Eineinhalb Minuten am Morgen können verdammt lang sein – vor allem dann, wenn man barfuß auf einer glasglatten Platte steht, einen metallischen Handgriff umklammert und dabei innerlich durchzählt, während das eigene Badezimmer langsam zu einem kleinen Hightech-Labor mutiert. Withings schickt mit der Bodyscan 2 ein neues Modell ins Rennen und verpasst dem Gerät direkt einen neuen Titel: „Longevity-Station“. Im Test zeigt sich, was die Waage mit Langlebigkeit meint.

In jedem Fall ist die Bodyscan 2 kein Leichtgewicht. Mit 3,4 Kilogramm Gewicht steht sie fest auf dem Fliesenboden. Das Design aus gehärtetem Glas und hochwertigem Rahmen sieht wirklich edel aus, bis sich nach einigen Tagen auf unserem schwarzen Modell der Staub gelegt hat, der für unseren Geschmack zu gut zu erkennen ist.

Der wahre Star der Hardware sitzt jedoch im ausziehbaren Handgriff. Dort hat Withings ein 3,5 Zoll großes Farbdisplay verbaut, das mit einer scharfen Farbdarstellung glänzt. Wer morgens im Halbschlaf noch ohne Kontaktlinsen oder Brille im Bad steht, wird dieses direkt im Blickfeld liegende Display lieben.

Das Gerät begrüßt einen morgens namentlich, zeigt optional das aktuelle Wetter an und lässt sich bei Bedarf über neue Daumensensoren am Griff direkt bedienen. Bis zu acht verschiedene Nutzer erkennt die Waage automatisch über das Gewicht. Liegt das Gewicht von Familienmitgliedern zu nah beieinander, wechselt man das Profil eben manuell per Daumendruck direkt am Griff.

Am Griff hat die Withings Bodyscan 2 ein Farbdisplay, darunter befinden sich zwei Sensoren für die Daumen

Ist man erst einmal aufgestiegen und hat den Griff nach oben gezogen, beginnt das eigentliche Ritual. Und hier schlägt die Zeit zu Buche: Bis zu 90 Sekunden dauert der vollständige Scan. Das ist im morgendlichen Ablauf kein unüberwindbares Drama, aber eben auch nicht das beiläufige „Draufstellen, ablesen, weiter“ früherer Tage.

Während dieser anderthalb Minuten passiert allerdings eine Menge. Und hier wird es leider ein wenig technisch: Die Bioimpedanzanalyse arbeitet nun mit 13 Frequenzen bis zu 800 Kilohertz und löst die Körperzusammensetzung deutlich feiner auf als der Vorgänger. Zur Erklärung: Bei der Messung leitet die Bodyscan 2 einen extrem schwachen, für den Menschen unspürbaren Wechselstrom durch den Körper. Fettgewebe enthält kaum Wasser und leitet den Strom daher sehr schlecht. Muskeln, Organe und Körperwasser leiten den Strom aufgrund des hohen Wasser- und Elektrolytgehalts hingegen sehr gut. Aus dem gemessenen Widerstand (Impedanz) und unter Einbeziehung von Parametern wie Größe, Gewicht, Alter und Geschlecht berechnet die Waage dann diverse Körperwerte.

Heraus kommt eine professionelle Sechs-Zonen-Analyse, die Fett- und Muskelmasse getrennt für Arme, Beine und den Rumpf aufschlüsselt. Das ist vor allem dann spannend, wenn man gezielt trainiert und sehen möchte, ob beim Abnehmen tatsächlich das Fett schwindet oder ob man versehentlich wertvolle Muskelmasse opfert.

Neben der reinen Körperzusammensetzung erkennt die Waage mehr als 60 Biomarker, die zum Teil aber von Algorithmen errechnet werden. Neu an Bord sind ein Blutsauerstoff-Sensor (PPG) sowie die Impedanzkardiografie (ICG) zur Bestimmung des Herzalters. Letztere misst die mechanische Pumpleistung und Arteriensteifigkeit, während ein integriertes Sechs-Kanal-EKG die elektrische Aktivität des Herzens im Blick behält.

