusammenarbeit mit dem BAAINBw, dem Verteidigungsministerium, der Marine und den weiteren beteiligten Behörden wurde die Konstruktion der F127 deutlich vorangetrieben. Auf Wunsch unseres Kunden haben wir eine Lösung entwickelt, die die hohen Anforderungen zuverlässig erfüllt und gleichzeitig die industrielle Machbarkeit sowie einen ambitionierten Zeitplan berücksichtigt“, sagte Oliver Burkhard, der Vorstandsvorsitzende von TKMS. „Gemeinsam mit unserem Partner Rheinmetall im Rahmen des A400 FC bündeln wir die notwendigen Kompetenzen für dieses technologisch anspruchsvolle Marineprojekt.

„Neunzig Prozent der Wertschöpfung“, sagte Burkhard, würden in Deutschland generiert. „Dazu gehören Schiffbau, Systemintegration, Sensoren, Antriebe, Elektronik und natürlich Arbeitsplätze. Bei einer zeitnahen Auftragsvergabe kann das erste Schiff Mitte der 2030er-Jahre ausgeliefert werden.“

Kürzlich hatte bereits der Konzernchef von Rheinmetall, Armin Papperger, deutlich gemacht, dass für die F127 ein deutlich modifiziertes, günstigeres Konzept vorgelegt werden muss als bislang geplant: „An uns ist herangetragen worden, dass man eine F127 sicherlich von der preislichen Seite her erheblich reduzieren muss, um hier in eine vernünftige Größenordnung zu kommen“, sagte er der WELT AM SONNTAG.

TKMS wiederum teilte am Dienstag mit: „Die Luftverteidigungsfregatte F127 wurde speziell für die Bedürfnisse des Auftraggebers entwickelt und erfüllt dessen besonders anspruchsvolles Leistungsprofil. Die vom Auftraggeber definierten militärischen und technologischen Anforderungen beziehen sich insbesondere auf die Fähigkeit, ballistische Raketen auch außerhalb der Erdatmosphäre abzufangen. Als seegestützte Plattform ist die F127 flexibel einsetzbar, überall dort, wo Luft- und Raketenabwehr benötigt wird – zum Schutz von Marineverbänden sowie als mobile Komponente der integrierten Luftverteidigung der Nato.“

Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als 30 Jahren über die maritime Wirtschaft – Schifffahrt, Häfen und Werften – und über die Marinerüstung.

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