Wegen eines massiven Rückgangs der Stromproduktion infolge ⁠niedriger Wasserstände der Donau hat Rumänien für den gesamten August den landesweiten Notstand ausgerufen. Ein Reaktor des Atomkraftwerks Cernavoda sei bereits ⁠abgeschaltet worden, teilte Ministerpräsident Ilie Bolojan am Freitag mit.

Die ‌Regierung habe Gelder ​bewilligt, um Wasser aus einem ‌Kanal umzuleiten und so sicherzustellen, dass der ​zweite Reaktor am Netz bleiben könne. Zudem führe das Land Gespräche mit ​der Ukraine, Griechenland und Bulgarien, um in den abendlichen Spitzenzeiten Strom zu importieren.

Das staatliche Energieunternehmen Nuclearelectrica betreibt ​in Cernavoda zwei Reaktoren mit einer Leistung von jeweils 706 Megawatt, die ‌normalerweise etwa ein Fünftel des rumänischen Strombedarfs decken. Nachdem der erste Meiler bereits zu Wochenbeginn vom Netz genommen werden musste, sollte am Donnerstag eigentlich auch der zweite Reaktor folgen. Die Bedingungen in der Nacht hätten es jedoch zugelassen, den Betrieb vorerst ⁠aufrechtzuerhalten, teilte der Konzern mit.

Am Donnerstagabend hatte bereits der ungarische Ministerpräsident Péter Magyar seine Landsleute und Konzerne zum Stromsparen aufgerufen. Dem Land drohe wegen der Abschaltung des Kernkraftwerks Paks infolge des niedrigen Donau-Pegels eine beispiellose Energiekrise. „Nur durch koordiniertes Handeln und Selbstbeschränkung lassen sich schwerwiegendere Folgen vermeiden. Wir zählen auf jeden Einzelnen“, so der Regierungschef in einer Online-Botschaft.

Bereits am Nachmittag hatte der Betreiber angekündigt, das Kraftwerk innerhalb von 24 bis 72 Stunden vom Netz zu nehmen, da die Donau aktuell nicht genügend Kühlwasser liefere. Dies sei die erste vollständige Abschaltung in der 44 Jahre langen Geschichte des Kraftwerks. Paks liefert rund die Hälfte des ungarischen Stroms – eine Tatsache, die das Land in den kommenden Wochen abhängig von Importen machen dürfte.

Appell an Konzerne und Privatleute

In seiner Videobotschaft rief Magyar energieintensive Konzerne wie Batterie- oder Autofabriken dazu auf, ihren Verbrauch freiwillig herunterzufahren. Darüber hinaus seien gesetzliche Maßnahmen für gezielte, temporäre Stromabschaltungen in Vorbereitung, sollte der Stromverbrauch trotz Warnung nicht sinken. An Privatpersonen appellierte Magyar, in den Abendstunden auf Klimaanlagen sowie das Laden von E-Autos zu verzichten.

Der Pegel der Donau war zuletzt drastisch gesunken: An der rumänischen ‌Grenze flossen am Dienstag der Wasserbehörde zufolge nur noch 1650 Kubikmeter Wasser ‌pro Sekunde, während der Juli-Durchschnitt bei 4750 Kubikmetern liegt. ‌Bis zum 4. August wird ⁠ein ⁠weiterer Rückgang auf 1500 Kubikmeter erwartet, ein Wert, der ‌sich dem historischen Tiefststand von ​1400 Kubikmetern aus dem Jahr 1985 nähert. Erschwerend kommt hinzu, dass eine Hitzewelle den ​Strombedarf ​für Klimaanlagen in die Höhe treibt. Der Spitzenverbrauch in Rumänien lag in dieser Woche bei ⁠7,3 Gigawatt, während die heimische Produktion auf 4,3 Gigawatt gesunken war.

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