Angesichts des hohen Krankenstands hat sich Tesla in den vergangenen Jahren immer wieder erzürnt gezeigt über die Belegschaft des Werks in Grünheide. Im Spätsommer 2024 erfolgten bei 12.000 Angestellten der Gigafactory insgesamt 2000 Krankschreibungen. Nun konnte der Autohersteller den Anteil erkrankter Mitarbeiter deutlich senken. Aktuell liege der Wert unter fünf Prozent, verkündete Werksleiter André Thierig auf der Hannover Messe, wie das „Handelsblatt“ berichtet. „Ich glaube, da würden viele Unternehmen neidisch draufschauen, hätten sie das geschafft.“
Laut Thierig herrscht ein neuer Geist in der Fabrik, den er auf das neue Mitarbeiter-Aktienprogramm, den Bau eines Fitnessstudios und eines Barbershops sowie die Möglichkeit zurückführt, für 25 Euro am Tag einen Tesla mieten zu können. Damit sei die Bindung an das Unternehmen erhöht worden. Viele Angestellte würden sich nun nicht erst am Arbeitsplatz umziehen. „Sie kommen einfach auch gerne schon in der Arbeitskleidung“, sagte Thierig. „Die Leute finden es geil.“
Neben besagten Anreizen dürfte der verringerte Krankenstand laut „Handelsblatt“ noch einen anderen Grund haben. So hätten krankgeschriebene Mitarbeiter Schreiben erhalten, die sie darüber informierten, „keine weitere Entgeltfortzahlung wegen möglicher Fortsetzungserkrankung“ zu erhalten.
„Wir gehen daher derzeit davon aus, dass bei Dir eine Fortsetzungserkrankung vorliegt und bestreiten die Ausheilung der bei Dir bescheinigten Krankheit und das Eintreten einer neuen (…) Krankheit“, schreibt der Autobauer weiter. Dem hiesigen Arbeitsrecht zufolge zahlen Arbeitgeber im Falle einer Erkrankung maximal sechs Wochen Lohn. Anschließend werde das Gehalt nur bei einer neuen Erkrankung gezahlt.
Den Angaben der jeweiligen Krankenkasse schenkte Tesla wenig Vertrauen: „Angesichts des Eigeninteresses der Krankenkassen, kein Krankengeld bezahlen zu müssen, mussten wir leider des Öfteren erkennen, dass Ausführungen der Krankenkassen, dass keine anrechenbaren Vorerkrankungen vorlagen, nicht korrekt waren“, beanstandete das Unternehmen.
Vom betroffenen Mitarbeiter verlangt der Autohersteller, seine behandelnden Ärzte von der Schweigepflicht zu entbinden und eine Neuerkrankung nachzuweisen. Er müsse „bezogen auf den gesamten maßgeblichen Zeitraum schildern, welche gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Beschwerden mit welchen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bestanden“.
Gregor Thüsing kritisierte gegenüber dem „Handelsblatt“ das Vorgehen Teslas. „Das scheint mir doch etwas mehr, als die Rechtsprechung verlangt“, erklärte der Professor für Arbeitsrecht an der Universität Bonn. Mitarbeiter seien nicht gezwungen, von sich aus Diagnosen vorzutragen. Auch die Entbindung von der Schweigepflicht sei umstritten. „Die Rechtsprechung hat bislang nicht gefordert, dass der Arzt mehr sagen muss, als ohnehin in seiner Bescheinigung steht. Er muss keine Diskussion mit Tesla über seine Diagnose führen.“
In den vergangenen Jahren war der Umgang des Unternehmens mit seinen Mitarbeitern wiederholt Thema. Bei einer Betriebsversammlung Ende 2023 hatte Werksleiter Thierig einer geheimen Tonaufnahme zufolge Teilen seiner Belegschaft vorgeworfen, faul und unehrlich zu sein. Später war bekannt geworden, dass Tesla Mitarbeitern unangekündigte Hausbesuche abstattet, wenn diese häufiger krankgeschrieben seien.
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