Ab Montagnachmittag will Trump die Straße von Hormus blockieren lassen. Doch wie würde das überhaupt aussehen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Um 16.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit wird es ernst: Ab dann will die USA die Straße von Hormus blockieren. Das kündigte US-Präsident Donald Trump nach dem vorläufigen Scheitern der Verhandlungen mit dem Iran an. Die US-Marine werde alle Schiffe daran hindern, in die Meerenge einzufahren oder diese zu verlassen, teilte Trump am Sonntag auf der Plattform Truth Social mit. 

Trump begründete den Schritt mit Drohungen aus Teheran und sprach von „Welterpressung“. Iran habe erklärt, es könnten Minen in der Meerenge liegen. Laut Trump könnte die Blockade erst wieder gelockert werden, wenn die Durchfahrt für alle Schiffe uneingeschränkt möglich sei.

Was will Trump mit der Blockade bezwecken?

Trump will mit der Blockade verhindern, dass der Iran Gebühren von Reedereien für die Durchfahrt verlangt, und zugleich die wichtigsten Einnahmequellen des Landes treffen. Hintergrund ist, dass Teheran zuletzt erwogen hat, von Schiffen eine Art Maut für die Passage zu fordern und die Meerenge stärker zu kontrollieren. International stößt das auf breite Ablehnung, weil für solche natürlichen Meerengen eigentlich ein Recht auf freie Durchfahrt gilt. 

„Wir pochen aufs Völkerrecht. Internationale Seewege müssen uneingeschränkt und sicher passierbar sein“, sagte Carsten Duif vom Verband Deutscher Reeder (VDR) auf Anfrage von Capital. Die USA haben zudem angekündigt, Seeminen in der Meerenge beseitigen zu wollen. Damit möchten sie die Kontrolle über die Schifffahrtswege zurückgewinnen und verhindern, dass der Iran die Meerenge als Druckmittel einsetzt. Allerdings ist unklar, ob und in welchem Ausmaß die Straße von Hormus vermint ist.

Wie könnte eine Blockade praktisch umgesetzt werden?

Wie eine Blockade im Detail aussieht, ist bislang offen. Grundsätzlich handele es sich um eine militärische Operation, sagte Carsten Duif vom VDR. Es könnte sein, dass Militärschiffe den Durchgang überwachen, sodass Handelsschiffe nicht mehr einfach durchfahren können. Die Straße von Hormus ist an ihrer engsten Stelle nur rund 50 Kilometer breit, die tatsächlich genutzten Fahrrinnen sind deutlich schmaler. Tanker und Frachter bewegen sich dort in wenigen klaren Korridoren. Genau das macht eine Blockade vergleichsweise gut kontrollierbar. Kriegsschiffe könnten sich an diesen Engstellen positionieren. Schiffe müssten dann anhalten, umdrehen oder würden gar nicht erst einfahren.

Was würde mit Schiffen passieren, die die Blockade missachten?

Nach den Ankündigungen aus Washington müssten Schiffe, die sich nicht an die Blockade halten, mit Konsequenzen rechnen. Trump erklärte, die US-Streitkräfte seien angewiesen worden, Schiffe abzufangen, die trotz der Maßnahmen weiterfahren oder Gebühren an den Iran zahlen. In der Praxis könnte das bedeuten, dass Kriegsschiffe solche Frachter stoppen, kontrollieren oder zur Umkehr zwingen. Wie strikt dies umgesetzt würde, ist offen. Klar ist jedoch: Für Reedereien steigt das Risiko erheblich. Viele dürften daher schon aus Sicherheitsgründen darauf verzichten, die Meerenge überhaupt anzusteuern.

Warum ist die Straße von Hormus so wichtig für die Weltwirtschaft?

Die Meerenge ist die einzige Seeverbindung zwischen dem Persischen Golf und dem offenen Meer und somit der Zugang der wichtigen Ölländer am Golf zum Welthandel. 2024 passierten im Schnitt täglich etwa 20 Millionen Barrel Rohöl die Straße von Hormus – fast 20 Prozent des weltweiten Verbrauchs. 

Auch etwa ein Fünftel des weltweiten Handels mit verflüssigtem Erdgas (LNG) verläuft durch die Meerenge, hauptsächlich aus Katar. Wäre die Straße von Hormus nicht mehr passierbar, könnten wichtige Golfstaaten kein Öl mehr exportieren. Die Folge wären massive Verwerfungen auf den Energiemärkten, etwa durch stark steigende Ölpreise.

Wie reagieren Iran und andere Staaten auf die angekündigte Blockade?

Irans Streitkräfte haben die von Trump angekündigte Seeblockade in der Straße von Hormus als „Akt der Piraterie“ bezeichnet. Einschränkungen für den Schiffsverkehr in internationalen Gewässern seien eine illegale Maßnahme, sagte ein Sprecher der iranischen Militärführung laut der Nachrichtenagentur Tasnim. „Die Sicherheit der Häfen im Persischen Golf und im Golf von Oman ist entweder für alle oder für niemanden“, sagte der Sprecher weiter. 

Auch die britische Regierung unterstützt die von Trump angekündigte Blockade der Straße von Hormus nicht. Alle diplomatischen, politischen und militärischen Maßnahmen seien darauf ausgerichtet, die Meerenge wieder zu öffnen, sagte Premierminister Keir Starmer der „BBC“. China rief beide Seiten nach der US-Ankündigung auf, sich zu mäßigen und die Waffenruhe einzuhalten.

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