Ohne Vernetzung läuft nichts

In der Praxis erfordert die Messung allerdings etwas Feingefühl. Wer beim EKG oder der Sauerstoffmessung den Daumen zu fest aufdrückt, riskiert einen Abbruch. Die App hilft hier zwar mustergültig mit einer Live-Grafik, die den ausgeübten Druck visualisiert wie ein Einparkassistent, doch ein bisschen Übung gehört dazu.

Nach der Messung strömen die Daten per WLAN oder Bluetooth in die Withings-App. Wer mag, verbindet das Ganze mit den großen Health-Plattformen von Apple oder Google, wodurch auch Schrittzahlen, Workouts und Schlafdaten anderer Geräte nahtlos einfließen. Ein Withings-Konto in der Cloud ist dabei Pflicht – wer seine Gesundheitsdaten strikt offline halten möchte, greift hier ohnehin zum falschen Produkt.

In der App selbst erwartet den Nutzer ein wahres Cockpit. Die Aufbereitung ist im Grunde vorbildlich, erklärt Zusammenhänge verständlich und bricht komplexe Werte herunter. Dennoch lauert hier eine Gefahr: Die Fülle an Informationen kann einen schlicht erschlagen. Werte wie das Gefäßalter oder der Trend der Muskelmasse motivieren zwar, aber ein Wert wie der Nervenreaktions-Score wird bei vielen erst einmal Ratlosigkeit auslösen.

Dazu kommt der goldene Grundsatz der Körperanalyse: Man sollte sich von einzelnen Tageswerten nicht verrückt machen lassen. Wasserhaushalt, Salz, Alkohol oder das letzte Training lassen die Bioimpedanz-Werte schwanken.

Der wahre Wert liegt aber im langfristigen Trend über Wochen und Monate, nicht im tagesaktuellen Ausschlag. Kritisches Augenmaß ist zudem bei den generellen Versprechungen geboten: Eine smarte Waage bleibt am Ende des Tages ein Analyse- und Trendwerkzeug für das heimische Bad, ersetzt aber natürlich keine medizinische Vorsorgeuntersuchung oder klinische Diagnostik.

Abo als Wermutstropfen

Mit einem Verkaufspreis von 500 Euro ist die Bodyscan 2 leider kein Schnäppchen. Unglücklicherweise kommen für all jene noch Kosten hinzu, die alle Funktionen nutzen wollen. Denn Withings verknüpft einen Teil der am lautesten beworbenen Kernfunktionen mit dem Premium-Dienst Withings+, der mit 99,95 Euro pro Jahr zu Buche schlägt.

Ohne dieses Abo muss man auf Highlights wie das exakte Herzalter, den Glukose-Resilienz-Score, professionelle kardiologische Auswertungen der EKG-Daten durch echte Fachleute sowie die KI-gestützten Longevity- und Lifestyle-Analysen verzichten. Wer das volle Programm will, zahlt langfristig also einen kräftigen Obolus obendrauf.

Fazit: Für passionierte Daten-Fans, ambitionierte Sportler oder Menschen, die ihre Herz- und Stoffwechselgesundheit über Jahre hinweg akribisch überwachen wollen, ist die Bodyscan 2 ein echtes Highlight. Wer jedoch schlicht eine zuverlässige Waage sucht, um ab und an das Gewicht zu kontrollieren, wird vom stolzen Anschaffungspreis und der zusätzlichen Abo-Hürde abgeschreckt. Hier lohnt sich der Blick auf kleinere Geschwistermodelle im Withings-Portfolio oder auf Konkurrenzgeräte, die deutlich günstiger sind. Wer hingegen den Datendschungel liebt, bekommt allerdings das umfassendste Consumer-Gesundheitslabor, das man sich derzeit unter die Füße stellen kann.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Thomas Heuzeroth ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Verbraucher- und Technologiethemen, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation.

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