Der Markt für mobile Gesundheitstechnik wächst seit Jahren, doch sein medizinischer Ertrag bleibt überschaubar. Zwei Drittel der Nutzer in Deutschland setzen Gesundheits-Apps und vernetzte Geräte für Lifestyle-Zwecke ein, nur ein Drittel verfolgt medizinische Ziele. Das ist das Ergebnis der repräsentativen Studie „Mobile Health Consumer Trends 2026“ der Beratungsgesellschaft Deloitte, die WELT exklusiv vorliegt.

Am häufigsten nennen die Befragten die Verbesserung des Lebensstils als Motiv (33 Prozent), gefolgt vom Gewichtsmanagement und der Selbstoptimierung mit je 25 Prozent. Chronische Erkrankungen überwachen 18 Prozent mit Smartphone oder Wearable, 13 Prozent nutzen die Technik auf ärztliche Empfehlung. Mit steigendem Alter verschiebt sich dieses Verhältnis in Richtung Krankheit und Therapie, ohne den Lifestyle-Vorsprung aufzuheben.

Den größten persönlichen Gewinn verbuchen die Befragten beim Bewegungstracking (23 Prozent) und beim Schlaf (zehn Prozent), dahinter folgt die Ernährung mit neun Prozent. Herzgesundheit kommt auf sieben Prozent, Arztkontakt und Telemedizin auf sechs Prozent. Bemerkenswert ist der größte Einzelwert dieser Frage: 30 Prozent der Befragten nehmen bislang überhaupt keinen spürbaren gesundheitlichen Nutzen wahr. Jedes dritte Gerät am Handgelenk erfüllt aus Sicht seines Trägers also keinen erkennbaren Zweck.

„Mobile-Health-Anwendungen werden derzeit vor allem von einer technologieaffinen Zielgruppe für einen gesunden Lebensstil genutzt“, sagt Andreas Gentner, Partner bei Deloitte und Leiter des Bereichs Telekommunikation, Medien und Technologie. Um mehr Menschen zu erreichen, müssten Anbieter den Fokus konsequent auf Benutzerfreundlichkeit legen. „Gerade ältere Menschen, die besonders von digitalen Gesundheitslösungen profitieren könnten, müssen stärker in den Mittelpunkt der Entwicklung gestellt werden.“

Die Zahlen dazu fallen deutlich aus. In der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen nutzen 80 Prozent eine Smartwatch oder erwägen die Anschaffung, bei den über 65-Jährigen sind es 44 Prozent. Über nahezu alle Geräteklassen hinweg sinken Nutzung und Kaufinteresse mit dem Alter. Eine Ausnahme bilden vernetzte Blutdruckmessgeräte, deren Attraktivität im höheren Alter weniger stark nachlässt. Ähnlich verläuft die Kurve bei den Apps, besonders steil bei Fitness-, Mental-Health- und Coaching-Anwendungen.

Auch der Weg über die Arztpraxis führt die Technik bisher nicht zu den älteren Patienten. Rund ein Drittel der 18- bis 24-Jährigen hat schon einmal eine vom Arzt empfohlene Gesundheits-App verwendet, bei den über 65-Jährigen sind es acht Prozent. Neun von zehn in dieser Altersgruppe verneinen die Frage. Damit trifft eine geringere Technikaffinität auf eine geringe Empfehlungsquote im Versorgungsalltag.

Unter der neueren Hardware weckt der Smart Ring das größte Kaufinteresse. 30 Prozent der Befragten wollen ein solches Gerät anschaffen, verbreitet ist es bislang bei etwa neun Prozent. Dahinter folgen vernetzte Blutdruckmessgeräte mit 27 Prozent, smarte Pflaster mit 25 Prozent, vernetzte Waagen mit 21 Prozent und Glukosesensoren mit 18 Prozent. Bei den 25- bis 34-Jährigen summieren sich Besitz und Kaufinteresse am Ring auf 58 Prozent. Als wichtigsten Kaufgrund nennen die Befragten medizinisch belastbare Gesundheitsdaten. Dazu kommen der unauffälligere Sitz gegenüber einer Smartwatch und der Tragekomfort.

