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Die Industrie verzeichnet im März ein überraschend starkes Auftragsplus. Doch Konjunkturexperten bleiben angesichts hoher Energiepreise und des Iran-Kriegs skeptisch.

Ein Hoffnungsschimmer für die angeschlagene deutsche Wirtschaft, aber weiter maue Wachstumsaussichten für dieses Jahr: Im März zog der Wert der Auftragseingänge für die Industrie überraschend kräftig um 5,0 Prozent zum Vormonat an, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. 

Der Auftragseingang lag ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen auf dem höchsten Niveau seit Februar 2023, schrieben die Statistiker. "Die deutsche Industrie hat im ersten Kriegsmonat überraschend deutlich mehr Aufträge erhalten, auch wenn man die stark schwankenden Großaufträge herausrechnet", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Doch der Einbruch von Stimmungsindikatoren wie dem Ifo-Geschäftsklima zeige eine große Verunsicherung der Unternehmen.

Als Folge des Iran-Kriegs rechnen Konjunkturforscher des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in diesem Jahr nur noch mit einem Wachstum von 0,4 Prozent.

Ministerium weist auf möglichen Vorzieheffekt hin

Das Bundeswirtschaftsministerium äußerte sich ebenfalls vorsichtig. Der Iran-Krieg habe zu einem Energiepreisschock geführt, der sich verzögert auch auf andere Güter niederschlagen werde. "Vor diesem Hintergrund dürften im März verstärkt Bestellungen in Erwartung steigender Preise bzw. möglicher Lieferengpässe getätigt worden sein."

Das Auftragsplus für die Industrie im März ging zu einem großen Teil auf den deutlichen Anstieg bei Herstellern elektrischer Ausrüstungen zurück. Aber auch im Maschinenbau (plus 6,9 Prozent) sowie in der Produktion von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (plus 14,4 Prozent) gab es mehr Bestellungen.

IW: Krieg hat zaghafte Erholung abgewürgt

 "Die Auftragseingänge der Industrie aus dem März sind ein Indiz, dass die deutsche Industrie unmittelbar vor dem Iran-Krieg zu einer klaren Erholung angesetzt hatte und auch im ersten Kriegsmonat noch robust aufgestellt war", sagte Sebastian Dullien, wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Die Industrie dürfte sich aber erst erholen, wenn die Energiepreise wieder spürbar fielen und damit die vom Krieg gebremste Konjunktur wieder Fahrt gewinne.

"Der Iran-Krieg hat die zaghafte Erholung der deutschen Wirtschaft abgewürgt", stellte auch IW-Ökonom Michael Grömling fest. "Steigende Energiepreise und Lieferstörungen treffen ein Land, das nach drei Jahren Rezession und Stagnation kaum noch Puffer hat", sagte er. Das erwartete kleine Plus von 0,4 Prozent komme vor allem durch staatliche Konsumausgaben und Investitionen in die Verteidigung zustande. 

Exporte schrumpfen zum vierten Mal in Folge 

"Die deutschen Exporte schrumpfen zum vierten Mal in Folge, während der Welthandel wächst", bemerkte Grömling. Die deutsche Konjunktur koppele sich immer stärker von den Weltmärkten ab. Das spreche für einen gravierenden Verlust an Wettbewerbsfähigkeit.

Zu Jahresbeginn ist die deutsche Wirtschaft trotz aller Krisen leicht gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im ersten Quartal zum Vorquartal um 0,3 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Daten mitteilte.

dpa

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