Die Einfuhren von russischem Flüssigerdgas (LNG) in die EU haben seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor vier Jahren im ersten Quartal einen Höchststand erreicht. Die Empfänger der meisten Importe sind Frankreich, Spanien und Belgien, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der US-Energiedenkfabrik IEEFA hervorgeht. Angetrieben von diesen Ländern stiegen die EU-Importe von russischem LNG im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16 Prozent auf 6,9 Milliarden Kubikmeter – der höchste Stand seit 2022.

Ein ähnlicher Trend sei bereits im April zu beobachten gewesen, als die EU-Importe von russischem LNG im Vergleich zum Vorjahr erneut um 17 Prozent gestiegen waren, teilte die auf den Energiesektor spezialisierte IEEFA der Nachrichtenagentur AFP mit.

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine 2022 hat die EU sich darum bemüht, ihre Abhängigkeit von russischem Gas aus Pipelines zu verringern und Importe von Flüssigerdgas zu diversifizieren. LNG ist verflüssigtes Erdgas, das per Schiff transportiert wird und an Europas Küsten erneut in Gasform umgewandelt in die Netze eingespeist wird.

EU-Kommission will Ende russischer Gaslieferungen bis 2027

2025 machte LNG nach Angaben der EU-Kommission 45 Prozent der gesamten EU-Erdgasimporte aus, der verbleibende Anteil wurde über Pipelines geliefert. Dennoch fließt weiterhin russisches Gas nach Europa: Russland bleibt der zweitgrößte LNG-Lieferant der EU, obwohl die EU-Kommission ein Ende russischer Gaslieferungen bis 2027 anstrebt.

Insbesondere Frankreich „importierte im ersten Quartal 2026 mehr russisches LNG als jedes andere europäische Land“ und erreichte dabei nach Einschätzung der Denkfabrik im Januar einen neuen Höchststand.

Zugleich hat Europa seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine und insbesondere seit dem Iran-Krieg seine Lieferungen von US-Flüssigerdgas erhöht, sodass die USA laut IEEFA „auf dem besten Weg sind, bis 2026 zum wichtigsten Gaslieferanten des Kontinents zu werden“. Bis 2028 könnte die EU der Denkfabrik zufolge 80 Prozent ihrer LNG-Importe aus den USA beziehen.

Bezogen auf alle Gasimporte, also Pipeline-Gas und LNG zusammengerechnet, blieb laut EU-Kommission im ersten Quartal Norwegen mit einem Anteil von 31 Prozent der größte Lieferant der EU – dicht gefolgt von den USA mit einem Anteil an den Einfuhren von 28 Prozent. Danach folgt Russland mit einem Anteil von 14 Prozent.

„Der Übergang Europas von Pipeline-Gas zu LNG sollte eigentlich Versorgungssicherheit und Diversifizierung gewährleisten“, erklärte die IEEFA-Energiespezialistin Ana Maria Jaller-Makarewicz. Doch die durch den Krieg im Nahen Osten verursachten Störungen und eine übermäßige Abhängigkeit von Flüssiggas aus den USA zeigten, „dass Europas Plan an beiden Fronten gescheitert ist“. LNG sei „zur Achillesferse der europäischen Energiesicherheitsstrategie geworden“.

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