Rot- und Roséweine aus den deutschen Anbaugebieten Rheinhessen und Württemberg könnten bald zu Desinfektionsmittel und Biosprit werden. Die EU-Kommission in Brüssel habe einem deutschen Antrag auf die sogenannte Krisendestillation zugestimmt, erklärte das rheinland-pfälzische Weinbauministerium am Dienstag. „Ziel ist es, das bestehende Überangebot an Rot- und Roséweinen abzubauen und den Markt zu entlasten.“
Dabei würden die Weine zu hochprozentigem Alkohol gebrannt. „Um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, darf der durch diese Destillation gewonnene Alkohol ausschließlich für industrielle Zwecke, zum Beispiel Desinfektionsmittel oder Energie genutzt werden“, erklärte das Ministerium weiter – nicht aber für Getränke oder Lebensmittel. Damit könnten die Weine auch als Bioethanol – ein Bestandteil des E10-Kraftstoffs – im Tank landen.
Destillieren die Winzer Rotweine oder Roséweine aus den beiden Anbaugebieten zu Industriealkohol, dann bekommen sie dafür eine finanzielle Förderung von 43 Cent pro Liter. Hinzu kommen demnach 16 Cent pro Liter für Logistik- und Brennkosten. Die EU stelle dafür 14,16 Millionen Euro zur Verfügung, was einer Höchstmenge von rund 24 Millionen Litern entspreche. Zugelassen sind demnach Weine des Jahrgangs 2025 und älter.
Die Zustimmung der EU-Kommission sei „ein wichtiges Signal“ für die Weinbaubetriebe, erklärte die rheinland-pfälzische Weinbauministerin Christine Schneider. „Mit der Destillation schaffen wir kurzfristig Entlastung in einer angespannten Marktsituation.“ Zugleich bleibe das Ziel, Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht zu bringen.
Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg hatten den Angaben zufolge die Bundesregierung gebeten, in Brüssel eine „außergewöhnliche Marktintervention aus der EU-Agrarreserve“ zu beantragen. Bund und Länder sorgen nun für die rechtlichen Grundlagen für die Umsetzung. Es werde derzeit „mit einem Start im vierten Quartal 2026“ gerechnet, erklärte Schneider.
Die Marktlage im Weinsektor ist angespannt und der Weinkonsum geht europaweit zurück. Als Ursachen gelten die Inflation, die alternde Gesellschaft, veränderte Konsumgewohnheiten sowie ein stärkerer Preisfokus der Verbraucher. Die Folge: Das aktuelle Angebot an Rebflächen übersteigt laut Ministerium deutlich die Nachfrage.
Das Weinanbaugebiet in Württemberg ist nach Angaben des Deutschen Weininstituts das viertgrößte in Deutschland. 65 Prozent der angebauten Sorten sind demnach rote Rebsorten.
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