Seit Jahresbeginn zahlt die Bundesregierung bis zu 6000 Euro Zuschuss zum Kauf eines privaten Elektroautos – und stößt dabei auf unerwartet große Resonanz. „Der E-Auto-Markt kommt stärker in Bewegung als erwartet“, sagte der Chef des Autohändlerverbands ZDK, Thomas Peckruhn, WELT AM SONNTAG. Die hohe Nachfrage hat Folgen für die Architektur der Prämie.

Die Bundesregierung hat drei Milliarden Euro aus dem Klimafonds für den Zuschuss reserviert – in der Hoffnung, dass das Geld bis Ende 2029 ausreicht. Steigt die Nachfrage weiter, dürfte das Geld aber nicht so lange vorhalten.

Denn der Bereich der privaten Zulassungen, in dem gefördert wird, legt besonders stark zu. Der ZDK erwartet auf Grundlage einer Umfrage unter seinen Mitgliedern mehr als 370.000 private E-Auto-Neuzulassungen, doppelt so viele wie im Vorjahr. Damit könnten sich die Auszahlungen für die E-Auto-Prämie schon im ersten Jahr auf fast eine Milliarde Euro summieren. Wird auch 2027 und 2028 so viel abgerufen, wäre für 2029 kein Geld übrig.

Der Verband hebt auch die Prognose für den gesamten E-Auto-Markt an. Die Händler rechnen inklusive der Firmenflotten mit rund 817.000 neuen vollelektrischen Pkw. Das sind 109.000 mehr, als sie zu Jahresbeginn kalkuliert hatten. Die Zahl liegt zudem 50 Prozent über dem Wert von 2025. Dennoch ist die ebenfalls ermittelte Stimmung der Händler eingetrübt, denn der Zuwachs geht auf Kosten der klassischen Verbrenner – führt also nicht zu Marktwachstum.

ZDK-Chef Peckruhn mahnt die Politik zu Verlässlichkeit. Die Prämie dürfe nicht Monate vor dem angepeilten Datum auslaufen, weil das Geld ausgehe. Abschreckendes Beispiel ist das abrupte Ende der Umweltprämie 2024, die nach einem Verfassungsgerichtsurteil übers Wochenende eingestellt wurde. Daraufhin brachen die Verkäufe ein. „Es darf kein Windhundrennen um die letzten Förderungen geben“, sagt Peckruhn. Wichtig sei frühzeitige Information – auch weil die Förderung erst nach einer Zulassung beantragt werden kann, die oft Monate nach dem Kauf erfolgt.

Bis Anfang August hatte die zuständige Behörde BAFA 26.875 Anträge bewilligt. Ausgezahlt wurden bis Ende August rund 200 Millionen Euro, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums. Die meisten der insgesamt über 100.000 Anträge sind jedoch noch nicht bearbeitet. Insgesamt sollen die drei Milliarden Euro für 800.000 Autos reichen. Das Ende der Prämie werde rechtzeitig vorher verkündet, sagte der Sprecher.

Die Bundesregierung will das Instrument aber noch überarbeiten. „Geprüft wird die Aufnahme sogenannter EU-Präferenzregelungen. Diese Vorgaben können zu einem späteren Zeitpunkt in das laufende Förderprogramm integriert werden“, heißt es beim Umweltministerium. In dem Fall würden beispielsweise aus China importierte Modelle nicht mehr mitfinanziert – das Geld könnte also länger reichen. Wie lange genau, ist unklar. „Prognosen sind zum jetzigen Zeitpunkt kaum möglich, insbesondere, weil die Koalition von Anfang an eine Evaluation der E-Förderung vorgesehen hat“, sagte eine Sprecherin des Industrieverbands VDA. Wichtig sei aber, Verunsicherung unter den Kunden zu vermeiden.

Peckruhn forderte daher, die Regierung müsse spätestens Ende 2027 Klarheit schaffen, wie es mit der Prämie weitergeht – und wann die Subvention nicht mehr nötig ist. Denn Autohändler Peckruhn beobachtet, dass die E-Autos schon jetzt neue Kundengruppen erreichen. „Die Abneigung gegen Elektroautos nimmt spürbar ab. Immer mehr Leute haben jemanden im Bekanntenkreis, der mit seinem Elektroauto zufrieden ist. Das hilft uns.“ Die neue Technik setze sich zunehmend aus eigener Kraft durch – zumal die Preisdifferenz zum Verbrenner mit neuen, kompakten Modellen sinkt.

Zu tun bleibt dennoch einiges. Als größtes Hindernis für mehr Elektromobilität sehen die Händler laut ZDK-Umfrage nicht die mangelnde Förderung, sondern die hohen Strompreise in Deutschland. Dahinter folgen Bedenken wegen der Ladeinfrastruktur.

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