Die Sorge, digitale Selbstdiagnosen könnten den Arztbesuch ersetzen, deckt die Befragung nicht. Bei wiederholt auffälligen Messwerten würde jeder Zweite zuerst einen Arzttermin vereinbaren. Zwölf Prozent recherchieren im Internet oder in Büchern, neun Prozent fragen einen KI-Chatbot, acht Prozent wenden sich an Familie und Freunde und fünf Prozent begeben sich in die Notfallversorgung.

Auch die Bereitschaft, Messwerte in die Behandlung einzuspeisen, ist hoch. Fast zwei Drittel würden ihrem Arzt Zugang zu den auf ihren Geräten gespeicherten Gesundheitsdaten geben, nur einer von zehn lehnt das ab. Mehr als 80 Prozent bewerten es positiv, wenn Ärzte nach vorheriger Einwilligung Daten aus Smartphone oder Wearable in die Behandlung einbeziehen.

„Fitness-Tracker und Co. führen zum Arzt, nicht an ihm vorbei“, sagt Ibo Teuber, Partner bei Deloitte und dort für den Gesundheitssektor zuständig. Durch die intelligente Verknüpfung mit der bestehenden Gesundheitsversorgung könnten Mobile-Health-Anwendungen einen echten medizinischen Mehrwert entwickeln. „Die große Bereitschaft, Gesundheitsdaten zu teilen, schafft dafür eine wichtige Grundlage.“

Auf die Frage nach den wichtigsten Eigenschaften von Gesundheits-Apps und -Geräten steht die einfache Bedienung mit fast 80 Prozent an erster Stelle. Hoher Datenschutz und hohe Datensicherheit folgen mit 75 Prozent, ein vertrauenswürdiger Anbieter mit 74 Prozent, die eigenständige Kontrolle über die Daten mit 73 Prozent. Der Wunsch nach Bedienkomfort nimmt mit dem Alter zu.

Bei den Bedenken steht der Missbrauch der eigenen Gesundheitsdaten mit 32 Prozent vorn, danach kommen unbefugter Zugriff und intransparente Weitergabe mit je 29 Prozent. Fehlerhafte Auswertungen und die kommerzielle Verwertung nennen jeweils 27 Prozent. Nur 17 Prozent geben an, kaum oder keine Sorgen zu haben. Der Speicherort der Daten spielt für acht von zehn Befragten eine wichtige oder sehr wichtige Rolle. Eine Speicherung ausschließlich in Deutschland bevorzugen mehr als drei Viertel der über 65-Jährigen und jeder zweite der 18- bis 24-Jährigen. EU-Lösungen kommen deutlich schlechter weg, internationale Speicherorte erreichen kaum Zustimmung.

Wirtschaftlich stößt Mobile Health an eine Grenze. Ein Viertel der Befragten würde für ein Wearable mit Gesundheitsfunktionen gar nichts ausgeben, fast genauso viele weniger als 100 Euro. Mit dem Alter sinkt die Zahlungsbereitschaft, mit dem Einkommen steigt sie. Bei Apps fällt die Bilanz ähnlich aus. Weniger als die Hälfte der Befragten wäre bereit, für die abgefragten Gesundheitsanwendungen überhaupt zu zahlen. Die akzeptierten Monatsbeträge liegen überwiegend im niedrigen einstelligen Bereich. Medizinisch orientierte Anwendungen wie Medikamenten- und Therapiemanagement erzielen etwas höhere Werte als Fitness- oder Ernährungs-Apps. Kostenpflichtige Abos bleiben ein Thema der jüngeren Altersgruppen.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Thomas Heuzeroth ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Verbraucher- und Technologiethemen, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation.

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