Der Flughafenbetreiber Hamburg Airport hat 2025 als ein aus seiner Sicht ordentliches Geschäftsjahr abgeschlossen. Die Zahl der Fluggäste stagnierte zwar bei 14,8 Millionen auf dem Niveau von 2024. Der Gewinn stieg aber auf 30,1 Millionen Euro, von 20,4 Millionen Euro im Jahr zuvor.

Flughafenchef Christian Kunsch und seine Finanz-Geschäftsführerin Berit Schmitz führen das auch auf ein gutes Kostenmanagement zurück. „Wir wachsen weiter solide, aber nicht über unsere Verhältnisse. Das Ergebnis 2025 zeigt, dass sich unsere wirtschaftliche Entwicklung stabilisiert hat“, sagte Kunsch bei der Vorlage der Bilanz am Donnerstag. „Aber wir können uns nicht zurücklehnen: Wir brauchen diese Mittel, um die anstehenden Investitionen in die Resilienz und Zuverlässigkeit unserer Infrastruktur leisten zu können – und zwar aus eigener Kraft.“

Allein 2026 werde Hamburg Airport rund 70 Millionen Euro in die Erneuerung der Anlagen investieren. „Wir wollen unser Ergebnis weiter verbessern, um mehr Spielraum für Investitionen zu gewinnen“, sagte Schmitz. „Diese Investitionen wollen wir aus eigener Kraft erwirtschaften und nicht von unseren Gesellschaftern abhängig sein.“ Hamburg Airport, Deutschlands fünftgrößter Flughafen, gehört zu 51 Prozent der Stadt Hamburg und zu 49 Prozent dem Unternehmen AviAlliance.

Eine wichtige Referenzgröße für die Luftfahrtbranche ist weiterhin die Bewältigung der Pandemiefolgen. 2019, im letzten Jahr vor Corona, verzeichnete Hamburg Airport 17,3 Millionen Passagiere. Diese Zahl werde man bei einem moderaten Wachstum der Passagierzahlen von etwa drei Prozent im Jahr erst im kommenden Jahrzehnt wieder sehen, sagte Kunsch. An das Geschäftsergebnis von 2019 – 32,2 Millionen Euro – reicht der Hamburger Flughafen aber inzwischen fast wieder heran.

Von den Folgen der Pandemie habe sich Hamburg Airport „besser als alle vergleichbaren deutschen Flughäfen“ in der Größenordnung zwischen jährlich neun und 26 Millionen Passagieren erholt, sagte Kunsch. Für 2026 erwarte man bei den Passagierzahlen „ein leichtes Wachstum“. Als einen Grund dafür sieht das Management von Hamburg Airport auch die „Konnektivität“ des Hamburger Flughafens, gute nationale und internationale Verbindungen. Deutschlandweit stehe Hamburg laut einer aktuellen Branchenstudie auf Rang vier, international auf Rang 21 von 476 untersuchten Flughäfen. Die Hamburger Wirtschaft kritisiert hingegen regelmäßig, der Flughafen habe zu wenige interkontinentale Direktflüge.

Für die Luftfahrtbranche hat sich mit der Pandemie etliches geändert, die Zeit des Billigfliegens ist längst vorüber. Die Fluglinien achten auf eine hohe Auslastung ihrer Maschinen, und sie haben ihr Liniennetz in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich ausgedünnt. „Wegen hoher staatlicher Gebühren sind wir in Deutschland in der Luftfahrt nur noch teilweise wettbewerbsfähig“, sagte Kunsch. Allerdings konnte Hamburg Airport das Volumen, das die irische Fluglinie Ryanair zuletzt aus Hamburg abgezogen habe, mit neuen Verbindungen von Easysjet und Wizzair „vollständig kompensieren“.

Vor diesem Hintergrund beobachtet die Luftfahrtbranche in Hamburg und auch international die Folgen des Irankriegs. Sorgen vor einem Mangel an Kerosin wegen der Blockade der Straße von Hormus habe man derzeit nicht, sagte Kunsch: „Stand heute haben wir keine Engpässe bei der Versorgung mit Kerosin.“ Die Sommerreisesaison sei bislang am Hamburg Airport gut gebucht. Ob und wie sich die gestiegenen Energiepreise womöglich auf die Flugpreise auswirken werden, könne er aktuell nicht beurteilen, sagte Kunsch: „Derzeit gehen wir nicht von Einschränkungen im Sommerreiseverkehr aus.“

Ein großer Kundenblock, der in der Pandemie weggefallen ist, sind die Geschäftsreisen, vor allem auch auf den innerdeutschen Flügen. „Die werden nicht zurückkommen“, sagte Kunsch. Von der schwierigen Lage der Deutschen Bahn, von der noch jahrelang andauernde Sanierung vor allem auch des Hochgeschwindigkeitsnetzes, profitiert die Luftfahrtbranche nicht: „Die Nachfrage nach mehr innerdeutschen Flügen existiert durchaus. Aber politisch ist das innerdeutsche Fliegen nicht gewünscht. Für mehr Wachstum in diesem Bereich müssten sich die Rahmenbedingungen ändern.“

Die Luftfahrtunternehmen hätten auf die in Deutschland restriktive Luftfahrtpolitik der vergangenen Jahre mit dem Abbau von Kapazitäten und der Verlegung von Flugzeugen an ausländische, lukrativere Standorte reagiert.

Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit vielen Jahren auch über die Luftfahrtbranche und den Flugzeugbau.

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