Auf ihrer Website sucht die Porsche E-Bike Performance GmbH noch einen Personalchef. Zu den Aufgaben gehört „empathische Kommunikation“, um die Mitarbeiter für die kommende Wachstums-Periode zu motivieren – in enger Abstimmung mit dem Sportwagenbauer Porsche AG.
Doch statt um Wachstum geht es nun um das schnelle Ende. Porsche meldete am Freitag, dass man gleich drei Tochtergesellschaften den Stecker ziehen werde. Anders als sonst üblich geht es nicht darum, Käufer oder Partner zu finden. Porsche macht die drei Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Feldern einfach dicht.
Die Entscheidung unterstreicht den Sanierungskurs von Porsche-Chef Michael Leiters. Er will den Autobauer, der sich in Felder von Unternehmensberatung bis Design ausgebreitet hat, wieder stärker auf das Kerngeschäft mit Sportwagen fokussieren. Denn wegen der zunehmenden Konkurrenz in China, den Zöllen in den USA und einer zu schnellen Umstellung auf E-Mobilität hat Porsche Probleme: Abschreibungen drückten den operativen Gewinn im vergangenen Jahr fast auf null.
Leiters will seine neue Gesamtstrategie im Herbst vorstellen. Er hat aber schon klargemacht, dass er zuvor keine harten Schnitte scheuen will. Für das Autogeschäft laufen seit Monaten Verhandlungen mit den Betriebsräten über Personalabbau.
Auch bei den jetzt verkündeten Vollbremsungen sollen die Betriebsräte mitreden. Viel zu retten gibt es allerdings angesichts der Komplettschließungen nicht. Leiters demonstriert, dass er anders vorgeht als etwa der Mutterkonzern VW, der für seine Werke in Dresden und Osnabrück aufwendig Partner sucht, statt sie einfach zu schließen.
Wenig überraschend dürfte der Schritt für die 50 verbliebenen Mitarbeiter der Batterietochter Cellforce gewesen sein. Eigentlich sollte das Unternehmen in Kirchentellinsfurt extrem leistungsfähige Batterien entwickeln und bauen, mit denen sich der Sportwagenbauer von der Konkurrenz absetzen wollte. Doch das Scheitern war absehbar: Schon im vergangenen Spätsommer schloss Porsche die Produktion mit 200 Mitarbeitern und verschonte nur die Entwickler. Ihnen war es jedoch nicht gelungen, gegen die viel größeren Konzerne aus China einen so starken technologischen Vorsprung herauszuarbeiten, dass er Porsche einen spürbaren Wettbewerbsvorteil gebracht hätte. Zudem verlangsamte Porsche damals seine Elektro-Strategie zugunsten einer längeren Laufzeit für Verbrenner.
Der E-Bike-Markt schwächelt
Mehr Hoffnung steckte in der E-Bike-Tochter. Porsche hatte die kroatische Elektrorad-Marke Greyp und das Münchener E-Bike-Startup Fazua aufgekauft. Ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem niederländischen Fahrradkonzern Pon (Gazelle, Kalkhoff, Cannondale, Swapfiets) sollte ein eigenständiges Porsche-E-Bike entwickeln. Schon im Januar kam das Aus für dieses Projekt.
Damals hieß es noch, die Entwicklung innovativer Antriebssysteme für E-Bikes werde ohne Unterbrechung fortgesetzt. Schließlich hat Fazua bereits mehrere Kunden. Doch nun ist damit Schluss. Grund seien „grundlegend veränderte Marktbedingungen für E‑Bike-Antriebe“, meldete Porsche am Freitag. Tatsächlich schwächelt der Markt, der mit der Pandemie ein Hoch erlebt hatte. Etablierte Hersteller von Antrieben wie Bosch spüren zunehmende Konkurrenz aus Fernost.
Betroffen von dem E-Bike-Aus sind 350 Mitarbeiter in der kroatischen Hauptstadt Zagreb und in München. Auch die Cetitec GmbH beschäftigt 30 Menschen in Kroatien und weitere 60 in Pforzheim. Das Unternehmen habe „spezialisierte Software für Datenkommunikation für Porsche und den gesamten Volkswagen Konzern“ erstellt, meldete Porsche: „Auch hier hat sich das Marktumfeld verändert, und Entwicklungsumfänge wurden verlagert.“
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und Business Insider erstellt.
Christoph Kapalschinski berichtet als Redakteur über die Autoindustrie.
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