Der Anschlag auf die Stromversorgung der Transalpine Pipeline (TAL), die ganz Süddeutschland mit Rohöl versorgt, alarmiert nun auch die Politik. Die TAL-Pipeline war Ende März drei Tage lang ausgefallen, weil ein Strommast in den italienischen Alpen beschädigt worden war, der für die Energieversorgung der Pipeline nötig ist. Der Vorfall war erst mit knapp zwei Wochen Verzögerung durch Recherchen von WELT AM SONNTAG und „Business Insider“ öffentlich geworden.
„Der Anschlag auf die TAL-Pipeline zeigt einmal mehr, wie verwundbar wir sind bei Fragen der kritischen Infrastruktur“, sagte der energiepolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Andreas Lenz (CSU), am Samstag. „Es gibt hier keine vollständige Sicherheit, aber wir müssen mehr in Resilienz investieren, und zwar dauerhaft.“ Lenz sprach angesichts der Sabotage von einer „neuen Qualität“ der Angriffe auf kritische Energie-Infrastruktur.
Mehrere Raffinerien in Baden-Württemberg und Bayern, darunter die Miro-Raffinerie bei Karlsruhe, mussten auf Ölreserven zurückgreifen, weil überraschend drei Tage lang keine neuen Lieferungen durch die Pipeline ankamen. Das Bundesinnenministerium hatte erst am Freitag auf Anfrage von WELT AM SONNTAG und „Business Insider“ bestätigt, dass deutsche Behörden informiert wurden. „Das Bundeskriminalamt steht zu diesem Vorfall mit den italienischen Behörden in Kontakt“, sagte ein Ministeriumssprecher. Ob es sich um einen politisch motivierten Anschlag auf kritische Infrastruktur handelt, sei „Gegenstand der weiteren Ermittlungen der italienischen Behörden“, so das Innenministerium.
Die Betreiber der TAL-Pipeline sollen laut Berichten italienischer Medien am Samstag zwar mitgeteilt haben, dass es keinen direkten Anschlag auf die Pipeline selbst gegeben habe. Allerdings wird auch in diesen Berichten bestätigt, dass die Pumpanlage der Pipeline wegen eines beschädigten Strommasten vom Netz genommen werden musste. Eine Anfrage von WELT AM SONNTAG und „Business Insider“ hatte die TAL-Betreiber unbeantwortet gelassen.
Auch Terna, der Betreiber des italienischen Stromnetzes, bestätigte am Samstag den Anschlag auf den Strommast. Am 25. März hätten Mitarbeiter den Schaden in der Gemeinde Tolmezzo festgestellt, der „von unbekannten Parteien verursacht“ worden sei. „Der italienische nationale Netzbetreiber hat unverzüglich die zuständigen Strafverfolgungsbehörden über den Vorfall informiert, damit diese die erforderlichen Ermittlungen einleiten können, und hat die notwendigen Maßnahmen ergriffen, um die Anlage und das betroffene Gebiet zu sichern“, heißt es in der Stellungnahme von Terna.
Der Vorfall habe zur „vorübergehenden Unterbrechung der Stromversorgung“ beim Kunden Società Italiana per l’Oleodotto Transalpino S.p.A. geführt – dem Betreiber der TAL-Pipeline. Andere Privatkunden des Stromversorgers seien nicht nennenswert betroffen gewesen. Die Reparaturen an dem Hochspannungsmast seien am 29. März abgeschlossen worden.
Die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtet unter Berufung auf informierte Kreise, dass wegen des Stromausfalls die Anti-Mafia-Behörde DDA sowie die Carabinieri ermitteln. Weitere Informationen würden vor dem Ende der Untersuchung nicht mitgeteilt. Die italienische Nachrichtenplattform „24 Ore“ berichtet zudem, dass sich vor einigen Tagen ungewöhnlich viele Öltanker vor Triest gestaut haben. Im Hafen von Triest wird normalerweise das Öl angeliefert, das dann über die TAL-Pipeline bis nach Deutschland transportiert wird.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ geschrieben.
Daniel Wetzel ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Energiewirtschaft und Klimapolitik. Er wurde 2007 vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit dem Robert-Mayer-Preis ausgezeichnet und vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität Köln 2009 mit dem Theodor-Wessels-Preis.
Philipp Vetter ist Teamleiter im Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“.
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